Außerbörslicher Handel: Kurse, Zeiten und Kosten

Geht es um die Abwicklung von finanziellen Transaktionen, die nicht über die Börse, sondern zwischen Teilnehmern am Finanzmarkt stattfindet, so wird dies auch als außerbörslicher Handel bezeichnet. Häufig spricht man in diesem Zusammenhang ebenfalls von Direkthandel, Freiverkehrshandel oder OTC-Handel. Das Kürzel OTC steht hierbei für „Over The Counter“, was übersetzt „über dem Tresen“ bedeutet. Zwar entspricht die ursprüngliche Bedeutung auf Deutsch dem Telefonhandel, doch läuft der OTC-Handel heute in der Regel elektronisch über den Bildschirm ab.

Ablauf des außerbörslichen Handels:

Darstellung der ausserboerslichen Hanelds

Ablauf des börslichen Handels:

Darstellung der boerslichen Hanelds

Außerbörslicher Handel: Definition und Ablauf

Ein außerbörslicher Handel findet also dann statt, wenn ein Wertpapierhandel direkt mit einem Marktteilnehmer, z.B. einem Emittenten oder Makler, unter Ausschluss der Börse, durchgeführt wird. Er unterliegt keiner staatlichen Aufsicht. Als Direkthandel wird in der Regel der von Direktbanken bzw. Online-Brokern organisierte außerbörsliche Internethandel von Wertpapieren mit Marktteilnehmern bezeichnet. Auch beim Freiverkehrs- und OTC-Handel erfolgt die Transaktion außerhalb des Verantwortungsbereichs einer Börse. Grundsätzlich gelten jedoch nach wie vor die gesetzlichen Bestimmungen für den Wertpapierhandel.

* volumenunabhängig an allen deutschen Handelsplätzen (zzgl. pauschalierte Handelsplatzgebühr in Höhe von 1,50 €, außer bei Fondshandel über die KAG/KVG); an allen Regionalbörsen ggf. zzgl. Börsengebühr / Maklercourtage

Wann findet außerbörslicher Handel statt?

Grundsätzlich unterscheidet man beim außerbörslichen bzw. OTC-Handel drei verschiedene Einsatzmöglichkeiten:

  • Börsennotierte Wertpapiere werden nicht über die Börse gehandelt, wenn Käufer und Verkäufer, also die beiden Handelspartner, den Handel nicht publik machen wollen. Dies passiert häufig in sogenannten Dark Pools. Dabei handelt es sich um Handelsplattformen, die anonyme Transaktionen ermöglichen.
  • Über den außerbörslichen Handel werden Wertpapiere gehandelt, die nicht zum Handel an der Börse zugelassen wurden.
  • Der OTC-Handel mit Finanzderivaten ohne standardisierte Spezifikationen. Damit sind zum Beispiel exotische Optionen oder OTC-Optionen gemeint.

Wie funktioniert außerbörslicher Handel?

Infografik zum Ablauf des außerbörslichen Direkthandels

Beim außerbörslichen Handel im Bereich Online-Brokerage, dem Direkthandel, erhalten somit auch private Anleger die Möglichkeit, Geschäfte direkt mit dem Emittenten zu verwirklichen. Der Kunde stellt hierfür per Internet über seinen Online-Broker eine Anfrage, um den Preis des entsprechenden Finanzprodukts in Erfahrung zu bringen. Nachdem der Emittent (Market Maker) einen unverbindlichen Preis für das angefragte Handelsvolumen übermittelt hat, muss sich der potenzielle Anleger in der Regel binnen einiger Sekunden für oder gegen das Angebot entscheiden.

Entscheidet er sich dafür, das Angebot anzunehmen, wird der Emittent benachrichtigt, dass der Anleger bereit ist, zu den angegebenen Bedingungen zu handeln. Nun hat wiederum der Emittent die Möglichkeit, die Order des Anlegers abzulehnen. Dies geschieht in der Regel dann, wenn sich der Kurs des Finanzprodukts in der Zwischenzeit geändert hat, der Anleger jedoch noch zum alten Kurs handeln möchte. Nimmt der Emittent die Order des Kunden an, kommt zwischen dem Online-Broker und dem jeweiligen Handelspartner ein Kaufvertrag zustande. Der Online-Broker ist in diesem Fall als Kommissionär für den Anleger tätig. Das bedeutet, dass er die Wertpapiere im eigenen Namen, aber auf fremde Rechnung kauft oder verkauft.

Bei dieser Handelsvariante wird jedoch nicht nur der Aktien-Direkthandel ermöglicht. Auch der außerbörsliche Handel mit Optionen und anderen Wertpapieren ist durch die Nutzung von Online-Brokerage möglich. Zudem können bei einigen Online-Brokern auch im außerbörslichen Handel Limitfunktionen genutzt werden.

Außerbörsliche Handelsplattformen: Welche eignet sich?

