Robo-Advisor: Vermögen automatisiert verwalten lassen

Bei kluger Anlage versprechen Investitionen in Aktien oder andere Wertpapiere deutlich mehr Rendite als klassische Geldanlagen wie Sparbücher oder Tagesgeldkonten. Aber welche Anlagestrategie sollten Sie an der Börse genau verfolgen? Immer mehr Anleger verlassen sich bei dieser wichtigen Frage auf so genannte Robo Advisor.

Robo Advisor: Vergleich der besten Anbieter

Was ist ein Robo Advisor?

Der Begriff Robo Advisor setzt sich aus „Robot“, also „Roboter“, und „Advisor“, englisch für „Berater“, zusammen. In Fachkreisen versteht man darunter die digitale und automatisierte Vermögensverwaltung. Die Arbeit von Robo Advisorn basiert auf mathematischen Algorithmen. Das bedeutet, dass sich die Anlagestrategie, die die Robo Advisor verfolgen, auf bestimmte, vorgefertigte Anlagemodelle stützt. Diese Modelle arbeiten meist nicht mit Einzelaktien. Stattdessen wird Ihr Vermögen durch Robo Advisor in ETFs investiert, also in börsengehandelte Indexfonds.

Vanguard Robo Advisor: Der Beste seiner Art?

Wer der beste Robo Advisor ist, ist schwer zu sagen. Der Vanguard Personal Advisor kommt allerdings nahe heran: Er verwaltet ein Vermögen von ca. 47 Milliarden US-Dollar und ist damit der führende Robo Advisor in den USA. In Deutschland arbeitet Vanguard bereits mit verschiedenen Vermögensverwaltern zusammen.

3 Anlagestrategien – 3 Erfolgschancen

Robo Advisor sind in der Regel auf eine dieser 3 Anlagestrategien programmiert:

  • Value-at-Risk: Ein bestimmter Prozentsatz an Verlusten darf nicht überschritten werden.
  • Factor-Investing: Die Investitionen orientieren sich an bestimmten Rendite-Faktoren.
  • Buy-and-Hold: Die Portfoliostrukturen werden unabhängig von der Marktsituation beibehalten.

So funktioniert Robo Advisory

Bevor Sie einen Robo-Advisor nutzen können, füllen Sie auf der Internetseite des jeweiligen Anbieters einen Fragebogen zu Ihrer persönlichen Risikobereitschaft aus. Basierend auf diesen Information wird anschließend Ihr Robotrading-Portfolio erstellt. Um Ihren Account zu vervollständigen, werden außerdem persönlichen Daten wie Angaben zu Ihrem Referenzkonto abgefragt. Nach Abschluss Ihres Vertrages mit dem jeweiligen Anbieter nimmt der digitale Vermögensverwalter seine Arbeit auf.

Aktiv und passiv verwaltete Portfolios

Wie genau diese Arbeit aussieht, hängt vom jeweiligen Robo Advisor und seinem Algorithmus ab. Allgemein kann man zwischen aktiven und passiven Robo Advisorn unterscheiden.

Aktives Vermögensmanagement: So funktioniert’s »

Beim aktiven Vermögensmanagement wird Ihr Portfolio je nach Marktlage zwischen den einzelnen Anlage- bzw. Risikoklassen umgeschichtet. Liegt beispielsweise eine kritische Marktsituation für Anleger vor, wird der Robo Advisor vermehrt in „sichere“ Produkte wie Anleihen oder Rentenfonds investieren und anders herum. Zwei Strategien werden unterschieden.

  • 1. Value-at-Risk: Ein bestimmter Prozentsatz (z. B. 5%) an Verlusten darf nicht überschritten werden.
  • 2. Factor-Investing: Bestimmte Renditefaktoren werden berücksichtigt. Zum Beispiel bringt eine antizyklische Portfoliostreuung theoretisch mehr Rendite als eine Streuung, die sich an der breiten Masse orientiert.

