Wie funktioniert die Börse? Börsenwissen für Einsteiger

Sie ist Gegenstand zahlreicher Filme, das Thema vieler Diskussionen und spätestens seit der Niedrigzinsphase fast jedem Privatanleger vor Augen: die Börse. Immer wieder wird sie als lohnenswerte, weil renditestärkere Alternative zu klassischen Sparanlagen wie dem Sparbuch oder dem Tagesgeldkonto angepriesen. Kein Wunder also, dass das Interesse unter Anlegern zunimmt.

Doch das liegt nicht nur an der vielversprechenden Rendite. Der Handel an der Börse ist für Einsteiger deutlich unkomplizierter als oft angenommen. Und auch um die Kosten müssen Sie sich keine Sorgen machen: So fallen meist keine Depotkosten an. Günstige Börsen- und geringe Fondsgebühren schonen Ihren Geldbeutel. Wenn Sie darüber nachdenken, erstmals Geld an der Börse zu investieren, sollten Sie sich genau mit dem Thema auseinandersetzen. Dabei gilt es als allererstes, grundlegende Fragen zu beantworten: Wie funktioniert die Börse eigentlich? Und was sind ihre Aufgaben?

Wie funktioniert die Börse?

Die Börse ist ein Marktplatz, auf dem Wertpapiere wie Aktien, Anleihen und Rohstoffe gehandelt werden. Der Unterschied zu einem tatsächlichen Markt besteht darin, dass es keine fest verteilten Rollen gibt. Stattdessen kann jeder Teilnehmer Käufer und Verkäufer sein – sich also jederzeit Wertpapiere kaufen und diese später auch wieder verkaufen. Die Geschäfte zwischen den Käufern und Verkäufern werden von Börsenmaklern vermittelt. Zahlreiche Regelungen und spezielle Behörden, die den Handel an der Börse ständig überwachen, sollen zudem sicherstellen, dass jede Transaktion transparent und fair abgewickelt wird und vor Betrug geschützt ist.

Mittlerweile findet der Handel größtenteils elektronisch statt. Wertpapiere, die tatsächlich aus Papier bestehen, gibt es kaum noch. Kaufen Sie also eine Aktie, erhalten Sie meist kein Dokument, das Sie anfassen und aufbewahren können. Stattdessen wird Ihr Wertpapier Ihrem Depot gutgeschrieben und der Kaufpreis von Ihrem Referenzkonto abgebucht.

Was ist die Börse?

Die Börse ist im Grunde ein großer Markt. Jeder kann diesen Markt besuchen und dort Rohstoffe wie Gold und Silber und natürlich Wertpapiere wie Aktien ein- und verkaufen. Die Preise sind dabei von Angebot und Nachfrage abhängig.

Was wird an der Börse gehandelt?

Auf einem normalen Wochenmarkt können Sie allerlei Produkte kaufen – Gewürze, Kleidung, Schuhe oder Obst. Ebenso vielfältig sind die Finanzprodukte, die an der Börse angeboten werden. Denn neben denn allseits bekannten Aktien können Sie in Fonds, Anleihen und Rohstoffe investieren. Zusätzlich haben sich weitere Investitionsmöglichkeiten entwickelt, die auf den klassischen Wertpapieren aufbauen. Dazu gehören beispielsweise Optionsscheine und Zertifikate, die der Gruppe der Derivate angehören und eher zu risikoreichen Investments zählen.

Wie kommt ein Unternehmen an die Börse?

Für die Unternehmen ist die Börse eine Möglichkeit der Kapitalbeschaffung. Schließlich erhalten sie mit jeder verkauften Aktie Geld. Voraussetzung für einen Börsengang ist, dass es sich bei dem Unternehmen um eine Aktiengesellschaft handelt. Dann wird zuerst das Grundkapital, also der Wert, der Firma geschätzt. Dieser Gesamtwert wird schließlich auf die Aktien aufgeteilt, wodurch wiederum deren Wert bestimmt wird. Je höher das Grundkapital des Unternehmens, desto höher in der Regel der Wert einer Einzelaktie.

Sobald die Aktie an der Börse verfügbar ist, können Sie sie kaufen. Das bedeutet, Sie vergeben einen Auftrag, Order genannt, die angibt, welche und wie viele Aktien Sie kaufen möchten. Mittlerweile geschieht das ganz unkompliziert über den PC. Der Kaufpreis wird dann von Ihrem Konto abgebucht und die Wertpapiere werden Ihrem Aktiendepot gutgeschrieben.

