Abgeltungssteuer: Aktien- und Zinsvorteile 2018 nutzen

Mit der Einführung der Abgeltungssteuer 2009 wurde das alte System der Aktien-Steuern für Anleger vereinfacht. Seitdem ist die Abgeltungssteuer die wichtigste Steuerart bei Aktien- und Wertpapieranlagen und erleichtert vor allem Aktien-Anfängern den Einstieg in den Aktienhandel: Die mühsame Angabe von Kapitalerträgen in der Steuerklärung ist jetzt nicht mehr nötig. Lesen Sie hier unter anderem, wie genau die Abgeltungssteuer funktioniert, welche Vorteile sie für den Anleger bietet und welche Rolle der Freistellungsauftrag hat.

So hoch ist die Abgeltungssteuer für Kapitalerträge

Kirchensteuer 8 % (Bayern, Baden-Württemberg) 9 % (restliche Bundesländer) Keine Kirchensteuer
Abgeltungssteuer 100 : 4,08 = 24,51 % 100 : 4,08 = 24,51 % 25 %
Kirchensteuer auf
Abgeltungssteuer
1,96 % 2,20 %
Solidaritätszuschlag auf
Abgeltungssteuer
1,35 % 1,34 % 1,38 %
Abgeltungssteuer insgesamt 27,82 % 27,99 % 26,38 %

Der Abgeltungssteuersatz ist festgeschrieben und wird nicht an den üblichen Steuerklassen festgemacht. Generell beträgt der Steuersatz 25 Prozent. Hinzu kommen der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent sowie die Kirchensteuer, deren Höhe von Ihrer Konfession und vom Bundesland abhängt, in dem Sie leben. Je nach Kirchenzugehörigkeit bewegt sich der Abgeltungssteuersatz dann insgesamt zwischen 26 und 28 Prozent.


Was ist die Abgeltungssteuer?

Die Abgeltungssteuer als „Quellensteuer“

Eine Quellensteuer ist eine Steuer auf Kapitalerträge. „Quellensteuer“ bedeutet, dass die Bank bei Gutschrift der erzielten Erträge den Betrag für die Abgeltungssteuer direkt abzieht und an das Finanzamt abführt. Die Steuer wird also direkt an der Entstehungsquelle erhoben.

Die Abgeltungssteuer ist eine Form der Kapitalertragsteuer. Sie wird automatisch entrichtet und gilt Kapitalerträge steuerlich ab. Damit können Sie als Anleger darauf verzichten, Ihre erwirtschafteten Zinsen und Erträge in der Einkommenssteuererklärung anzugeben. Die Abgeltungssteuer ersetzt die bis 2009 in Deutschland geltende Kapitalertragsteuer, umgangssprachlich auch Zinsabschlags- oder Spekulationssteuer genannt. Ziel der Umgestaltung des bis dato geltenden Steuerrechts war es, die Steuerabgaben bei Kapitalerträgen zu erleichtern. Auf folgende Kapitalerträge müssen Sie Steuern zahlen:

  • Kursgewinne, die beim Verkauf von Aktien anfallen
  • Dividenden aus Aktien
  • Zinsgewinne zum Beispiel von verzinsten Wertpapieren (z. B. Anleihen) oder Zertifikaten
  • Erträge aus Investmentfonds oder Termingeschäften
  • Zinsen aus Festgeld- oder Termingeldanlagen

Ausnahmen: In diesen Fällen zahlen Sie keine Abgeltungssteuer »

In einigen Fällen lohnt es sich für Sie, die Anlage KAP der Einkommenssteuererklärung auszufüllen und bei Ihrem zuständigen Finanzamt einzureichen. Das sollten Sie tun, wenn

  • Ihr persönlicher Steuersatz niedriger ist als der Abgeltungssteuersatz. Trifft das auf Sie zu, müssen Sie bei der Bank eine so genannte Nichtveranlagungsbescheinigung einreichen. Sie sorgt dafür, dass die Bank die Abgeltungssteuer nicht mehr automatisch abführt. Stattdessen sind Sie verpflichtet, Ihre Kapitaleinkünfte in der Steuererklärung anzugeben. Sie werden dann mit Ihrem niedrigeren Steuersatz versteuert.
  • Ihre Freistellungsaufträge bei mehreren Banken falsch verteilt waren. Dadurch könnte bei einer oder mehreren Banken Abgeltungssteuer angefallen sein, obwohl Ihre Kapitalerträge den Freibetrag von 801 Euro insgesamt nicht überschritten haben. Geben Sie das in Ihrer Steuererklärung an, erhalten Sie die zu viel gezahlte Steuer zurück.
  • eine Günstigerprüfung anstreben. Dafür zahlen Sie zunächst die Abgeltungssteuer und führen den entsprechenden Betrag in Ihrer Steuererklärung an. Das Finanzamt prüft im Anschluss, welche Art der Versteuerung für Sie als Anleger günstiger ist. Je nachdem, wie die Günstigerprüfung ausfällt, gibt es bei zu viel gezahlten Steuern eine entsprechende Rückzahlung.

