Cost-Average-Effekt: Wann er sich für Sparer (nicht) auszahlt

Wenn es um die Vorteile von Sparplänen geht, wird von vielen Bankberatern häufig auch der Cost-Average-Effekt erwähnt. Womöglich haben auch Sie bei Ihrem letzten Termin in der Bank von diesem ominösen Effekt gehört und fragen sich, was an diesem Verkaufsargument dran ist. Bei regelmäßigen, gleichbleibenden Investitionen über einen längeren Zeitraum profitieren Sie als Anleger von einem günstigeren Durchschnittskostenpreis. Wenn die Kurse fallen, erwerben Sie mehr Anteile, bei steigenden weniger. Trotz unterschiedlicher Ausgabepreise bezahlen Sie durchschnittlich jedoch einen günstigeren Preis für Ihre Anteile – dies wird als Cost-Average-Effekt (CAE) bezeichnet.

Der Cost-Average-Effekt graphisch dargestellt

Anteilspreis beim Cost-Average-Effekt

Anleger X und Y starten beide mit einem Fondskurs von 100 Euro. Ihren Fonds besparen beide Anleger mit monatlich 100 Euro und erwerben dadurch Anteile. In den kommenden Monaten schlagen die Kurse von X und Y verschiedene Richtungen ein. Anleger X kann sich zunächst über einen Anstieg freuen, nach einem leichten Abfall pendelt sich der Kurs im Juni bei 110 Euro ein. Der Fondskurs von Anleger Y nehmt den gegensätzlichen Verlauf: Anfangs muss er einen Abfall hinnehmen, zum Ende hin steigt der Kurs jedoch wieder und pendelt sich ebenfalls bei 110 Euro ein. Auf den ersten Blick haben beide Anleger nach 6 Monaten also dasselbe Ergebnis.


Wertentwicklung beim Cost-Average-Effekt

Nun kommt der Cost-Average-Effekt ins Spiel. Zur Erinnerung: Beide Anleger haben ihren Fonds monatlich mit 100 Euro bespart und dadurch Anteile gekauft. Der Fondskurs von Anleger X stieg zunächst an, wodurch er monatlich weniger Anteile erworben hat. Der Kurs von Anleger Y hingegen sackte erst ab, weswegen Y mehr Anteile erwerben konnte. Das Ergebnis zeigt sich in der Wertentwicklung der beiden Fonds. Nach 6 Monaten haben die Fonds beider Anleger zwar den gleichen Kurs, Anleger Y hat jedoch in der Zeit, in der sein Fonds fiel mehr Anteile daran gekauft – dank des Cost-Average-Effektes. Sein Fonds ist nun 682 Euro wert, der von Anleger X jedoch nur 591,80 Euro – obwohl beide jeweils 600 Euro investiert haben.

Der Cost-Average-Effekt bei Fondssparplänen

Der Effekt tritt vor allem bei der Investition in Fondssparplänen auf. Wenn Sie in regelmäßigen Abständen gleichbleibende Beträge in ein im Kurs schwankendes Wertpapier einzahlen, ergibt sich insgesamt ein günstigerer Durchschnittspreis – verglichen mit einer Einmaleinlage. Wenn die Kurse Ihrer Anlage steigen, erwerben Sie weniger Anteile am Fonds, wenn die Kurse fallen jedoch mehr. Das gleiche Prinzip gilt für Aktien, die im Rahmen eines Aktiensparplans gekauft werden.

Dass es den Cost-Average-Effekt wirklich gibt, ist mathematisch unbestritten. Ob er jedoch als unumstößliches Argument für Sparpläne gesehen werden kann, wird umso kontroverser diskutiert. Die wichtigste Voraussetzung für eine positive Wirkung des Effektes ist schließlich, dass der Kurs nach dem Absinken Ihres Fonds im späteren Verlauf auch wieder ansteigt. Und das kann niemand garantieren.

Beispielrechnung: Cost-Average-Effekt

Um die Vorteile des CAE herauszustellen, vergleichen viele Fondsanbieter und Banken die regelmäßige Anlage eines festen Geldbetrages mit einer Anlage in Form konstanter Stückzahlen von Fondsanteilen. Im nachfolgenden Beispiel wird eine Cost-Average-Strategie (CAE-Strategie) mit regelmäßigen Einzahlungen von 50 Euro mit der Gleichen-Stückzahl-Strategie (GS-Strategie) von jeweils 6 Anteilen verglichen.

