Fußball: Aktien nur für Fans?

Börsengang und Handel mit Aktien – Fußballvereine in Deutschland und vor allem deren Fans stehen diesem Thema äußerst skeptisch gegenüber. Für viele Fans ist der Börsengang ihres Lieblingsvereins ein absolutes No-Go, denn letztlich würde dieser Schritt – laut Meinung der Fans – den Sieg der Finanzkonzerne und Großunternehmer über die gerade im Fußballsport so geschätzte Tradition bedeuten. Nicht mehr der sportliche Erfolg würde dann zählen, sondern nur noch die finanziellen Interessen der Aktionäre und Sponsoren. Tatsächlich wird Fußball bzw. werden die Aktien von Fußballclubs wie die Bayern München Aktie für Investoren immer interessanter. Schließlich haben sich die Erlöse im Fußball in den letzten Jahren insgesamt vervielfacht. Welche Chancen bietet der Börsengang einem Fußballclub aber tatsächlich? Und können am Ende vielleicht auch die Fans von den Aktien ihres Vereins profitieren?

Börsennotierte Fußballclubs und ihre Aktien

Weltweit sind insgesamt 31 Fußballvereine an der Börse, darunter zum Beispiel die englischen Spitzenclubs Manchester United und FC Arsenal London. Der wohl prominenteste deutsche Club an der Börse ist Borussia Dortmund.

Fußball Aktien: Übersicht über die acht wertvollsten börsennotierten Clubs 2018

Club Name der Kapitalgesellschaft Land Jahr des Börsengangs Marktwert in Mio €
1. Manchester United Manchester United plc England Juni 1991 3.095
2. FC Arsenal London Arsenal Holdings plc England Februar 1991 1.956
3. Juventus Turin Juventus Italien Oktober 2000 1.218
4. Borussia Dortmund Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA Deutschland Mai 2000 971
5. AS Rom AS Roma Italien Dezember 2001 453
6. Ajax Amsterdam AFC Ajax N.V. Niederlande Februar 2002 274
7. Lazio Rom SS Lazio Italien Mai 1998 227
8. Besiktas Istanbul Besiktas JK Türkei November 1997 219

Allerdings kann man in Deutschland nicht von allen 31 Clubs direkt Aktien kaufen. Während Aktien dänischer oder italienischer Clubs wie dem FC Kopenhagen oder Lazio Rom an den deutschen Börsen verfügbar sind, bräuchte man beispielsweise für den Kauf einer Aktie eines türkischen Fußballclubs wie Besiktas Istanbul eine türkische Steuernummer.

Was sind Fußballaktien?

Fußballaktien sind Aktien von Fußballclubs, die ihre Profiabteilung aus der Vereinsstruktur ausgegliedert und in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt haben. In Deutschland ist die Ausgliederung und Umwandlung von Abteilungen eines eingetragenen Vereins (e.V.) seit 1998 möglich. In diesem Jahr änderte der Deutsche Fußballbund (DFB) seine Statuten und entschied, dass an seinen Ligen auch Kapitalgesellschaften teilnehmen dürfen.

Die 50+1-Regel oder: Wann darf ein Fußballverein überhaupt an die Börse?

Über die Frage, ob ein Fußballclub an die Börse darf oder nicht, entscheidet nicht der Club selbst, sondern die nationalen Verbände, für die Bundesliga also der DFB. Jedes Land regelt die Bestimmungen für den Börsengang eines Fußballclubs anders. In Deutschland darf ein Bundesligateam zwar als Kapitalgesellschaft aus dem Verein ausgegliedert werden, allerdings nur unter Befolgung der 50+1-Regel. Diese Regel besagt, dass der Verein nach der Ausgliederung 50 Prozent der Stimmrechte plus einen weiteren Anteil der Kapitalgesellschaft besitzen muss. Ein e.V. muss also immer die Stimmmehrheit an der ausgegliederten Profifußballabteilung behalten.

Ausnahme: Kommanditgesellschaft auf Aktien

Organisiert sich die ausgegliederte Profiabteilung nicht als Aktiengesellschaft (AG), sondern als Kommanditgesellschaft auf Aktien (KgaA), darf der Stimmanteil des Vereins unter 50 Prozent fallen. Beispiel für eine KgaA ist Borussia Dortmund: Der Verein hält lediglich 5,53 Prozent der Anteile seiner Kapitalgesellschaft.

Die 50+1-Regel soll verhindern, dass der Verein die Kontrolle über seine Profimannschaft vollständig an Großunternehmen oder andere Kapitalgeber abgibt und auf diese Weise der sportliche Erfolg vor dem wirtschaftlichen Erfolg in den Hintergrund rückt. Da sich das Kapital, das die Kapitalgesellschaft erwirtschaftet, allerdings mehrheitlich in privatem Besitz befinden darf, werden Engagements wie das des Großunternehmers Dietmar Hopp bei der TSG 1899 Hoffenheim oder das Red Bulls beim RasenBallsport Leipzig e.V. möglich.

Sind Investitionen in Fußballaktien sinnvoll?

Auf den ersten Blick ist Fußball ein lohnendes Geschäft, denn die Einnahmen der Clubs scheinen kontinuierlich zu steigen: Sponsoringverträge werden über immer höhere Summe abgeschlossen, die Ablösesummen für gefragte Spieler bewegen sich immer öfter im zweistelligen Millionenbereich und auch der finanzielle Anteil der Clubs an den Fernsehrechten ist zum Teil schwindelerregend hoch. Entsprechend hoch, könnte man meinen, fallen Dividende und Rendite aus, wenn man Fußballaktien kauft. Die Realität sieht allerdings oft anders aus, denn viele Aktien börsennotierter Clubs schwanken stark in ihrem Wert oder fristen ein Dasein als Penny-Stocks, sind also nicht mehr wert als ein Euro.

