Aktien Steuer: Aktiengewinne richtig versteuern

Alle Aktiengewinne müssen versteuert werden: Einkünfte aus Kapitalvermögen, Dividendenerträge, Kursgewinne aus dem Aktienhandel – all diese Einnahmen unterliegen der Steuerpflicht. Um die Steuerabgabe zu erleichtern, wurde erst vor Kurzem bei der Kapitalertragsteuer das alte System durch ein neues ersetzt. Zum Beispiel gilt seit 2009 nicht mehr die Spekulationssteuer. Aktien und die daraus entstehenden Gewinne unterliegen inzwischen der Abgeltungssteuer. Trotzdem bleiben die Themen Aktien, Steuern, usw. für viele undurchsichtig – besonders Aktien-Anfänger haben ihre Schwierigkeiten damit. Wie also funktioniert das Versteuern von Aktiengewinnen genau? Und gibt es die Möglichkeit, bestimmte Gewinnbeträge bei Aktien steuerfrei zu handeln? Ein Überblick über die wichtigsten Aspekte schafft Klarheit.

Dank Quellensteuer Aktien- und Dividendenerträge einfacher versteuern

Infografik zur Abgeltungssteuer und der Besteuerung von Aktiengewinnen

Die Abgeltungssteuer ist seit 2009 in Kraft und ist die wichtigste Steuerart bei Aktien- und Wertpapieranlagen. Sie ist als Quellensteuer gestaltet, das bedeutet, dass direkt vom Depot Steuern abgeführt werden. Dies übernimmt die depotführende Bank bzw. der Online Broker automatisch, es müssen keine separaten Angaben über Gewinne aus Anlagen oder Kapitalvermögen in der Steuererklärung mehr gemacht werden. Für den Steuerzahler kommt es somit zu einer großen bürokratischen Erleichterung.

Die Steuer auf Aktiengewinne und Dividenden umfasst neben der Abgeltungssteuer in Höhe von 25 % noch einen Solidaritätszuschlag sowie Kirchensteuer für Kirchenmitglieder. Soli und Kirchensteuer werden prozentual mit der Abgeltungssteuer verrechnet. Somit ist die Höhe der Steuer für alle Personen gleich hoch, nur in Bezug auf die jeweilige Konfession kann es bei der Kirchensteuer zu Unterschieden kommen. Es erfolgt keine Einteilung mehr nach der Einkommens- bzw. Steuerklasse.

Um Kleinanlegern Vorteile bei der Besteuerung zu bieten, wurde außerdem ein Sparerfreibetrag eingeführt. Der sogenannte Sparerpauschbetrag erlaubt es Anlegern, einen Freistellungsauftrag auszustellen und Gewinne aus Aktien oder Sparanlagen bis zu 801 Euro (Ehepaare 1602 Euro) von der Steuer zu befreien.

Mehr Informationen zur Abgeltungssteuer bei Aktien.

Anwendung in der Praxis

Auch Verkaufsgewinne müssen versteuert werden

Steuern müssen nicht nur für laufende Gewinne bezahlt werden, sondern auch, wenn Wertsteigerungen realisiert werden. Das bedeutet, dass auch Gewinne durch Aktienverkauf oder Veräußerung von Fondsanteilen nicht steuerfrei sind.

Da es sich bei der Abgeltungssteuer um eine Quellensteuer handelt, wird von jedem Gewinn, der auf dem Depot eingeht, sofort von der Depotbank der entsprechende Betrag – außer es besteht noch Volumen beim Freibetrag – Steuer abgeführt. Der Bankkunde muss sich nicht mehr wie früher selbst darum kümmern, dass die korrekten Gewinnsummen in der Steuererklärung angegeben werden. Außerdem werden mit der neuen Regelung auch Verluste bei Wertpapiergeschäften bei der Verrechnung der Steuerlast berücksichtigt. Entstehende Verluste werden mit Gewinnen verrechnet und ausgeglichen. Allerdings können Kursgewinne von Aktien nur mit Verlusten beim Aktienhandel ausgeglichen werden. Andere Wertpapiere unterschiedlicher Art können dagegen miteinander verrechnet werden.

