Penny Stocks: Handeln im Cent-Bereich

Es gibt klassische Waren, die nur einige wenige Cents kosten: Eine Packung Kaugummi, die Brötchen vom Bäcker, Streichhölzer, Schrauben aus dem Baumarkt. Dass man aber auch für manche Aktien nur ein paar Cents zahlen muss, dürfte die meisten Anleger überraschen. Doch tatsächlich gibt es Aktien, die nur einen sehr niedrigen Kurswert aufweisen und dementsprechend günstig erworben werden können. Man spricht hier von Penny Stocks. Anleger können darauf setzen, dass sich diese Aktien auch wieder erholen werden.

Was sind Penny Stocks?

Der Begriff Penny Stocks ist aus dem US-amerikanischen Börsenhndel übernommen. Dort bezeichnet er Aktien (Stocks), die einen Kurswert von unter 1 US-Dollar aufweisen, sich also im Penny-Bereich bewegen. Entsprechend werden im Euroraum Aktien als Penny Stocks bezeichnet, die weniger als 1 Euro wert sind.

Viele Börsenplätze haben in den letzten Jahren immer strengere Regeln erlassen, um die Qualität von Aktien sicherzustellen. So haben viele Börsen Penny Stocks nach und nach aus dem Prime Standard, dem regulierten Börsensegment, entfernt. Entweder ganz, dann sind diese Aktien gar nicht mehr handelbar (Delisting). Oder aber sie werden nur in den unregulierten Freiverkehr einer Börse verschoben, wo sie weiterhin gehandelt werden können. In diesem Fall spricht man vom Downlisting.

Volatile Penny Stocks: Zwischen Rekordgewinn und Totalverlust

Ein Grund für diese Entscheidung mancher Börsen ist, dass mit Penny Stocks ein erhöhtes Risiko verbunden ist. Der geringe Kurswert der Aktie hat zur Folge, dass bereits winzige Kursveränderungen um wenige Cents einen großen Einfluss auf das investierte Kapital haben. Sinkt etwa eine Aktie, die für 50 Cent gekauft wurde, nur um 5 Cent, bedeutet das schon einen Kursverlust von 10 Prozent. Im Umkehrschluss heißt das natürlich auch, dass sich bei einem Kursanstieg von 5 Cent ein 10-prozentiger Gewinn einstellt.

Der geringe Kurswert hat also letztlich zur Folge, dass die Volatilität, also die Schwankungsbreite, einer Aktie sehr hoch ist. Diese wird verstärkt durch das geringe Handelsvolumen der Penny Stocks. Spekulanten können leicht große Kurssprünge aber auch Kursverluste herbeiführen, denn sie können ihre Renditeziele mit geringen Mitteln erreichen.

Unterschied zu Small-Cap-Aktien

Penny Stocks: Liste bekannter Aktien

Einige Penny Stocks sind auch nach langer Zeit mit niedrigem Kurswert noch handelbar und entwickeln sich immer wieder einmal positiv. Aufgelistet sind bekannte Penny Stocks mit dem Zeitpunkt, zu dem sie die magische Grenze von 1 Euro unterschritten haben:

  • Atari SA, seit Sept. 2012
  • Beate Uhse AG, seit Sept. 2008
  • Gigaset AG, seit Nov. 2012

Wie Small-Cap-Aktien auch weisen Penny Stocks eine geringe Marktkapitalisierung auf; das heißt, der Gesamtwert der in Umlauf befindlichen Aktien ist relativ niedrig. Im Gegensatz zu klassischen Small-Caps kann der Gesamtwert von Penny Stocks einfach deswegen niedrig sein, weil der Preis pro Aktie verschwindend gering ist. Dann ergibt sich der niedrige Gesamtwert trotz sehr vieler umlaufenden Aktien. Bei Small-Caps hingegen ist die niedrige Marktkapitalisierung einzig darauf zurückzuführen, dass relativ wenige Aktien ausgegeben wurden. Der Kurswert der Aktien kann dabei relativ hoch sein.