Der Zusammenhang von sportlichem Erfolg und Kurswert

Der geringe Wert von Fußballaktien ist ebenso wie die starken Kursschwankungen vor allem auf den nur schwer planbaren sportlichen Erfolg von Fußballclubs zurückzuführen. Entsprechend unsicher ist es, den künftigen Kursverlauf einer Fußballaktie vorauszusagen und entsprechend riskant ist es, in Aktien eines börsennotierten Fußballclubs zu investieren. Hinzu kommt, dass die Informationslage von Aktienkursen börsennotierter Clubs vergleichsweise dünn ist. Wer sich informieren möchte, muss Jahresabschlüsse zum Teil auf Dänisch, Portugiesisch oder Niederländisch durchforsten.

Will man Fußballaktien kaufen, sollte man sich am besten nicht ausschließlich auf die sportlichen Erfolge des jeweiligen Clubs verlassen. Weitere Faktoren, die den Marktwert ebenfalls bestimmen, sind wirtschaftlicher Art: Kann der Club aus seinen verschiedenen Einnahmequellen nachhaltig positive Ergebnisse erzielen? Ist der Club schuldenfrei? Leistet er gute Nachwuchsförderung, so dass künftig mit hohen Transfereinnahmen gerechnet werden kann?

Erfolgsmodell FC Bayern München AG?

Der FC Bayern München kann nicht nur seit Jahren kontinuierlich nationale und internationale Erfolge vorweisen, der Verein steht auch wirtschaftlich sehr gut da: Im internationalen Vergleich mit den Spitzenclubs gehört der FCB zu den Clubs mit der geringsten Nettoverschuldung. Er hatte zum Abschluss der Saison 2015/16 ein Plus von rund 30 Millionen Euro zu verzeichnen und gilt damit als einer der finanziell gesündesten Clubs der Welt. Die aus dem Verein ausgegliederte Kapitalgesellschaft ist zwar als AG organisiert, die FC Bayern Aktie wird jedoch nicht an der Börse gehandelt. Stattdessen hat die FC Bayern München AG neben dem e.V., der die Mehrheit der Aktien hält, drei Hauptaktionäre: Audi, Adidas und Allianz SE.

Dass dieses Modell nicht allein ausschlaggebend für den (finanziellen) Erfolg eines Fußballclubs ist, zeigt die HSV Fußball AG. Sie ist ähnlich strukturiert wie die FC Bayern München AG, das heißt, auch die HSV-Aktie wird nicht an der Börse gehandelt und wie bei den Bayern hält der e.V. die Aktienmehrheit. Der sportliche Erfolg des HSV lässt allerdings ebenso zu wünschen übrig wie der finanzielle: Zum Jahresabschluss 2016 soll der Club laut Presseberichten Verbindlichkeiten in Höhe von rund 75 Millionen Euro gehabt haben.

Fan-Anleihe: die risikoärmere Alternative zur Fußballaktie?

Eine Fan-Anleihe wird von einem Fußballverein ausgegeben und kann von jedem gekauft werden. Sie ist meist auf mehrere Jahre befristet, die Zinsen werden jährlich ausbezahlt. Für die Fußballvereine sind Fan-Anleihen im Normalfall ein rentables Geschäft: Erstens bewegen sich die Zinsen, die für Fan-Anleihen fällig werden, etwa im Bereich von fünf bis sieben Prozent. Damit liegen sie deutlich unter den Zinssätzen, die die Vereine für einen Bankkredit bezahlen müssten. Zweitens wollen viele Fans ihr Geld nicht mehr zurück. Die Schmuckurkunde, die für den Besitz einer Anleihe ausgegeben wird, zählt für sie oft mehr als die finanzielle Rendite. Entsprechend nutzen die Vereine das Geld aus den Anleihen beispielsweise zur Finanzierung des Baus eines Nachwuchszentrums oder zum Einkauf eines Top-Stars.

Die Käufer von Fan-Anleihen tragen allerdings ein ähnlich hohes Risiko wie die Käufer von Fußballaktien, denn: Auch Fan-Anleihen können scheitern. Das zeigen zwei Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit:

  • Die Tivoli-Anleihe von Alemannia Aachen: Nachdem bei der Alemannia der sportliche Erfolg ausblieb und die Profimannschaft in die dritte Liga abstieg, musste der Verein Insolvenz anmelden. Damit war das Geld der Anleger verloren.
  • Arminia Bielefeld: Auch die Arminia konnte lange Zeit keine sportlichen Erfolge mehr verzeichnen und stand kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Da ein Großteil der Anleihen-Besitzer allerdings auf die Auszahlung von Zinsen bzw. die Rückzahlung der Anleihe verzichtete, konnte die Insolvenz gerade noch abgewendet werden.

Fan-Artikel Fußballaktien

Die Beispiele zeigen, dass Fußballaktien ebenso wie Fan-Anleihen eher etwas für eingefleischte Fans sind, für die die emotionale Bindung zum Club bzw. die Idee, den Lieblingsverein mit dem Kauf einer Aktie oder Anleihe zusätzlich unterstützen zu können, wichtiger ist als die Rendite. Für den Nicht-Fußballfan sind Fußballaktien und Fan-Anleihen aufgrund ihrer geringen Kursstabilität und dem hohen Ausfallrisiko als langfristige Geldanlage eher ungeeignet. Die Erwartungen nach einer sicheren Rendite können sie nicht erfüllen.