Rohstoffhandel – Optionen, Chancen und Risiken

Fünf Tonnen Zucker, 300 Schweinehälften, eine Tonne Kaffee… Was sich zunächst wie eine sehr seltsame und unrealistische Einkaufsliste liest, stellt in der Welt des Rohstoffhandels vollkommen normale Größenordnungen dar. Auch der Kauf von Anteilen an Goldminen sind an der Tagesordnung. Von den großen Zahlen und dem Gedanken an die damit verbundenen hohen Gewinne sollten Sie sich allerdings nicht blenden lassen. Das Thema Rohstoffhandel ist komplex und auch für Börsenerfahrene nicht einfach.

Der Markt ist durch seine Abhängigkeit von zahlreichen Faktoren wie guten Ernten oder dem Ausbleiben von Viehkrankheiten recht risikobehaftet. Die Preise können deshalb extremen Schwankungen unterliegen. Diese Eigenschaft des Rohstoffhandels hat zwei Seiten: Anleger können hohe Verluste erleiden oder sich über große Gewinne freuen. Möchten Sie in Rohstoffe investieren, haben Sie mehrere Möglichkeiten. Doch nicht alle sind gleich gut geeignet für jeden Anleger. Besonders Anfänger sollten beim Handel mit Rohstoffen sehr vorsichtig sein.

Bild zeigt eine Reihe Säcke voller Getreide, Reis und weiterer Rohstoffe

Warum in Rohstoffe investieren?

So kompliziert und unkalkulierbar der Rohstoffmarkt ist, so interessant ist er auch für Anleger. Denn Rohstoffe werden immer benötigt. Ganz gleich, ob es um die Herstellung von Gebrauchsgegenständen, den Bau von Häusern oder Straßen oder die Beheizung der Wohnung geht. Kein Wunder, dass der Rohstoffverbrauch in der Vergangenheit stets angestiegen ist. Rohstoffe machen mehr als ein Drittel aller Güter im Welthandel aus und haben somit auch einen großen Einfluss auf die Weltwirtschaft. Aufgrund ihrer hohen Bedeutung besteht immer die Möglichkeit, in sie zu investieren und hohe Gewinne zu erzielen.

Was genau ist Rohstoffhandel?

Unter Rohstoffhandel versteht man die Geldanlage in Agrar- oder Energieprodukte, Edel- oder Nichtedelmetalle. Welcher Rohstoff es sein soll, bleibt dabei Ihnen überlassen. Die Auswahl ist groß. Die Möglichkeiten erstrecken sich von Zucker, Getreide oder Kaffee über Öl, Mastvieh, Gold oder Kupfer. Auch dazwischen gibt es unzählige Alternativen.

Welcher Rohstoff? Preis als Entscheidungshilfe

Ein Entscheidungskriterium für eine bestimmte Rohstoffart kann der Rohstoffpreis sein. Dieser unterliegt bei Rohstoffen häufig besonders starken Schwankungen, da er nicht nur von der ständigen Verschiebung von Angebot und Nachfrage abhängig ist. So spielen auch klimatische Bedingungen bei Agrarrohstoffen oder politische Faktoren bei Energieprodukten eine Rolle bei der Preisbildung.

Die Rohstoff-Kurse können sich schnell ändern, ein aktueller Rohstoffpreis kann bereits am nächsten Tag ganz anders aussehen. Möchten Sie einen bestimmten Rohstoff kaufen, sollten Sie also die Rohstoffpreisentwicklung über eine gewissen Zeitspanne im Auge behalten.

Beispiel: Preisentwicklung von Rohstoffen im Vergleich
Preisentwicklung verschiedener Rohstoffe

Wie werden Rohstoffe gehandelt?

Haben Sie sich dazu entschieden, einen Teil Ihres Vermögens in Rohstoffe anzulegen, können Sie zwischen verschiedenen Varianten wählen. Die Anlage kann entweder direkt oder indirekt erfolgen. Unter direktem Kauf versteht man beispielsweise Erwerb von Goldbarren oder den Abschluss von Terminkontrakten über Rohstoffe. Indirekt können Rohstoffe durch Investitionen in Rohstoffaktien von Rohstoffproduzenten oder durch den Kauf von Zertifikaten oder ETCs erworben werden.

Natürlich ist es theoretisch auch möglich, bestimmte Rohstoffe physisch zu erwerben. Allerdings kommt diese Option für Privatanleger kaum in Frage. Der einfache Grund dafür ist, dass die damit verbundenen Massen nach Mitteln verlangen, die nur äußerst selten zur Verfügung stehen. Schließlich haben die wenigsten Menschen die Ressourcen, geschweige denn Lust darauf, eine Tonne Kupfer in der Garage oder 300 Schweinehälften im heimischen Keller zu lagern.

