Spekulationssteuer: Regeln für Aktien und Immobilien 2019

Der Begriff Spekulationssteuer fällt in der Regel im Zusammenhang mit Aktien oder Immobilien: Beim Aktienhandel müssen Kursgewinne und Dividendenerträge versteuert werden. Gewinne aus Immobilienverkäufen, die als privates Veräußerungsgeschäft gelten, sind ebenfalls steuerpflichtig. Informieren Sie sich hier über die genaue Rechtslage zur Spekulationssteuer bei Aktien und Immobilien und erfahren Sie, wie Sie die Spekulationssteuer ganz legal umgehen können.

Spekulationssteuer bei Aktien – das müssen Sie wissen!

Die Spekulationssteuer auf Aktien gab es in Deutschland bis Ende des Jahres 2009. Bis dahin galt: Wer Aktien länger als 12 Monate gehalten hat, konnte Kursgewinne steuerfrei realisieren. Das bedeutete, dass Sie nach der so genannten Aktien-Spekulationsfrist von 12 Monaten Aktien verkaufen konnten und für Ihre erzielten Spekulationsgewinne keine Steuern zahlen mussten. Zum 1.1. 2009 wurde die Spekulationssteuer abgeschafft und dafür die Aktien-Abgeltungssteuer eingeführt.

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Aktuelle Rechtslage und Tipps

Seit Einführung der Abgeltungssteuer 2009 werden alle Wertpapiere unabhängig von der Haltedauer, also der Spekulationsfrist auf Aktien, gleich behandelt. Nun beträgt der Steuersatz pauschal 25 Prozent zuzüglich des Solidaritätszuschlags von 5,5 Prozent und eventuell der Kirchensteuer. Die Abgeltungssteuer ist eine Form der Kapitalertragsteuer und als Quellensteuer gestaltet. Das bedeutet, dass sie automatisch entrichtet wird und Sie als Anleger Ihre Kapitalerträge nur noch in bestimmten Ausnahmefällen extra in der Einkommenssteuererklärung angeben müssen.

Sind Ihre Aktienaltbestände geschützt?

Für Aktien, die Sie vor dem 1.1.2009 angeschafft haben, gilt Bestandsschutz. Das bedeutet, dass Sie Gewinne wie Dividenden oder Renditen aus diesen Geschäften nicht versteuern müssen. Haben Sie Aktien vor dem Stichtag, also vor dem 1.1.2009, gekauft und den Bestand dieser Aktien danach aufgestockt, gilt das so genannte „First in, first out-Prinzip“. Demnach werden bei einem Teilverkauf erst die Aktien veräußert, die Sie vor dem 1.1.2009 angeschafft haben.

Tipp: So umgehen Sie das First in, first out-Prinzip »

Wenn Sie das First in, first out-Prinzip umgehen wollen, müssen Sie für den Nachkauf von bereits gekauften Aktien ein neues Depot eröffnen. Auf diese Weise können Sie zuerst die neu angeschafften Aktien veräußern. Die Altbestände verbleiben in Ihrem alten Depot.

Steuern auf Aktien: So verschaffen Sie sich einen Überblick!

Einkünfte aus Kapitalvermögen, Dividendenerträge sowie Kursgewinne aus dem Aktienhandel müssen versteuert werden. „Die“ Aktien-Steuer gibt es allerdings nicht. Um den Überblick nicht zu verlieren oder im Falle einer Auslandsinvestition doppelte Zahlungen zu vermeiden, sollten Sie die Details zu den verschiedenen Aktien-Steuern kennen.

Mehr zum Thema Aktien-Steuern »


Spekulationssteuer und Abgeltungssteuer – das sind die Unterschiede »

Spekulationssteuer Abgeltungssteuer
galt bis zum 31.12.2008 gilt seit 1.1.2009
→ zu zahlen auf Aktien, die vor dem
1.1.2009 gekauft wurden
→ zu zahlen auf alle Aktien, die
nach dem 31.12.2008 gekauft wurden
Ausnahme: Aktien wurden nach Ablauf
der 12-monatigen Spekulationsfrist wieder
veräußert → keine Steuer
unabhängig von Haltedauer: die
12-monatige Spekulationsfrist wurde
mit der Spekulationssteuer abgeschafft!

Spekulationssteuer bei Immobilien: Achten Sie auf die Spekulationsfrist!

Anders als bei Aktien, für die seit dem 1.1.2009 statt der Spekulationssteuer die Abgeltungssteuer gilt, zahlen Sie bei Immobilienverkäufen nach wie vor die Spekulationssteuer. Genauer: Wenn Sie eine erworbene oder geerbte Immobilie innerhalb von 10 Jahren gewinnbringend weiterverkaufen, liegt ein Spekulationsgeschäft vor und die Spekulationssteuer fällt an. Für die 10-Jahres-Frist, auch Spekulationsfrist genannt, ist dabei entscheidend, wann genau der Kauf- bzw. der Verkaufsvertrag unterzeichnet wurden.

