Kapitalertragsteuer: Aktien und Zinsen von Steuerlast befreien

In Deutschland müssen Kapitalerträge versteuert werden. Dazu zählen beispielsweise Zinsen auf ein Sparkonto oder Gewinne aus Aktienverkäufen. Seit Einführung der Abgeltungssteuer als Kapitalertragsteuer (kurz KapEst) 2009 wurde Anlegern die Versteuerung ihrer Kapitalerträge deutlich erleichtert, denn die Steuer auf ihre Gewinne wird nun automatisch an das zuständige Finanzamt abgeführt. Lesen Sie hier, welche Höhe die Kapitalertragsteuer hat, wie sie diese berechnen können und wie Sie einen Freistellungsauftrag erteilen oder gegebenenfalls eine Rückerstattung der Steuer fordern.

Grafik, die den Ablauf der Kapitalertragsteuer wiedergibt

Wie hoch ist die Kapitalertragsteuer?

Der Steuersatz der Kapitalertragsteuer beträgt generell 25 % der Kapitaleinkünfte, die den Freibetrag übersteigen. Dazu kommt allerdings noch der Solidaritätszuschlag von 5,5 % sowie bei Religionszugehörigkeit die Kirchensteuer. Für Kirchensteuerpflichtige in Bayern und Baden-Württemberg beträgt sie 8,00 %, für die in den übrigen Bundesländern 9 % der Abgeltungssteuer.

Die Höhe der Kapitalertragsteuer bewegt sich somit zwischen 26 % und 28 % Ihrer Kapitaleinkünfte, die über den Freibetrag hinaus gehen. Die Kapitalertragsteuer kann auch als vorausgezahlte Einkommensteuer gesehen werden. Gänzlich vermeiden lässt sich die Zahlung der Kapitalertragsteuer nicht. Wenn Sie Ihren Freistellungsauftrag jedoch geschickt einsetzen, können Sie Ihre Steuerlast erheblich senken.

Kapitalertragsteuer Höhe-Rechenbeispiel:

Durch geschicktes Handeln an der Börse konnten Sie im letzten Jahr Aktiengewinne realisieren, die Ihnen 1.801 Euro eingebracht haben. Diese Summe befindet sich nun zusätzlich auf Ihrem Tagesgeld – oder Depot-Konto. Sie haben einen Freistellungsauftrag bei Ihrer Bank eingereicht und erhalten daher den Sparerpauschbetrag von 801 Euro gutgeschrieben. Außerdem leben Sie in Bayern und sind kirchensteuerpflichtig. Daraus ergibt sich die folgende Rechnung:

Zu versteuernder Betrag (Kapitaleinkunft – Freibetrag) 1000 Euro
+ Kapitalertragsteuer 245,10 Euro
+ Solidaritätszuschlag 13,48 Euro
+ Kirchensteuer in Bayern und Baden-Württemberg 19,60 Euro
= Höhe der Kapitalertragsteuer gesamt 278,18 Euro

Kirchensteuer und Soli für die restlichen Bundesländer »

Kapitalertragsteuer für die restlichen Bundesländer: 244,50 Euro

Solidaritätszuschlag für die restlichen Bundesländer: 13,44 Euro

Kirchensteuer für die restlichen Bundesländer: 22,00 Euro

Höhe der Kapitalertragsteuer gesamt: 279,94 Euro

Wie hoch ist die Kapitalertragsteuer?

Der Steuersatz der Kapitalertragsteuer beträgt generell 25 % der Kapitaleinkünfte, die den Freibetrag übersteigen. Der Freibetrag für eine Person beträgt pro Jahr 801 Euro. Dazu kommt allerdings noch der Solidaritätszuschlag von 5,5 % sowie bei Religionszugehörigkeit die Kirchensteuer. Für Kirchensteuerpflichtige in Bayern und Baden-Württemberg beträgt sie 8,00 %, für die in den übrigen Bundesländern 9 % der Abgeltungssteuer.

Die Höhe der Kapitalertragsteuer bewegt sich somit zwischen 26 % und 28 % Ihrer Kapitaleinkünfte, die über den Freibetrag hinaus gehen.

Diese Kapitalerträge müssen versteuert werden:

  • Kursgewinne, die beim Verkauf von Aktien erzielt werden
  • Dividenden aus Aktien
  • Zinsgewinne aus Wertpapieren (z.B. Anleihen und Zertifikate )
  • Zinsen aus Sparbuch, Festgeld- oder Termingeldanlagen

Kapitalertragsteuer Erhebungsform

Die Kapitalertragsteuer, umgangssprachlich auch Zinsabschlag- oder Spekulationssteuer, ist eine Erhebungsform der Einkommenssteuer. Seit 2009 wird sie für bestimmte Kapitaleinkünfte in Form der Abgeltungssteuer direkt an der Quelle abgeführt.


Freibetrag Kapitalertragsteuer aufteilen

Sie müssen nicht zwangsläufig die gesamten 801 Euro bzw. 1.602 Euro für eine einzige Anlageform nutzen. Sie haben ebenso die Möglichkeit, Ihren Freibetrag auf mehrere Banken oder Konten zu verteilen.

Kapitalertragsteuer: Aktien-Gewinne unversteuert erhalten

Mit einem Freistellungsauftrag können Sie Aktiengewinne unversteuert erhalten oder zumindest du Steuerlast senken. Mit diesem bleiben pro Person und Jahr 801 Euro Ihrer Kapitaleinkünfte unversteuert. Gemeinsam veranlagte Ehepaare erhalten demnach einen Sparerpauschbetrag von 1.602 Euro.