Rohstoffbörsen: Wo wird mit Rohstoffen gehandelt?

Je nachdem, mit welchen Rohstoffen Sie handeln möchten, spielen verschiedene Handelsplätze eine Rolle. Wichtige Rohstoffbörsen befinden sich in New York, London und Chicago.

  • New York Mercantile Exchange (NYMEX): Die New Yorker Warenterminbörse ist die größte Rohstoffbörse der Welt. Dort können Sie unter anderem mit Energieprodukten, Argrarrohstoffen und Metallen handeln.
  • London Metal Exchange (LME): In Europa befindet sich die international wichtigste Rohstoffbörse für Industriemetalle.
  • Chicago Board of Trade (CBOT): Der Börsenplaz in Chicago ist die älteste Warenterminbörse der Welt. Dort wird vor allem mit Argrarrohstoffen gehandelt.

Rohstoffhandel: Welche Chancen und Risiken gibt es?

Natürlich hat der Rohstoffhandel wie alle Anlageformen Vor- und Nachteile. Aufgrund der Komplexität des Bereichs sind diese sehr zahlreich. Die wichtigsten Punkte finden Sie hier kurz zusammengefasst.

Risiken beim Handel mit Rohstoffen bedenken

Bild zeigt ein Getreidefeld

Eines der größten Risiken ist die Unkalkulierbarkeit der Anlage. Da nicht nur die Nachfrage nach den verschiedenen Rohstoffen stark schwanken kann, sondern Rohstoffe auch anderen, nicht kontrollierbaren Faktoren unterliegen, ist die Entwicklung der Rohstoffpreise schwer einzuschätzen.

Der Getreidepreis beispielsweise hängt besonders vom Wetter und klimatischen Bedingungen ab. In Jahren mit schlechtem Klima kann es zu Missernten kommen, woraufhin weniger Produkt zur Verfügung steht, was wiederum nicht nur Auswirkungen auf die Nachfrage, sondern auch auf den Preis hat. Haben Sie in diesem Fall vorher auf sinkende Getreidepreise gesetzt, müssen Sie mit Verlusten rechnen. Natürlich ist es ebenso möglich, dass sich diese Entwicklung erfreulich auf Ihre Geldanlage auswirkt. Schließlich können höhere Getreidepreise auch höhere Gewinne bedeuten. Sie sollten sich der Vielzahl an Faktoren, die den Rohstoffhandel positiv wie negativ beeinflussen, lediglich immer bewusst sein.

Beim Rohstoffhandel Chancen nutzen

Auf der anderen Seite verspricht der Rohstoffhandel äußerst attraktive Renditechancen. Denn spielen Ihnen eben erwähnte unkalkulierbare Faktoren in die Tasche, können sich Rohstoffe als sehr lukrativ erweisen. Experten empfehlen deshalb in der Tat, Rohstoffe als Zugabe ins Depot aufzunehmen. Sie gelten als interessantes Teilelement für die Gesamtanlage, weil sich Rohstoffmärkte wenig von fallenden Kursen an der Börse beeinflussen lassen. Verteilen Sie Ihr Vermögen so auf verschiedene Anlageklassen, vermindert dies das Gesamtrisiko.

Für wen eignet sich der Handel mit Rohstoffen?

Grundsätzlich kann jeder Anleger in den Rohstoffmarkt einsteigen. Allerdings sollten Sie eines keinesfalls vergessen: Der Handel mit Rohstoffen ist immer sehr spekulativ und bringt ein relativ hohes Risiko mit sich. Insofern sollten Sie sich vor dem Rohstoffankauf genau über alle Faktoren, wie beispielsweise Wetter oder politische Entwicklungen, informieren. Auch dann ist es sinnvoll, wenn Sie ein hohes Risikokapital zur Verfügung haben. Besonders wichtig wird dies, wenn Sie sich für Termingeschäfte interessieren.

Anfänger sollten im Kopf behalten, dass die Investition in Rohstoffe und der dabei traditionelle Terminhandel sehr risikoreich sind und sich ein Engagement in diesem Bereich gut überlegen. Wer nicht auf Rohstoffe im Depot verzichten möchte, kann das Risiko zumindest etwas geringer halten und sich für den Kauf von Rohstoffaktien entscheiden. Diese erfordern nicht nur weniger Kapital, sondern auch etwas weniger Know-how.

Bei welchen Anbietern ist der Handel mit Rohstoffen möglich?

Aktien/Fonds
ETFs von Rohstoffindizes
Physischer Golderwerb
CFDs auf Rohstoffe
Optionsscheine/ Optionen/ Futures/ Zertifikate/ ETCs
Logo von Flatex
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Logo von OnVista
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Logo der Consorsbank
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Logo des SBroker
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Logo von DeGiro
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Wie hoch sollte der Anteil von Rohstoffen im Depot sein?