Börsengeschichte: Von Gewürzen über die Papieraktie zum digitalen Marktplatz

Börsen, an denen Wertpapiere gehandelt werden, gibt es in Europa bereits seit mehr als 500 Jahren. Das erste Börsengebäude wurde 1409 im belgischen Brügge errichtet. Der Börse, wie man sie heute kennt, kam allerdings die etwas später entstandene Antwerpener Börse näher. Dort kauften und verkauften Händler aus aller Welt vor allem Gewürze. In Deutschland eröffneten 1540 die ersten Börsen in Nürnberg und Augsburg. An der heute wichtigsten deutschen Börse in Frankfurt am Main kann man seit 1585 handeln.

Im 19. Jahrhundert entstanden im Zuge der Industrialisierung vermehrt Aktiengesellschaften. Die erste Aktie in Frankfurt wurde 1820 gehandelt. Seitdem entwickelt sich die Börse – trotz einiger Wirtschaftskrisen und Crashs – stetig weiter. So war die Einführung des Computerhandels ein großer Schritt in die digitale Zukunft. Heute entscheiden Computer sogar teilweise selbständig über die Preise von Aktien. Und auch Sie als Anleger profitieren – schließlich war der Handel mit Wertpapieren dank Internet noch nie so einfach und bequem. Ihr Einstieg an der Börse und der erste Aktienkauf sind nur einen Klick entfernt.

An die Börse als Einsteiger: So geht’s

Viele Anfänger zögern vor dem Schritt an die Börse – schließlich geht es um das eigene Vermögen. Auf der einen Seite winkt die attraktive Rendite, auf der anderen Seite steht die schier endlose Auswahl an Wertpapieren und das ständige Auf und Ab der Kurse. Doch mit der richtigen Vorbereitung ist alles halb so kompliziert. Handeln Sie mit Bedacht und gehen Schritt vor Schritt vor, steht dem ersten Wertpapierkauf nichts mehr im Wege. Folgende Punkte erleichtern den Weg aufs Börsenparkett.

In welche Wertpapiere sollte ich investieren?

Wer sich mit dem Thema beschäftigt, stößt schnell auf die Vielzahl an Wertpapieren. Kein Wunder also, wenn Sie sich nun die Frage stellen: Welche Wertpapiere sind geeignet für den Börsenhandel für Anfänger? Das hängt vor allem von Ihrer Risikobereitschaft, Ihrem bevorzugten Anlagezeitraum und Ihrem Wissenstand ab. Es gibt sehr renditestarke, aber hochriskante Möglichkeiten wie CFDs oder Optionsscheine, an die sich nur Profis wagen sollten. Auch für den Handel mit Devisen und Rohstoffen sollten Sie sich sehr gut auskennen. Sind Sie Börsen-Anfänger, sollten Sie nur in Wertpapiere investieren, die Sie auch verstehen. Sie sind meist mit ETFs, Aktien oder Fonds am besten beraten:

  • ETFs orientieren sich an Indizes wie dem DAX oder dem Dow Jones und sorgen so von sich aus für eine bestimmte Risikostreuung.
  • Bei Aktien sollten Sie selbst darauf achten, Ihren Anlagebetrag nicht in eine Einzelaktie zu investieren, sondern breit zu streuen, um das Verlustrisiko so gering wie möglich zu halten.
  • Fonds dagegen erfordern den geringsten Aufwand. Sie werden für Sie gemanagt, Sie müssen also keine eigenen Investitionsentscheidungen treffen. Der Nachteil: Oft fallen zusätzliche Management-Gebühren an.
  • ETF-Sparpläne sorgen für einen besonders sanften Einstieg. Hier zahlen Sie monatlich eine bestimmte Summe ein und erhöhen so den investierten Betrag stetig.

Börseneinstieg mit Mitarbeiteraktie

Viele Unternehmen bieten ihren Arbeitnehmern die Möglichkeit Mitarbeiteraktien zu erwerben. Diese sind meist sehr kostengünstig oder gar komplett kostenlos. Gerade, wenn Sie noch nicht so erfahren sind, bieten sich Gratisaktien besonders gut für den Börseneinstieg an, da diese komplett risikofrei sind. Aber auch vergünstigte Aktien senken das Investitionsrisiko.