In diesen Fällen müssen Sie Ihre Kapitalerträge in der Steuererklärung angeben »

Es gibt ganz bestimmte Kapitalerträge, die Sie in jedem Fall in der Einkommenssteuererklärung angeben müssen. Das sind zum Beispiel Kapitalerträge durch

  • Erstattungszinsen vom Finanzamt,
  • durch den Verkauf einer Lebensversicherung oder
  • durch Zinsen aus einem Darlehen an Privatpersonen.

Diese Kapitalerträge kann Ihre Bank nicht erfassen. Entsprechend kann sie auch die Abgeltungssteuer nicht ans Finanzamt abführen. Deshalb sind Sie selbst dafür zuständig, das Finanzamt über diese Einkünfte zu informieren.

Steuern sparen mit dem Freistellungsauftrag

Der Freistellungsauftrag kann dazu genutzt werden, um bei Aktiengewinnen den Betrag zu senken, auf den Abgeltungssteuer gezahlt werden muss. Jeder Steuerpflichtige hat die Möglichkeit Sparerträge bis zu 801 Euro jährlich unversteuert zu erhalten. Gemeinsam veranlagte Ehepaare haben entsprechend einen Sparerfreibetrag von 1602 Euro.

Damit Sie sich diesen Sparerpauschbetrag genannten Freibetrag anrechnen lassen können, müssen Sie der Bank einen Freistellungsauftrag erteilen. Dann wird bei Gewinngutschriften auf dem Depot keine Abgeltungssteuer abgeführt, bis der angegebene Betrag erreicht ist. Grundsätzlich müssen Sie nicht die vollständigen 801 bzw. 1602 Euro Freibetrag für eine einzige Anlageform nutzen. Er kann auch auf mehrere Banken oder Anlagekonten verteilt werden. Zum Beispiel können Sie Zinserträge von 200 Euro bei Ihrem Festgeldkonto und 601 Euro bei Ihrem Depot-Konto von Steuern befreien.

Wird die Abgeltungssteuer abgeschafft?

„Die Abgeltungsteuer auf Zinserträge wird mit der Etablierung des automatischen Informationsaustausches abgeschafft […].“ – So lautet ein kleiner, aber entscheidender Satz auf S. 69 des im Februar 2018 verabschiedeten Koalitionsvertrags zwischen SPD und CDU/CSU. Laut SPD werden Menschen, die über viel Kapital verfügen, durch die derzeitige Regelung begünstigt. Eine neuerliche Änderung des Steuerrechts soll diese Privilegierung der Reichen beenden. Ob tatsächlich die Abgeltungssteuer abgeschafft wird, bleibt allerdings abzuwarten.

So berechnen Sie Ihre Abgeltungssteuer

Nehmen wir an, Sie sind kirchensteuerpflichtig und leben in Bayern; Sie müssen also 8 Prozent Kirchensteuer zahlen. Im vergangenen Jahr erzielten Sie durch geschicktes Handeln Aktiengewinne und können zusätzliche Kapitalerträge durch Zinsen auf Ihr Tagesgeldkonto verzeichnen. Insgesamt erwirtschafteten Sie dadurch 850 Euro. Einen Freistellungsauftrag haben Sie bereits bei Ihrer Bank gestellt. Daraus ergibt sich rechtsstehend diese Berechnung der Abgeltungssteuer.

Abgeltungssteuer Aktien: Berechnungsbeispiel

Kapitalertrag gesamt 850 €
Abzüglich Sparerpauschbetrag – 801 €
Restlicher zu versteuernder Kapitalertrag: 49 €
Davon Abgeltungssteuer: 12,25 €
Zuzüglich Soli: 0,67 €
Zuzüglich Kirchensteuer: 0,96 €
Abgeltungssteuer insgesamt: 13,88 €

Kirchensteuer wird automatisch abgeführt

Bisher mussten Sie die Kirchensteuer entweder nachträglich in Ihrer Steuererklärung angeben oder beim Finanzamt einen Antrag auf Einbehalt stellen. Seit 2015 ist beides nicht mehr nötig: Die Banken führen die Kirchensteuer automatisch an das Finanzamt ab.

