Währungsrisiko: Investments und Wechselkurse

Wird der Preis eines Investments, also etwa eines Rohstoffes oder Wertpapiers, in einer Fremdwährung festgelegt, gehen Sie mit dieser Kapitalanlage nicht nur Kursrisiken sein, sondern zugleich auch Wechselkursrisiken. Ob Sie sich gegen letzteres absichern sollten, hängt vor allem mit der gewählten Anlageklasse zusammen.

Am stärksten schwankende Währungen

  • Rand, Südafrika

    21,28 % Volatilität


Wie entsteht ein Währungsrisiko?

Grundsätzlich besteht ein Währungsrisiko immer dann, wenn ein Investment oder eine Spekulation nicht in der eigenen Landeswährung stattfindet. Denn dann treffen in der Geldanlage – mindestens – zwei Währungen aufeinander. Und diese Währungen stehen in Relation zueinander. Das heißt, sie bilden ihren Wert in Abhängigkeit von der jeweils anderen Währung. So kann der Wert des US-Dollars beispielsweise in Euro angegeben werden, und umgekehrt. Auf diese Weise kann eine Währung gegenüber einer anderen Währung im Wert sinken oder steigen.

Beispiele für Währungschancen und -risiken

Für Anleger entsteht durch Wechselkursveränderungen die Gefahr, dass sie mit einem Investment weniger Rendite erzielen. Das klingt zunächst sehr abstrakt, kann aber mit einem vereinfachten Beispiel erklärt werden. Dabei werden zwei Szenarien unter die Lupe genommen: Im ersten Fall die Wertsteigerung der Fremdwährung, im zweiten der Wertverlust der Fremdwährung. Die Fremdwährung ist in diesen Fällen die Währung, in der das Investment getätigt wird.

Szenario 1: Der Wert der Fremdwährung steigt

Ein deutscher Anleger kauft 14 Aktien, die in US-Dollar notiert sind. Jede Aktie kostet 100 Dollar, insgesamt sind sie also 1.400 Dollar wert. Der aktuelle Kurs US-Dollar zu Euro liegt bei 1,4:1. Der Euro ist in diesem Fall also sehr stark. Für jeden investierten Euro erhält der Anleger 1,40 Dollar. Damit kann er die Wertpapiere im Wert von 1.400 Dollar bereits für 1.000 Euro kaufen. Nach einer gewissen Zeit möchte der Anleger seine Aktien wieder verkaufen. Der Einfachheit halber nehmen wir an, dass sich ihr Börsenkurs nicht verändert hat, zusammen liegen sie also immer noch bei 1.400 US-Dollar. Der Anleger verkauft so vielleicht, weil er mit der Entwicklung des Investments unzufrieden ist.

In der Zwischenzeit hat sich aber der Wechselkurs der beiden Währungen geändert. Jetzt liegt er nur noch bei 1,2:1. Im Vergleich zum Kaufzeitpunkt hat der Dollar also gegenüber dem Euro gewonnen. Beim Verkauf der Wertpapiere wird nun zum derzeitigen Wechselkurs in die ursprüngliche Währung, in Euro, umgerechnet. Und da der Dollar so stark gestiegen ist – also mehr Euro wert ist –, erhält der Anleger für die 1.400 US-Dollar nun 1.167 Euro. Damit beschert ihm die günstige Wechselkursveränderung also einen Gewinn von 167 Euro. Und das trotz eines unveränderten Aktienkurses.

Szenario 2: Der Wert der Fremdwährung sinkt

Und nun der umgekehrte Fall: Es gelten dabei die gleichen Voraussetzungen. Bei einem Wechselkurs von 1,4:1 hat ein deutscher Anleger US-Aktien im Wert von 1.400 US-Dollar (1.000 Euro) gekauft. Wieder verändert sich der Aktienkurs nicht, er verkauft für einen Betrag von 1.400 US-Dollar. Doch diesmal hat der Euro gegenüber dem Dollar in der Zwischenzeit weiter zugelegt – er ist also noch mehr US-Dollar wert. Der aktuelle Kurs liegt bei 1,6:1. Damit ist der Wert der Aktien also – in Euro gerechnet – gesunken, da der Dollar verloren hat. Wird nun bei einem Verkauf in die Ausgangswährung umgerechnet, bekommt der Anleger nur noch 875 Euro ausbezahlt. Er macht also 125 Euro Verlust.