Vor- und Nachteile der Abgeltungssteuer

Steuerreformen werden von Bevölkerung und Finanzexperten immer kritisch gesehen und genau untersucht. Tatsächlich hat aber die Abgeltungssteuer, durch die nicht nur auf Aktiengewinne Steuern erhoben werden, sondern von der auch Erträge aus anderen Anlagebereichen betroffen sind, durchaus einige Vorteile.

  • einheitlicher Steuersatz für alle Einkommensklassen
  • Steuer auf Aktiengewinn wird automatisch eingezogen, weniger Bürokratieaufwand
  • anrechenbare Verluste durch Verlustverrechnungstopf
  • Steuerfreibeträge helfen Steuern zu sparen

Nicht für alle bietet die neue Regelung, mit der Aktiengewinne versteuert werden, Vorteile. Einige Anleger profitieren weniger stark von der neuen Gesetzgebung. Wer mit langfristigen Aktiengeschäften Geld verdient, wird seit 2009 ebenfalls zur Kasse gebeten. Zuvor wurde nur bei schnellen Transaktionen eine Art „Gewinnsteuer“ in Form der Spekulationssteuer erhoben. Wer Wertpapiere innerhalb eines Jahres wieder mit Gewinn verkaufte, musste dann für diesen Aktiengewinn Steuern zahlen. Waren die Wertpapiere länger als zwölf Monate im Besitz des Anlegers, mussten keine Steuern bei Aktienverkauf gezahlt werden. Dies änderte sich mit der Abgeltungssteuer. Unabhängig von der Haltedauer muss man nun alle Aktiengewinne versteuern.

Wichtige Steuerbegriffe

Kapitalertragssteuer:

Die Kapitalertragsteuer ist eine Erhebungsform der Einkommenssteuer, die seit 2009 bei Privatanlegern für bestimmte Kapitaleinkünfte in Form der Abgeltungssteuer abgeführt wird.

Abgeltungssteuer:

Seit 2009 gilt die einheitliche Abgeltungssteuer für Zinsen, Dividenden und Gewinne aus Wertpapierverkäufen in Höhe von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer.

Quellensteuer:

Beschreibt die Einzugsweise einer Steuerart. Eine Quellensteuer, wie die Abgeltungssteuer, wird nicht vom Steuerzahler, sondern vom Kreditinstitut direkt an das zuständige Finanzamt abgeführt.

Spekulationssteuer:

Seit 2009 gilt für Erträge aus Aktiengeschäften die Abgeltungssteuer. Dennoch wird der Begriff Spekulationssteuer manchmal noch umgangssprachlich als Synonym für die Abgeltungssteuer verwendet.


Internationale Regelungen der Aktien Quellensteuer

Deutschland reihte sich mit der Einführung der Abgeltungssteuer in Form einer Quellensteuer auch international ein, denn in zahlreichen Ländern werden Quellensteuern für die Besteuerung von Aktiengewinnen eingesetzt. Viele Aktionäre investieren auch international, so dass es mitunter schwierig ist, wann welche Steuern in welchem Land gezahlt werden müssen bzw. gezahlt wurden. Da die Quellensteuer automatisch abgezogen wird, kann es bei internationalen Anlagen zu Doppelbesteuerung kommen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann man sich aber die doppelt gezahlten Steuern auf Aktiengewinne zurückerstatten lassen.

Worauf man achten sollte und wie man Doppelbesteuerung vermeidet: Die ausländische Quellensteuer im Detail.

Aktien versteuern leicht gemacht

Durch die automatische Abführung der Abgeltungssteuer ist die Versteuerung von Aktiengewinnen und Spareinlagen sehr einfach geworden. Lediglich beim Sparerpauschbetrag oder der Abführung ausländischer Quellensteuern gilt es genauer zu planen, da sich hier Sparpotential ergeben kann. Andere Erträge aus ausländischen Investitionen, die nicht im Ausland besteuert werden, müssen mitunter selbst als Einkommen in der Steuererklärung aufgeführt werden. Im Zweifel helfen die Berater der Depotbank. Bei größeren (internationalen) Anlagen kann es sinnvoll sein, einen Steuerberater hinzuzuziehen.