Aktienverkauf: Abgeltungssteuer auch bei Handelsgebühren?

Änderung 2018: Bestandsschutz für alte Fonds gefallen!

Bisher waren alle Erträge von vor 2009 gekauften Fonds steuerfrei. Das hat sich mit dem 1.1.2018 geändert: Alle Erträge, die diese Altfonds ab dem genannten Datum erbringen, müssen nun versteuert werden. Nachträgliche Steuern brauchen Sie allerdings nicht bezahlen: Erträge, die vor 2018 erzielt wurden, bleiben weiterhin steuerfrei. Mehr zu den Änderungen 2018 »

Wenn Sie durch den Verkauf von Aktien Gewinne erzielen, zahlen Sie Abgeltungssteuer. Aktiengewinne durch Verkauf werden allerdings in der Regel geschmälert, denn sie sind mit bestimmten Transaktionskosten wie Ordergebühren verbunden. Am besten verrechnen Sie diese Transaktionskosten sofort mit Ihren Gewinnen. Das verringert den Kapitalertrag und Sie zahlen entsprechend weniger Steuern.

Für den Aktienverkauf gilt das „first in, first out-Prinzip“. Damit ist gemeint, dass zuerst gekaufte Aktien als zuerst verkauft gelten. Wenn Sie geschickt agieren, können Sie aus dieser Regelung steuerliche Vorteile ziehen: Nehmen wir an, Sie wollen 250 Ihrer 300 Facebook-Aktien verkaufen. 200 dieser Aktien haben Sie bereits 2008, also noch vor Einführung der Abgeltungssteuer erworben. Weitere 100 kauften Sie ein Jahr später dazu. Entsprechend können Sie nun 200 Ihrer Facebook-Aktien steuerfrei und nur 50 nach dem Abgeltungssteuersatz verkaufen.

Sie haben Verluste gemacht? Keine Sorge, denn…

…die Verluste bei Ihren Aktiengeschäften werden bei der Berechnung der Abgeltungssteuer mitbedacht: Je mehr Verluste Sie gemacht haben, desto schmaler fällt Ihr Gewinn aus und desto weniger Steuern müssen Sie automatisch zahlen. Bei der Verrechnung von Gewinnen und Verlusten gilt: Verluste aus Aktien können nur mit Aktiengewinnen ausgeglichen, Verluste aus anderen Wertpapiergeschäften dagegen mit allen anderen abgeltungssteuerpflichtigen Ertragsanlagen verrechnet werden.

Diese Regelungen für ausländische Kapitalerträge sollten Sie kennen

Erzielen Sie im Ausland Kapitalerträge, müssen diese ebenfalls versteuert werden. Entscheidend ist, wie diese erlangt oder gelagert werden. Fließen Veräußerungsgewinne von ausländischen Aktien auf ein inländisches Depotkonto, dann wird vom Broker die Abgeltungssteuer automatisch abgezogen. Lagern die Wertpapiere allerdings in einem ausländischen Depot, sind Sie als Anleger verpflichtet, die erzielten Gewinne selbst in der Einkommenssteuererklärung anzugeben.

Wenn Sie bereits im Ausland Steuern gezahlt haben, die ausländische Quellensteuer aber nicht auf die deutsche Abgeltungssteuer angerechnet wurde, sollten Sie dem Finanzamt Ihre Kapitaleinkünfte übermitteln. So vermeiden Sie es, doppelt Steuern zahlen zu müssen und erhalten die zu viel gezahlten Steuern zurück.

Ist die Abgeltungssteuer zukunftsträchtig?

Die Einführung der Abgeltungssteuer brachte Erleichterung für die Anleger: Seit 2009 wird die Abgeltungssteuer automatisch abgeführt. Dadurch müssen Sie sich nur noch in bestimmten Ausnahmefällen um die Anlage KAP der Einkommenssteuererklärung kümmern. Der Koalitionsvertrag vom Februar 2018 lässt vermuten, dass in den kommenden Monaten oder Jahren das Steuerrecht für Kapitalerträge erneut grundlegend überarbeitet wird. Wie genau diese Änderungen aussehen werden, welche Auswirkungen das auf die Anleger hat und welche Konsequenzen Sie als Anleger aus diesen Änderungen ziehen sollten, ist bisher allerdings noch nicht abzusehen.