Anlageklassen und Währungsrisiko

Wie Sie anhand der Beispiele sehen, sind Wechselkursrisiken auch immer Wechselkurschancen. Auch der Kauf einer Aktie, einer Anleihe oder eines Rohstoffes bietet Währungsrisiko und -chance zugleich, sofern der Wert der Anlage in einer Fremdwährung bestimmt wird. Rohstoffe etwa werden in den meisten Fällen in US-Dollar notiert. Das Wechselkursrisiko ist für deutsche Anleger hier also unvermeidlich. Bei Aktien und Anleihen hängt es dagegen davon ab, in welcher Währung ein Wertpapier gehandelt wird. Legen Sie in Ihrer Heimatwährung Euro an, besteht kein zusätzliches Währungsrisiko, in allen anderen Währungen hingegen schon.

Wechselkursrisiko Definition

Eine Investition in ausländische Währungen bringt ein gewisses Risiko mit sich, das als Wechselkursrisiko bezeichnet wird. Oft spricht man dabei auch von Währungsrisiko oder Währungsunsicherheit.

Bildung der Kurse

Die Währungskurse werden im internationalen Devisenhandel gebildet, zum Beispiel durch grenzüberschreitende Kreditvergaben und Auslandsinvestitionen. Letztlich hat sogar jeder einzelne Kauf eines Produkts im Währungsausland einen, wenn auch meist verschwindend geringen, Einfluss auf einen Wechselkurs.


Flexible Aktienfonds sorgen für geringes Wechselkursrisiko

Bei Aktien und Aktienfonds spielt die Wechselkursunsicherheit eine geringere Rolle. Aktieninvestments sind flexibler gestaltbar. Wann Sie aussteigen und verkaufen, liegt ganz bei Ihnen. Natürlich tun Sie gut daran, nicht gerade dann zu verkaufen, wenn der Wechselkurs ungünstig steht. Da Währungskurse keinen langen Trends folgen, ist es gut möglich, dass ein Währungskurs, der jetzt noch ungünstig ausfällt, bereits im nächsten Jahr ganz anders notiert. Sind Sie Aktionär, sind Sie in der glücklichen Lagen, den Verkauf bei ungünstiger Lage etwas aufschieben zu können.

Ein weiterer Grund, wieso Aktieninvestments weniger stark von Wechselkursrisiken betroffen sind, resultiert aus der globalen Tätigkeit von Unternehmen. Angenommen, ein europäischer Anleger hält Aktien eines US-amerikanischen Unternehmens. Der Dollar steigt während dieses Zeitraums. Der Anleger erzielt also Gewinne allein durch den steigenden Dollar-Kurs. Doch gleichzeitig bedeutet der gestiegene Dollar-Kurs auch, dass das Unternehmen schlechter und weniger exportieren kann, denn ausländische Käufer scheuen die zu hohen Kosten. Das drückt den Aktienkurs. So gleichen sich Währungskurs- und Aktienkurs-Effekte oft ungefähr aus. Besondere abgesicherte Aktienfonds sind also in der Regel nicht nötig.

Rohstoffinvestments durch Hedging absichern

Rohstoffpreise werden meistens in US-Dollar ermittelt. Kaufen Sie aus dem Euroraum über ihren Broker nun einen Rohstoff, zum Beispiel Gold, ergibt sich für Ihre Anlage neben dem Kurs- auch ein Währungsrisiko. Denn es kann sein, dass sich der Kurs Euro zu US-Dollar in dieser Zeit zu Ihren Ungunsten entwickelt. Das ist der Fall, wenn der US-Dollar im Vergleich zum Euro im Anlagezeitraum verliert. Steigt der Dollarkurs in der Zeit hingegen, während der Sie in Gold investiert haben, profitieren Sie zusätzlich von einem günstigen Wechselkurs.