Passives Vermögensmanagement: So funktioniert’s »

Beim passiven Vermögensmanagement werden die Portfoliostrukturen, die durch das Risikoprofil vorgegeben sind, – in der Regel die Vermögensverteilung auf einzelne ETFs – unabhängig von der Marktsituation beibehalten. Beispielsweise durch bestimmte Entwicklungen an den Märkten verschiebt sich die Anlagestruktur manchmal. Dadurch kann die aktuelle Portfoliostruktur von der ursprünglichen Zusammensetzungen abweichen. Um diese Abweichungen zu korrigieren, nimmt der Robo Advisor regelmäßig ein Rebalancing (= Umschichten) vor. Dabei setzt er die ETF-Anteile auf das gewünschte Ausgangsniveau zurück. Man spricht vom Buy-and-Hold-Prinzip.

So sind Robo Advisor reguliert

Robo Advisor unterliegen der Kontrolle der Finanzaufsichtsbehörde BaFin. Als regulierte
Vermögensverwalter dürfen sie Anlageentscheidungen direkt umsetzen ohne vom Kunden dazu aufgefordert werden zu müssen. Robo Advisor brauchen also keine Genehmigung von Ihnen, wenn sie in bestimmte ETFs investieren oder das Portfolio umschichten. Oft besitzen Robo Advisor keine eigene Banklizenz. Aus diesem Grund arbeiten die jeweiligen Anbieter in der Regel mit einer Partnerbank oder einem Onlinebroker zusammen. Dort wird Ihr Wertpapierdepot eröffnet und von dort werden alle Transaktionen durchgeführt.

Manche Robo Advisor agieren lediglich als Finanzanlagevermittler oder -berater. Das bedeutet, dass sie Kundenportfolios nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Kunden umschichten dürfen.

Kosten für einen Robo Advisor

Die Steuer muss bezahlt werden!

Alle Gewinne aus dem Börsenhandel müssen versteuert werden – das gilt auch für die Gewinne, die Robo Advisor für Sie erwirtschaften. Diese Gewinne werden in Deutschland durch die Abgeltungssteuer direkt als Quellensteuer abgeführt.

Die Kosten für einen Robo Advisor setzen sich meist aus den Gebühren für die Dienstleistung des Robo Advisors sowie den Kosten für die Produkte zusammen, in die Ihr Geld angelegt wird. Bei einer Investition in EFTs oder Rentenfonds müssen Sie also mit Fonds- oder ETF-Kosten rechnen. Mittlerweile werben einige Anbieter durch verschiedene Neukundenaktionen mit der kostenlosen Verwaltung Ihres Vermögens bis zu einem Betrag von 10.000 Euro oder mit Gewinnbeteiligungen von bis zu 10 Prozent. Es lohnt sich also durchaus, genauer hinzuschauen und die verschiedenen Robo Advisor hinsichtlich ihrer Gebührenstruktur zu vergleichen.

Ist Ihr Geld bei Insolvenz geschützt?

Die Gefahr einer Insolvenz Ihres Anbieters besteht. Schließlich tummeln sich viele Startups auf dem noch recht neuen Robo-Advisory-Markt, deren Erfolg oder Misserfolg noch nicht absehbar ist. Aber keine Sorge: Geld, das in ETFs angelegt ist, ist bei einer Insolvenz durch die deutsche Einlagensicherung immer geschützt.

Die meisten Robo-Advisor fordern eine Mindestanlagesumme. In der Regel liegt sie allerdings deutlich unter den Anforderungen von privaten Vermögensverwaltern: Während bei Robo-Advisorn ein Einstieg zum Teil schon ab 1 Euro möglich ist, müssen Sie bei einem Honorarverwalter mit einem fünf- oder gar sechsstelligen Einstiegsbetrag rechnen. Auch das Honorar der menschlichen Vermögensverwalter liegt in der Regel deutlich über der Verwaltungsgebühr, die Sie für einen digitalen Verwalter veranschlagen müssen.

Robo Invest: Das sind die Vorteile

Wenn Sie sich nicht selbst um eine Anlagestrategie für Ihr Vermögen kümmern wollen, ist Robo Advisory vermutlich genau das Richtige für Sie: Basierend auf Ihrem vorab ermittelten Risikoprofil wird Ihnen eine Strategie vorgeschlagen, bei der durch die vermehrte Anlage in ETFs eine kostengünstige Risikostreuung erreicht wird. Außerdem wird die Strategie ständig überwacht. Ziel ist es dabei, Ihr Portfolio im festgelegten Risikoprofil zu halten. Via Robo-Advisor-App oder der Homepage des Anbieters können Sie Ihr Portfolio zudem jederzeit online abrufen und sind so immer auf dem aktuellen Stand.