Typisch für den OTC-Handel ist, dass alle Vorgänge vollelektronisch ablaufen. Das heißt, der Anleger kann seine Order direkt im System eingeben, so dass diese gleich ausgeführt wird. Natürlich nur, sofern genug Angebot besteht. Teilnehmer an der Transaktion sind nur noch die beiden Handelspartner Käufer und Verkäufer, die über das System in Verhandlung treten. Diese organisierten Wertpapiermärkte für außerbörslichen Handel existieren mittlerweile ergänzend außerhalb der klassischen Börsen. Zu diesen Märkten zählen:

  • Lang & Schwarz: Ist eine Aktiengesellschaft, die sich sowohl mit dem börslichen als auch mit dem außerbörslichen Handel von Wertpapieren und Hebelprodukten beschäftigt.
  • Tradegate: Da Tradegeate Exchange ein regulärer Börsenplatz ist, unterliegt nicht nur der Handel entsprechenden Börsen-Regularien. Zudem erfolgen Kontrollen durch eine Überwachungsstelle. Sowohl die Konditionen als auch die Ordererteilung entsprechen allerdings dem außerbörslichen Handel.
  • Trading Information Quote System (T.I.Q.S.): Ein System für den außerbörslichen Handel von Wertpapieren, mit dessen Hilfe der Kunde über seine Bank direkt mit den Emittenten handeln kann.
  • Citibank Automated Trading System (CATS-OS): Ist die außerbörsliche Handelplattform der Stuttgarter Börse, bei dem eines keine Mindestgröße für Handelsaufträge gibt.
Vorteile & Nachteile auf einen Blick

Geringere Kosten
Sehr schnelle Orderausführung
Längere Handelszeiten
Flexibilität der Produkte
Keine Teilausführungen
Geringere Markttransparenz
Fehlende Kontrolle bzw. Aufsicht

Außerbörslicher Handel: Kurse immer günstiger?

Ein Vorteil des OTC-Handels ist, dass dieser nicht den strengen Regeln einer Börse unterliegt. So können dort auch Wertpapiere gehandelt werden, nicht für den Börsenhandel zugelassen wurden. Zudem wird das gesamte Verfahren sehr simpel abgewickelt. Ein Handelsvorgang ist in wenigen Sekunden durchgeführt bzw. abgeschlossen. Dies spart nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Denn beim außerbörslichen Handel fallen weder handelsplatzabhängige Börsengebühren noch andere Fremdspesen, z.B. Makler-Courtagen, an. Es werden in der Regel auch kostenintensive Teilausführungen von Wertpapier-Ordern vermieden.

Außerbörslicher Handel: Zeiten als großer Vorteil?

Ein weiterer Vorteil außerbörslicher Handelsplattformen sind die deutlich längeren Handelszeiten. Anders als an deutschen Börsenhandelsplätzen kann hier nicht nur jeweils zwischen 8 und 20 Uhr getradet werden. Daneben gibt es bei einigen Freihandelsplattformen sogar die Option am Wochenende zu handeln.

Außerbörslicher Handel: Nachteile ebenfalls vorhanden?

Ein Nachteil des außerbörslichen Handels ist die oft geringere Markttransparenz. Anders als beim klassischen Börsenhandel, hat der Anleger beim Direkthandel keine Möglichkeit zur Einsicht in das Orderbuch. Er hat somit selbst keinen Überblick über Angebot und Nachfrage. Da es für den außerbörslichen Handel kaum Referenzmärkte gibt, hat ein Anleger sehr wenige Vergleichsmöglichkeiten. Ob es sich bei dem jeweiligen Angebot des Emittenten tatsächlich um einen marktgerechten Preis handelt, muss der Anleger selbst entscheiden bzw. überblicken.

So sollte zumindest überprüft werden, ob der aktuelle Börsenpreis oder außerbörsliche Kurse vorteilhafter für den Anleger sind. Deshalb ist der außerbörsliche Handel vor allem außerhalb der Börsenhandelszeiten riskant. Schließlich kann in diesen Situationen kein entsprechender Referenzkurs eingeholt werden. Eine Prüfung, ob die Angebote angemessen sind, ist in diesem Zeitraum nicht möglich. Da es zudem in diesem Bereich weder eine Börsenaufsicht noch eine andere menschliche Zwischenkontrolle gibt, wird der Handel auch nicht beaufsichtigt.

Außerbörslicher Handel: Kosten geringer als an der Börse?

Für den außerbörslichen Direkthandel werden meist feste Preise bei den Online-Brokern entrichtet. Da man keinen Börsenplatz benötigt, werden auch diesbezüglich keine Gebühren, Fremdspesen oder sonstige Börsengebühren fällig. Zudem werden dort in der Regel keine kostenintensiven Teilausführungen getätigt. In diesem Sinne ist der außerbörsliche Handel bei den meisten Brokern günstiger als der normale Börsenhandel. Häufig bieten sogenannte Discount Broker besonders günstige Angebote rund um das Wertpapierdepot-

Den passenden Online-Broker suchen

Bei der Wahl des Online-Brokers sollte in erster Linie darauf geachtet werden, dass das Angebot möglichst passend zu den eigenen Prioritäten gewählt wird. Schließlich geht es darum, genau den Online-Broker zu finden, der den Ansprüchen des Anlegers entspricht. Einen guten Überblick über verschiedene Anbieter liefert ein direkter Online-Broker Vergleich.