Den Sparerpauschbetrag erhalten Sie jedoch nicht automatisch. Hierzu müssen Sie selbst einen Freistellungsauftrag an Ihre Bank erteilen. Haben Sie das erledigt, führt die Bank nicht mehr automatisch die Abgeltungssteuer an das Finanzamt ab, bis entweder 801 Euro oder 1.602 Euro erreicht sind.


Aktienhandel: Trotz Handelsgebühren Kaptialertragsteuer?

Wenn Sie beim Aktienverkauf Gewinne erzielen, müssen Sie diese versteuern. Da Sie beim Handel mit Aktien allerdings Transaktionskosten wie Ordergebühren zahlen, schmälert das Ihre Rendite. Idealerweise verrechnen Sie die Transaktionskosten sofort mit Ihren Gewinnen. So verringern Sie den Kapitalertrag direkt und müssen dementsprechend weniger Steuern zahlen.

Wenn Sie Aktien verkaufen, werden zuerst gekaufte Aktien auch zuerst verkauft. Dieses Prinzip nennt sich „first in, first out-Prinzip“. Das verschafft Ihnen die Möglichkeit, durch geschickte Überlegungen, steuerliche Vorteile wahrzunehmen: Aktien, die Sie vor der Einführung der Abgeltungssteuer, also im Jahr 2008, erworben haben, können Sie steuerfrei verkaufen.

Aber Achtung: Das gilt nur für Aktien. Der Bestandsschutz für alte Fonds ist entfallen. Das heißt, Erträge aus Fonds, die vor 2009 erworben wurden, müssen versteuert werden.

Mehr zu den Änderungen 2018 »

Achtung! In diesen Fällen zahlen Sie keine Kapitalertragsteuer:

  • Nichtveranlagungsbescheinigung: Wenn Sie diese Bescheinigung bei Ihrer Bank einreichen, wird die Kapitalertragsteuer nicht mehr automatisch abgeführt. Allerdings sind Sie dann dazu verpflichtet, Ihre Kapitalerträge in der Steuererklärung anzugeben. Das lohnt sich für Sie nur, wenn Ihr persönlicher Steuersatz niedriger ist als der Abgeltungssteuersatz. Sie werden dann mit Ihrem niedrigen Steuersatz besteuert.
  • Mehrere Freistellungsaufträge: Bei mehr als einem Freistellungsauftrag kann es passieren, dass sie falsch aufgeteilt werden D.h. es könnte eine Kapitalertragsteuer abgeführt werden, obwohl Sie die 801 Euro insgesamt nicht überschritten haben. Geben Sie das in Ihrer Steuererklärung an, wird die zu viel gezahlte Steuer zurückerstattet.
  • Günstigerprüfung: Sie zahlen zunächst die Kapitalertragsteuer und merken den anfallenden Betrag in Ihrer Steuererklärung an. Anschließend prüft das Finanzamt, welche Art der Versteuerung für Sie günstiger ist. Sollten Sie zu viel bezahlt haben, erhalten Sie eine entsprechende Rückerstattung.

Diese Kapitalerträge müssen Sie in der Einkommenssteuererklärung angeben:

  • Zinsen aus dem Verkauf einer Lebensversicherung
  • Zinsen aus einem Darlehen an eine Privatperson
  • Erstattungszinsen vom Finanzamt

Diese Kapitalerträge werden nicht von einer Bank verwaltet, daher können die Steuern hierfür nicht direkt an das Finanzamt abgeführt werden. Geben Sie diese Posten also unbedingt an, wenn Sie nicht aus Versehen Steuern hinterziehen möchten. Denn: Sie sind dazu verpflichtet, das Finanzamt über unbekannte Einkünfte zu informieren.

Kapitalerträge im Ausland? Vermeiden Sie doppelte Versteuerung

Kapitalerträge, die im Ausland erzielt werden, müssen ebenfalls versteuert werden. Wichtig hierbei ist, wie Sie diese erlangt haben und auf welche Art sie gelagert werden. Fließen Veräußerungsgewinne von ausländischen Aktien auf ein Depotkonto in Deutschland, dann wird die Kapitalertragsteuer vom Broker direkt abgezogen. Lagern die Aktien allerdings in einem ausländischen Depot, sind Sie verpflichtet, Ihre erzielten Gewinne selbst in der Einkommenssteuererklärung anzugeben.

Problem hierbei: Häufig zahlen Sie bereits im Ausland Steuern, ohne es gemerkt zu haben. Sollte also die ausländische Quellensteuer nicht mit der deutschen Kapitalertragsteuer verrechnet worden sein, sollten Sie dem Finanzamt Ihre Kapitaleinkünfte selbst übermitteln. So vermeiden Sie es, doppelt Steuern zahlen zu müssen und erhalten eine Rückerstattung der Kapitalertragsteuer.

Kapitalertragsteuer so einfach wie nie

Seit der Einführung der Abgeltungssteuer wird die Kapitalertragsteuer als Quellensteuer direkt an der Quelle, häufig eine Bank, abgeführt. Das hat den Vorteil, dass Sie sich nur noch in Ausnahmefällen um die Anlage KapESt der Einkommenssteuererklärung kümmern müssen. Der Koalitionsvertrag vom Februar 2018 lässt jedoch den Rückschluss zu, dass das Steuerrecht für Kapitalerträge nochmals überarbeitet wird. Bisher ist allerdings noch nicht abzusehen, wie ein neues Steuerrecht aussehen könnte.