Robo Advisor bieten Ihnen ein objektives Investment, basierend auf mathematischen Algorithmen. Anders als Honorarverwalter, die sich möglicherweise von plötzlichen Kurseinbrüchen beeinflussen lassen könnten, bleiben Robo Advisor in Krisensituationen unbeeindruckt. Hinzu kommt, dass bei vielen Anbietern ein Robo-Advisor-Test bereits mit einem geringen Anlagebetrag möglich ist. Wer sich also noch unsicher ist, ob Robo Advisory für ihn das Richtige ist, hat die Möglichkeit, die digitalen Vermögensverwalter ohne großes Risiko zu testen.

Wann ist Robo Advisory für Sie geeignet? Vorteile und Nachteile

Robo Advisory ist für Sie geeignet, wenn Sie…

  • eine Vermögensverwaltung schon für eine geringe Anlagesumme wünschen.
  • sich nicht selbst um die Verwaltung Ihres Vermögens kümmern möchten.
  • am liebsten nur wenig Geld für die Verwaltung Ihres Vermögens ausgeben wollen.
  • eine objektive Anlagestrategie wünschen, die nicht von Stimmungsschwankungen an den Märkten beeinflusst wird.

Robo Advisory ist nicht für Sie geeignet, wenn Sie…

  • Ihr Vermögen lieber nicht von einem Computer verwalten lassen möchten.
  • nicht nur in ETFs oder Rentenfonds, sondern auch in andere Produkte wie Aktien investieren möchten.
  • eine breitere Risikostreuung für Ihr Geld wünschen.
  • sich gerne selbst um das Rebalancing Ihres Portfolios kümmern wollen.

Als Robotrader haben Sie auch Nachteile

Wenn Sie sich für einen Robo Advisor entscheiden, geben Sie das Management Ihres Vermögens aus der Hand und müssen den Algorithmen eines Computers vertrauen. Derzeit gibt es noch recht wenig Erfahrungen mit Robo Advisorn. Entsprechend wird sich erst in einigen Jahren zeigen, wie erfolgversprechend die Anlagestrategien der jeweilgen Anbieter tatsächlich sind und ob sich Ihr Vertrauen gelohnt hat. Hinzu kommt, dass viele Robo Advisor vor allem bei schlechter Marktlage vermehrt in Rentenfonds investieren. Wegen der derzeit niedrigen Verzinsung von Anleihen ist diese Anlage allerdings nicht unbedingt empfehlenswert.

Ein weiterer Minuspunkt der automatisierten Vermögensverwaltung kann das automatische Rebalancing des Portfolios sein, das bei den meisten Anbietern halbjährlich stattfindet. Kommt es kurz nach einer Umschichtung zu Kurseinbrüchen, können Sie nicht selbst eingreifen, sondern müssen auf das nächste Rebalancing warten. Im schlimmsten Fall nehmen Sie dadurch Verluste in Kauf.

Robo Advisory als Zukunft der Vermögensverwaltung?

In den USA sind Robo Advisor längst nicht mehr von den Finanzmärkten wegzudenken – 2017 wurden rund 165 Milliarden US-Dollar von Robo Advisorn verwaltet. Auch in Deutschland ist die digitalisierte Vermögensverwaltung immer mehr im Kommen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich die Robo-Advisor-Performance stetig verbessert: Die Algorithmen werden immer weiter verfeinert und auch in Vergleichstests schneiden Robo Advisor immer besser ab.

Wenn Sie sich für die automatisierte Vermögensverwaltung durch einen Robo Advisor interessieren, sollten Sie die Branche im Auge behalten. Durch seriöse Online-Tests und Brokervergleiche ist das immer leichter möglich. Haben Sie sich gut informiert und Ihren passenden Robo Advisor gefunden, können Sie sich im Idealfall zurücklehnen und den Computer die Verwaltung Ihres Anlagevermögens überlassen.