Hedgefonds: Hohe Renditen und enorme Risiken

Spätestens seit der Finanzkrise ab 2008 ist diese spezielle Form der Fondsanlage in aller Munde, werden Hedgefonds doch als einer der Gründe angesehen, wieso die Finanzblase platzte. Tatsächlich sind Hedgefonds eine hochspekulative Anlage. Das bedeutet zwar sehr gute Renditechancen, doch gleichzeitig werden dafür beträchtliche Risiken in Kauf genommen. In Deutschland unterliegen Hedgefonds deshalb einer stärkeren Regulierung, Privatanlegern ist es nicht so ohne weiteres möglich, zu investieren.

Was ist ein Hedgefonds?

Hedgefonds sind spezielle Investmentfonds, die unter anderem Derivate und Leerverkäufe nutzen, um überdurchschnittlich hohe Renditen zu erzielen. Zudem werden die Fondsanlagen meist zu einem großen Teil fremdfinanziert. So wird das eingesetzte Kapital mit Hilfe von Krediten erhöht. Gewinne aus Kurssteigerungen fallen auf diese Weise höher aus, als wenn der Fonds nur mit eigenem Kapital investieren würde. Man spricht in diesem Fall von einem Leverage-Effekt oder einer Hebelwirkung. Dieser Hebel funktioniert letztlich aber auch in die andere Richtung und sorgt bei Verlusten dafür, dass auch diese stärker ausfallen.

Strategien der Hedgefonds

Die größten Hedgefonds 2016

Liste der größten Hedgefonds nach verwaltetem Vermögen 2016

Angaben in Mrd. Dollar

Das Ziel eines Hedgefonds ist es, auch in Zeiten allgemein fallender Märkte hohe Gewinne zu erreichen. Eine der zentralen Strategien, um das zu erreichen, ist der Leerverkauf. Denn diese Strategie ist für den Einsatz bei sinkenden Kursen konzipiert. In diesem Fall verkauft der Fondsmanager des Hedgefonds einen Basiswert – etwa eine Aktie oder Devisen –, den er noch gar nicht besitzt. Im Moment der Transaktion spekuliert er darauf, dass der Kurs des Basiswerts in der nächsten Zeit (weiter) fallen wird. Um die Transaktion abzuschließen, muss sich der Manager das Wertpapier gegen eine Gebühr bei einer Bank oder einem anderen Finanzdienstleister leihen. Dieses erhält dann der Käufer. Läuft alles nach Plan, kauft der Manager das Wertpapier wiederum nach einiger Zeit an der Börse, jetzt aber vielleicht zu einem günstigeren Kurs. Dieses gibt er an den Verleiher zurück. Für den Fonds entsteht ein Gewinn durch die positive Differenz zwischen hohem Verkaufskurs – des geliehenen Basiswerts – und niedrigem Kaufkurs – des tatsächlich gekauften Basiswerts.

Idee und Erlaubnis von Hedgefonds

Ursprünglich wurden Hedgefonds entwickelt, um das Portfolio gegen starke Verluste abzusichern. Hierher rührt auch der Begriff des Hedgefonds, der „absichern“ bedeutet, englisch: to hedge. Fonds von heute, die spekulativ auf Derivate und Leerverkäufe setzen, haben allerdings mit diesem früheren Zweck nicht mehr viel zu tun, auch wenn sie den Hedgefonds zuzurechnen sind.

Eine zweite wichtige Anlagestrategie für Hedgefonds ist die sogenannte Arbitrage. Auch hier werden Kursunterscheide ausgenutzt. Allerdings nicht, wie bei Leerverkäufen, zwischen zwei verschiedenen Zeitpunkten, sondern zwischen zwei Handelsplätzen. Diese Strategie ist möglich, da Wertpapiere bei verschiedenen Börsen zu leicht unterschiedlichen Preisen gehandelt werden – und das zum gleichen Zeitpunkt. Der Hedgefonds-Manager kann bei einer solchen Strategie zum Beispiel an der Börse Stuttgart ein Wertpapier kaufen, um es zeitgleich an der Börse Frankfurt zu einem höheren Kurs zu verkaufen.