Wer gerne in Rohstoffe investieren möchte, kann für geringeres Risiko sorgen, indem er nicht den Großteil seines Kapitals in diese Anlageform investiert, sondern auf eine breite Streuung achtet. Folgt man dem Rat von Experten, ist es durchaus sinnvoll, Rohstoffe als Zugabe ins Depot aufzunehmen. Einige vertreten gar die Meinung, dass Rohstoffe in jedes gut sortierte Depot gehören – allerdings eben nur als Teilelement. Wie groß der prozentuale Anteil der Rohstoffe dabei sein sollte, muss individuell entschieden werden.

Wichtige Begriffe beim Rohstoffhandel

Während die meisten Menschen mit dem Begriff Aktien etwas anfangen können, sind andere Ausdrücke, die im Zusammenhang mit Rohstoffhandel fallen, längst nicht allen geläufig. Besonders wenn Sie sich in dieser Welt (noch) nicht auskennen, stehen Sie einigen Begrifflichkeiten zunächst sicherlich eher ratlos gegenüber. Besonders häufig fallen im Rohstoffbereich folgende Ausrücke:

Warenbörse

An der Warenbörse werden, wie der Name vermuten lässt, Waren wie Rohstoffe, landwirtschaftliche Produkte oder auch Nahrungsmittel gehandelt. Dabei werden die Waren selten als tatsächliche Ware veräußert, sondern meist in Form von Kontrakten.

Rohstoffe werden meist über Warenterminbörsen gehandelt. Warenterminbörsen von internationaler Bedeutung befinden sich in New York, Chicago, London, Kansas City, Minneapolis und Winnipeg. In Deutschland können Interessenten an der Warenterminbörse in Hannover oder München handeln.

Termingeschäft

Termingeschäfte, oft auch als Derivate bezeichnet, sind gegenseitige Verträge, deren Preis von einem bestimmten Basiswert, z. B. einem Handelsgegenstand, abhängt. Vertragsabschluss und Vertragserfüllung liegen zeitlich auseinander. Sie berechtigen ihre Besitzer dazu, ein bestimmtes Produkt zu einem späteren Zeitpunkt und einem vorab bestimmten Preis zu kaufen oder zu verkaufen.

Terminkontrakt

Terminkontrakte, auch Futures genannt, sind börsengehandelte Formen eines Termingeschäftes. Sie stellen Verträge dar, die festlegen, eine bestimmte Menge eines Basiswertes zu einem bei Vertragsabschluss bestimmten Preis zu einem vertraglich vereinbarten Zeitpunkt in der Zukunft zu kaufen oder zu verkaufen.

Eine Besonderheit des Futureskontrakts ist, dass er sich sowohl zum Vorteil des Käufers als auch zum Vorteil des Verkäufers entwickeln kann. Da der Preis schon festgelegt ist, bevor die Ware ausgeliefert wird, ist es natürlich möglich, dass sich der Preis bei Auslieferung verändert hat. Je nachdem, ob er gestiegen oder gefallen ist, wirkt sich dies zum Vorteil der Käufers oder eben des Verkäufers aus. Insofern sind Terminkontrakte hochspekulativ und bringen ein recht hohes Risiko mit sich.

Zertifikat

Zertifikate sind Schuldverschreibungen, deren Wertentwicklung von der Wertentwicklung anderer Finanzprodukte abhängt. Beispielsweise kann dies bedeuten, dass sich der Wert eines Zertifikates an der Rohstoffpreisentwicklung eines bestimmten Rohstoffes orientiert. Der Emittent, also die ausgebende Institution, leistet dann bei Fälligkeit eine Zahlung, die von der Entwicklung des Basiswertes abhängt.

ETCs

ETCs sind eine Sonderform der Zertifikate. Die Abkürzung steht für exchange-traded commodities und bezeichnet börsengehandelte Wertpapiere, durch die Anleger in Rohstoffe investieren können.

Aktien

Natürlich ist es auch möglich, über Aktien Rohstoffe als Geldanlage zu nutzen. Als Rohstoffaktien gelten alle Aktien von Unternehmen, die ihren Umsatz hauptsächlich durch Förderung oder Verkauf von Rohstoffen erzielen. Dies können beispielsweise Aktien von Goldminen oder Mineralölgesellschaften sein.

Hier haben Sie auch die Option, in Rohstofffonds, die aus einer Zusammenstellung von verschiedenen Rohstoffaktien bestehen, zu investieren. Diese bringen zum einen ein geringeres Risiko durch eine breitere Werte-Streuung mit sich, zum anderen einen kleineren zeitlichen Aufwand. Auf der anderen Seite werden die Renditechancen verringert. Außerdem fallen zusätzliche Kosten für die Managementgebühr an.