Januar Februar März April
Preis pro
Fondsanteil
10 € 12,50 € 5 € 10 € Durchschnittspreis=9,36 €
CAE-Strategie (gleichbleibende Investitionsbeiträge)
Investierter
Betrag
50 € 50 € 50 € 50 € Summe=200 €
Gekaufte
Anteile
5 4 10 5 Summe=24 Anteile
GS-Strategie (gleichbleibende Stückzahlen)
Investierter
Betrag
60 € 75 € 30 € 60 € Summe=225 €
Gekaufte
Anteile
6 6 6 6 Summe=24 Anteile

Die Sparstrategie mit festen Raten von 50 Euro schneidet hierbei besser ab. Nach 4 Monaten haben beide Strategien zwar die gleiche Anzahl an Anteilen, mit der CAE-Strategie wurden jedoch nur 200 Euro gezahlt, bei der GS-Strategie hingegen 225 Euro. Allerdings erscheint die Idee, monatlich eine bestimmte Stückzahl zu unterschiedlichen Preisen zu erwerben, als wenig nachvollziehbar – da hierbei auf die Wirkung des Cost-Average-Effektes wissentlich verzichtet würde.

Kritische Betrachtungsweise des Cost Average-Effektes

Häufig wird der Effekt als Verkaufsargument für Fondssparpläne genutzt. Aus dem Cost-Average-Effekt wird dabei abgeleitet, dass Sparpläne gegenüber Einmalanlagen besondere Renditevorteile hätten. Diese These wird damit unterfüttert, dass bei einer regelmäßigen Einzahlung das Risiko vermindert werde, zu einem falschen Zeitpunkt zu investieren. Schlechte Marktphasen werden dabei zum wichtigen Bestandteil der Anlagestrategie. Denn je stärker der Kurs fällt, desto mehr Anteile am Fonds werden ja erworben.

Der Sparer, so scheint es, kann dank des CAE praktisch nur gewinnen – ein lediglich aus Verkäufersicht unschlagbares Argument. Der vermeintliche Vorteil, bei fallenden Kursen größere Anteile zu erwerben, ist aber nur dann ein Vorteil, wenn später der Kurs tatsächlich wieder ansteigt. Bleibt die Kursentwicklung über einen langen Zeitraum negativ, verpufft auch der Cost-Average-Effekt.

Auf die Rendite eines Sparplans hat schließlich nicht nur der Fondspreis einen Einfluss, sondern auch die Wertveränderungen. Mehr Anteile an einem Fonds zu besitzen, der jedoch sukzessive an Wert verliert, lässt sich nicht als Erfolg verkaufen. Und die Gewissheit, dass der Kurs in Zukunft wieder steigen wird – und damit die „billig“ eingekauften Anteile umso mehr wert sind – gibt es an der Börse schlichtweg nicht.

Einmaleinlage versus Cost-Average-Strategie

Teilweise werden monatliche Sparzahlungen mit Einmaleinlagen verglichen, um Argumente für eine positive Wirkung des Cost-Average-Effektes zu entkräften. Die mit der einmaligen Anfangsinvestition gefahrene Buy-and-Hold-Strategie erweist sich dabei im Vergleich zur CAE-Strategie zumeist als die rentablere. Allerdings können Einmalzahlungen letztlich nur schwer anhand sinnvoller Parameter mit Vielfacheinzahlungen eines Fondssparplans verglichen werden. Darüber hinaus haben nur Menschen mit ausreichend Eigenkapital eine wirkliche Wahl zwischen Einmalzahlungen und monatlichen Sparraten. Viele haben schlichtweg nicht genug auf der hohen Kante, um mehrere tausend Euro auf einmal in Aktien oder Fonds zu stecken.

Cost-Average hin oder her – monatliches Sparen ist sinnvoll

Davon abgesehen, ob der Cost-Average-Effekt einen positiven oder gar keinen Einfluss auf Ihren Sparplan hat, ist regelmäßiges Sparen in jedem Fall sinnvoll – sofern Sie nicht über genug Kapital für eine größere Einmalanlage verfügen. Langfristig sind Aktien die chancenreichsten Anlagen, weder mit Tages- noch Festgeldkonten können Sie eine vergleichbar hohe Rendite erzielen. Für langfristigen Vermögensaufbau sind beispielsweise ETF-Sparpläne eine sehr sinnvolle Alternative. ETFs sind börsengehandelte Indexfonds und eine gute Einstiegsmöglichkeit für Sparer. Letztlich sind ETFs als Einmalanlage oder im Sparplan eine gute Möglichkeit des langfristigen Investments – Cost-Average-Effekt hin oder her.