So viel Spekulationssteuer müssen Sie bezahlen

Die Spekulationssteuer richtet sich nach dem persönlichen Steuersatz des Verkäufers. Unter Umständen kann die Steuer bis zu 40 Prozent des Veräußerungsgewinns betragen. Immobilienkäufer müssen anstelle der Spekulationssteuer Grunderwerbssteuer zahlen. Für die Berechnung der Spekulationssteuer wird Ihr persönlicher Einkommenssteuersatz zugrunde gelegt. Diesen finden Sie auf Ihrem Steuerbescheid. Bei einem kalkulierten Steuersatz von 40 Prozent würde eine Beispielrechnung folgendermaßen aussehen:

Beispiel: So berechnen Sie die Höhe der Spekulationssteuer

Immobilienverkaufspreis 250.000 Euro
Kaufpreis 200.000 Euro
Kosten im Rahmen des Verkaufs 10.000 Euro
= zu versteuernder Gewinn 40.000 Euro
Persönlicher Steuersatz 40,00 Prozent
= zu zahlende Steuer 16.000 Euro

Spekulationssteuer umgehen – so gehts!

Ihr Wohnungs- oder Hausverkauf ist steuerfrei möglich, selbst wenn Sie einen Spekulationsgewinn erzielen. Um die Spekulationssteuer zu vermeiden, müssen Sie lediglich die folgenden Punkte beachten:

  • 10-Jahres-Frist einhalten: Zwischen Kauf und Verkauf der Immobilie müssen 10 Jahre liegen. Die Spekulationsfrist wird ab dem Tag der Beurkundung des Kaufvertrags gerechnet.
  • Immobilie selbst bewohnen: Der Verkauf von selbst genutzten Immobilien unterliegt nicht der Spekulationssteuer – sofern Sie als Eigentümer die Immobilie mindestens 3 Jahre selbst bewohnt haben.
  • Drei-Objekt-Grenze: Verkauft ein Besitzer innerhalb von 5 Jahren mehr als 3 Immobilien, wird dies als gewerblicher Grundstückshandel gewertet. Überschreiten Sie die Drei-Objekt-Grenze, wird Ihr Immobilienverkauf mit der Umsatz- und Gewerbesteuer sowie unter Umständen zusätzlich mit der Spekulationssteuer besteuert.

Sonderfälle: Erbe, Schenkung und Trennung

Bei einer Erbschaft, einer Schenkung oder einer Trennung gilt die Spekulationsfrist von 10 Jahren ebenfalls. Einige Punkte gilt es allerdings jeweils zu beachten.

  • Erbschaft: Zeitpunkt der Eröffnung des Erbes ist unerheblich. Bei einer Erbschaft ist entscheidend, wann die verstorbene Person das Grundstück erworben hat. Ab dem Zeitpunkt, an dem sie den Kaufvertrag der Immobilie unterzeichnet hat, beginnt die Spekulationsfrist von 10 Jahren. Wann das Erbe eröffnet wurde, ist für die Spekulationssteuer also unerheblich.
  • Spekulationssteuer bei Erbschaft: ein Beispiel »

    Im März 1980 wird ein Haus gekauft. Der Besitzer verstirbt im Februar 2015 und vererbt seiner Tochter die Immobilie. Die Hauptbegünstige verkauft das Haus im September 2015. Die Spekulationssteuer entfällt, da zwischen Immobilienerwerb im März 1980 und dem Verkauf mehr als 10 Jahre liegen. Die Spekulationsfrist wurde also eingehalten.

  • Schenkung: Zeitpunkt des Erwerbs durch den Vorbesitzer ist entscheidend. Bei geschenkten verhält es sich ähnlich wie bei geerbten Immobilien. Wichtig ist der Zeitpunkt des Immobilienerwerbs durch den Vorbesitzer. Liegt dieser mehr als 10 Jahre in der Vergangenheit, müssen Sie bei einem Weiterverkauf der geschenkten Immobilie auch keine Spekulationssteuer entrichten. Bei einer Schenkung zu Ihren Gunsten kann hingegen unter Umständen Schenkungssteuer anfallen.
  • Trennung: Spekulationsfrist zählt. Wenn Ihnen nach der Scheidung – etwa im Rahmen einer vereinbarten Gütertrennung – eine Immobilie zugeschrieben wird, müssen Sie Spekulationssteuer zahlen, sofern Sie diese innerhalb der Spekulationsfrist weiterverkaufen.

Spekulationssteuer nur auf Immobilien

Bei Aktien fällt seit 2009 die Abgeltungssteuer von 25 Prozent an. Die vorher geltende Spekulationssteuer und damit die 12-monatige Aktien-Spekulationsfrist wurden abgeschafft. Bei Immobilien gilt die Spekulationssteuer nach wie vor. In der Regel können Sie diese Steuer aber ganz legal umgehen: Entweder, Sie verkaufen die Immobilie erst nach Ablauf der Spekulationsfrist von 10 Jahren, oder Sie bewohnen sie mindestens drei Jahre lang selbst, bevor Sie sie veräußern. Wenn Sie die 10-Jahres-Frist beachten, können Sie die Spekulationssteuer auch im Falle eines Erbes, einer Schenkung oder einer Trennung ganz einfach vermeiden.