Penny Stock Air-Berlin-Aktie

2017 war in Deutschland vor allem ein berühmter Penny Stock in aller Munde: Die Aktien der inzwischen insolventen Fluglinie Air Berlin. An der Aktie zeigt sich recht gut, wie dramatisch und langanhaltend ein Kursverfall an der Börse sein kann. Air Berlin ging 2006 an die Börse. Der Aktienkurs fiel seit Anfang 2007 kontinuierlich. Im September 2015 unterschritt der Kurs erstmals die 1-Euro-Marke. In der Folge hat der Kurs den Cent-Bereich – bis auf einen einwöchigen Ausreißer nach oben – nicht mehr verlassen. Im Herbst 2017, kurz vor dem geplanten Verkauf an Lufthansa, notiert der Penny Stock bei knapp 17 Cent (Stand 16.10.2017).

Penny Stocks im Portfolio: Langfristige Anlagen haben immer Vorrang

Anleger sollten aus den beschriebenen Gründen im Umgang mit Penny Stocks vorsichtig sein. Das heißt in erster Linie: Lieber nicht zu viel Kapital in Penny Stocks stecken. Als langfristige Investments eignen sich Penny-Aktien nicht, denn die Wahrscheinlichkeit, dass sie irgendwann wertlos werden, ist sehr viel höher als bei regulären Aktien oder gar Investmentfonds. Diese sind im Vergleich dazu langfristig gesehen recht sichere Investments. Anleger sind daher meist besser beraten, wenn sie klassische, gut laufende Aktien handeln.

Lohnt sich das Prinzip Hoffnung bei Penny Stocks?

Dennoch können Penny-Stock-Aktien unter Umständen als kleine Ergänzung des bestehenden Portfolios dienen. Anleger können schon mit wenig Geld Penny Stocks kaufen, eben weil jede Aktie nur ein paar Cents kostet. Auf diese Weise können langfristige Investitionen durch eine kurzfristige Spekulation auf einzelne Penny Stocks ergänzt werden. Immerhin stirbt die Hoffnung ja bekanntlich zuletzt. Und tatsächlich gab es in der Börsengeschichte einige Fälle, in denen sich Penny Stocks erholt und den Weg zurück ins regulierte Börsensegment und in die Gewinnzone gefunden haben. Doch es sind die raren Ausnahmen von der Regel. In den meisten Fällen entwickeln sich Penny Stocks negativ. Nicht ohne Grund werden sie kaum nachgefragt.


Betrug mit Penny Stocks

Der geringe Wert von Penny Stocks lockt auch Betrüger. Diese können nämlich bereits mit niedrigem Kapitalaufwand große Mengen einer Aktie kaufen. Danach werben sie in Börsen-Newslettern oder -Foren für den Penny Stock und erhoffen sich, dass in kurzer Zeit möglichst viele Menschen auf den Zug aufspringen und den Kurs damit in die Höhe treiben. Anschließend verkaufen sie ihre Anteile mit Gewinn – und überlassen den späten Nachzüglern die Verluste. Anleger sollten Börsentipps zu Penny Stocks deshalb mit größter Vorsicht genießen und sich deren Seriosität vergewissern.

2013 ereignete sich in diesem Bereich eine der größten Betrugsgeschichten der USA: Eine Betrüger-Bande ergaunerte insgesamt 140 Millionen Dollar, bevor sie vom FBI gefasst wurden. Sie trieb den Preis von real fast wertlosen und größtenteils von ihnen kontrollierten Penny Stocks mit einem ausgefeilten Betrugskonstrukt in die Höhe. So wurden beispielsweise verschiedene Broker und Bankkonten genutzt, um die Penny Stocks in großem Stil zu handeln. Auch gefälschte Pressemitteilungen und Erpressungen gehörten zum Repertoire der Betrüger.

Broker mit niedrigen Orderprovisionen suchen

Der Markt für Penny Stocks ist riskant. Die extrem niedrigen Preise der Aktien sorgen aber immerhin dafür, dass Anleger relativ große Mengen an Penny Stocks handeln können, ohne allzu viel Kapital zu investieren. Für 100 Euro gibt es immerhin 200 Aktien, wenn jede einzelne nur einen Kurswert von 50 Cent hat. Damit die Orderkosten bei Kauf und Verkauf allerdings nicht unverhältnismäßig hoch ausfallen, sollten sich Anleger einen Online-Broker suchen, der ausschließlich eine vom Handelsvolumen abhängige Orderprovision ohne Mindestgebühr erhebt.