Da Rohstoffinvestments eher über kurzfristige Zeiträume stattfinden und sehr stark von der Fremdwährung abhängen, ist es meist sinnvoll, die eigene Kapitalanlage gegen Wechselkursänderungen abzusichern. Der Fachbegriff für eine solche Währungsabsicherung lautet Hedging. Um Ihr Goldinvestment abzusichern, können Sie zum Beispiel spezielle Zertifikate auf Gold kaufen, die um eine Hedging-Komponente erweitert sind. Aber bedenken Sie: Jegliches Wechselkursrisiko ist damit ausgeschlossen; zugleich aber auch die Wechselkurschancen. Immerhin könnte sich der Kurs auch zu Ihren Gunsten entwickeln. Wer in Rohstoffe wie Gold investiert, sollte sich also fragen, ob er bei seinem Investment ausschließlich auf den Kurs des Rohstoffes setzen möchte oder indirekt auch auf den Wechselkurs. Je nachdem, wofür Sie sich entscheiden, könnten Sie beispielsweise ein Gold-Zertifikat mit oder ohne Hedging-Komponente kaufen.

Vorsicht bei Fremdwährungs-Rentenfonds

Auch wenn Sie in Anleihen und Rentenfonds anlegen, sollten Sie Wechselkursunsicherheiten in Ihre Renditeerwartungen einrechnen. Natürlich immer dann, wenn die Anleihen nicht in Euro notiert sind. Bei Dollar-Anleihen etwa bedeutet ein gesunkener Dollar-Kurs für Sie als Investor einen Verlust. Am Ende der Laufzeit erhalten Sie zwar noch genau den Nennwert der Anleihe ausbezahlt, den Sie irgendwann einmal investiert haben – ist der Dollarkurs aber um 5 Prozent gegenüber dem Euro gesunken, ist auch die Auszahlung in Dollar entsprechend weniger wert.

Die feste Laufzeit von Anleihen wird hier zum Problem. Denn Sie können mit einem Verkauf nicht einfach warten, bis sich die Wechselkurse wieder erholt haben. Eine 10-Jahres-Anleihe muss spätestens nach 10 Jahren zurückgegeben werden. Anleger am Rentenmarkt sollten also darüber nachdenken, entweder gleich Euroanleihen zu kaufen oder in gehedgte Rentenfonds zu investieren. Eine Alternative ist, die Anleihen vor dem Laufzeitende über die Börse zu verkaufen, wenn sich eine längere ungünstige Wechselkursentwicklung andeuten sollte.

Anlegertipp

Investieren Sie auch in Wertpapiere, die in ausländischer Währung, also in Fremdwährungen notiert sind, sollten Sie immer wieder einen Blick auf die aktuellen Wechselkurse werfen. So lassen sich mitunter zusätzliche Renditen erzielen oder unnötige Verluste vermeiden. Dabei gilt: Steigt der Wechselkurs der Fremdwährung, in der ein Wertpapier notiert ist, steigt auch die Rendite. Fällt die Fremdwährung, sinkt die Rendite hingegen.

Wechselkurs: Nicht immer ein Risiko

Ob der Wechselkurs zwischen Landeswährung und Fremdwährung ein Problem für Sie werden kann, hängt stark davon ab, worin Sie Ihr Geld anlegen. Bei Rohstoffen und Anleihen kann eine Absicherung gegen das Marktrisiko sinnvoll sein. Finden sich dagegen ausschließlich Aktien und Aktienfonds in Ihrem Depot, können Sie getrost auf eine zusätzliche Absicherung verzichten. Achten Sie aber beim Verkauf der Anteile nicht nur auf den Aktienkurs, sondern auch auf den derzeitigen Wechselkurs. So können Sie Ihren geplanten Verkauf falls nötig etwas früher oder später vornehmen.