Mit der richtigen Anlagestrategie ans Ziel

Einer der wichtigsten Ratschläge für Börsen-Anfänger: Bleiben Sie entspannt – auch wenn das sicherlich leichter gesagt als getan ist. Börsenkurse unterliegen Schwankungen und es ist gerade in der Anfangszeit schwer, sich nicht mitreißen zu lassen. Es ist vollkommen nachvollziehbar, dass Sie bei einem Kurseinbruch Angst vor Verlusten bekommen. Oder ein Kurshoch dazu verleitet, das festgelegte Budget doch etwas auszureizen. Doch mit Panikkäufen oder -verkäufen tun Sie sich selten einen Gefallen. Legen Sie sich stattdessen eine Anlagestrategie zurecht und folgen Sie ihr! Auf diese Weise können Sie emotionale Entscheidungen vermeiden, die an der Börse selten zu positiven Ergebnissen führen.

Ein Extratipp: Um verschiedene Anlagestrategien auszuprobieren, eignet sich ein Musterdepot. Viele Depotbanken bieten Musterdepots an. Diese unterscheiden sich in ihrer Funktion meist nicht von „richtigen“ Depots, bieten aber die Möglichkeit, ohne realen Kapitaleinsatz zu handeln. Sie können also nach Lust und Laune herumprobieren. Auch später kann es sinnvoll sein, neue Strategien erst zu testen, ohne dabei finanzielle Verluste befürchten zu müssen.

Anfängerfehler vermeiden

Als Anfänger ist man auf jedem Gebiet anfällig für Fehler. An der Börse geht es jedoch um Ihr eigenes Geld, deshalb ein offensichtlicher, aber wichtiger Tipp: Versuchen Sie, Anfängerfehler weitestgehend zu vermeiden.

  • Fehler 1: Glauben, dass der Einstieg nur mit großen Summen möglich ist

    Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass man eine große Summe benötigt, um an der Börse einsteigen zu können. ETF-Sparpläne gibt es bereits ab 50 Euro pro Monat. Bedenken Sie: Je eher Sie den Börsenhandel lernen und Ihr Geld anlegen, desto länger kann es für Sie arbeiten, sich also vermehren.

  • Fehler 2: Das komplette Vermögen in Wertpapiere anlegen

    Finanzielle Sicherheit sollte für Börsen-Einsteiger über der Rendite stehen. Das beinhaltet auch, dass Sie keinesfalls Ihr ganzes Vermögen an der Börse investieren sollten. Gerade zu Beginn passieren leicht Fehler, die Sie im schlimmsten Fall Ihren kompletten Einsatz kosten. Investieren Sie deshalb nur Geld, auf das Sie verzichten können und sorgen Sie für einen finanziellen Puffer, mit dem Sie kurzfristig anfallende Kosten decken können.

  • Fehler 3: Nur in ein Wertpapier investieren

    Das A und O einer sicheren Investition an der Börse ist die Risikostreuung. Setzen Sie nicht auf eine einzelne Aktie. Auch wenn Sie auf das Unternehmen vertrauen, so sind doch die Chancen auf einen Kurseinbruch und damit auf einen Komplettverlust für Sie sehr viel höher, als wenn Sie Ihr Budget auf verschiedene Wertpapiere verteilen.

  • Fehler 4: Sich von der Unsicherheit an der Börse anstecken lassen

    Niemand kann in die Zukunft blicken. Deshalb kann auch niemand mit Sicherheit vorhersagen, was morgen an der Börse geschieht. Lassen Sie sich von dieser Unsicherheit jedoch nicht anstecken. Arbeiten Sie lieber daran, Selbstvertrauen aufzubauen, indem Sie Ihr Wissen stetig erweitern. Kurse können immer wieder fallen, erholen sich jedoch meist wieder. Zu Beginn und bei langfristig ausgelegten Investitionen kann es deshalb auch helfen, nicht allzu häufig den Stand Ihres Depots zu prüfen. So ersparen Sie sich den Schreck, wenn ein Kurs von einem Tag auf den anderen eingebrochen ist.

  • Fehler 5: Jede Börsenweisheit glauben

    Ob „The trend is your friend“ oder „Sell in May and go away“ – an der Börse wimmelt es nur so von verschiedenen Weisheiten. Manche haben durchaus ihre Berechtigung, andere sind mit Vorsicht zu genießen. Vertrauen Sie nicht blind auf diese Weisheiten. Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung, indem Sie sich informieren und etwa statistische Auswertungen zu Rate ziehen.

Entspannt an die Börse: Für Anfänger problemlos möglich

Von der ersten Information über die Funktionsweise der Börse bis zum ersten Wertpapierkauf ist es oft ein kürzerer Weg als man zunächst glauben mag. Wichtig dabei ist eine gute Vorbereitung. Je genauer Sie sich vorab informieren, desto kleiner ist Ihre Fehleranfälligkeit. Bleiben Sie entspannt, handeln Sie mit Bedacht und freuen Sie sich über die neue Geldanlage-Möglichkeit.