Funktionsweise von Hedgefonds

Bulle und Bär vor einem Aktienkurs

Wie andere Investmentfonds auch, werden Hedgefonds in Deutschland als offene Fonds konzipiert. Das bedeutet, eine Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) sammelt Geld von Anlegern ein, verwahrt dieses als Sondervermögen auf einer Depotbank und kauft Wertpapiere, Rohstoffe oder etwa auch Devisen. Für Hedgefonds ist die Fungibilität der gehandelten Basiswerte wichtig, also die Möglichkeit, diese ohne großen Aufwand zu kaufen und verkaufen.

Aktien und Anleihen zum Beispiel sind solche Basiswerte, in die Hedgefonds investieren. Dann gestalten sie sich als Aktienfonds oder Rentenfonds – nur eben erweitert um die speziellen Finanzinstrumente, mit denen eine höhere Rendite angestrebt wird. Als Immobilienfonds treten Hedgefonds in der Regel dagegen nicht auf, da Immobilien nicht auf die Weise gehandelt werden können, wie es bei Leerverkäufen zum Beispiel notwendig ist.

Hohe Renditechancen, hohe Risiken

Geschlossene Fonds

Hedgefonds sind zwar meist offene Fonds, doch es gibt Ausnahmen. So ähneln Hedgefonds in Großbritannien und anderen Ländern eher geschlossenen Fonds. Hier wird der Fonds als Unternehmen aufgelegt. Anleger können für einen begrenzten Zeitraum Anteile dieses Unternehmens erstehen. Damit sind Fondsvermögen und Gesellschaftsvermögen nicht voneinander getrennt. Die Anlage wird noch riskanter.

Hedgefonds, die mit den beschriebenen Strategien investieren, verwenden zudem eine große Menge Fremdkapital, wodurch eine sehr starke Hebelwirkung hervorgerufen wird. Dieser Hebel ist es auch, der Hedgefonds für Anleger besonders interessant, aber vor allem riskant macht. Denn im Gegensatz zu einfachen Aktien- oder Rentenfonds sind hierbei Verluste möglich, die über die normalen Kursverluste der einzelnen Wertpapiere hinausgehen. Außerdem können Spekulationen auf fallende Kurse, wie sie bei Leerverkäufen stattfinden, finanziell besonders folgenreich sein. Denn theoretisch können Aktienkurse unbegrenzt immer weiter steigen. Wer da auf fallende Kurse gesetzt hat, bekommt ein Problem. Oft müssen Hedgefonds nach einem Verlust deshalb ganz eingestellt werden. Zur langfristigen und sicheren Geldanlage, etwa als Fondssparplan, eignen sich Hedgefonds also eher nicht.

Hedgefonds-Markt

Aufgrund der hohen Risiken von Hedgefonds unterliegen diese in Deutschland einer stärkeren Regulierung als in anderen Ländern. So können Privatanleger hier keine Anteile an Hedgefonds kaufen, zumindest nicht direkt. Das ist nur institutionellen Anlegern erlaubt, etwa Banken oder Versicherungsunternehmen. Private Anleger müssen den Umweg über sogenannte Dachfonds nehmen, die ihrerseits in Hedgefonds investieren. Damit ist ein Mindestmaß an Risikostreuung sichergestellt. Eine weitere Möglichkeit sind Indexfonds, sogenannte ETFs (Exchange Traded Funds). Diese bilden einen Referenzindex ab – zum Beispiel für eine Gruppe von Hedgefonds – und investieren dann in genau die Fonds zu genau den Anteilen, wie sie auch im Index vertreten sind. Da diese ETFs passiv – also nicht durch einen Fondsmanager – gemanagt sind, fallen zudem niedrigere Verwaltungskosten für den Fonds an.

Hedgefonds und das Depot

Wer trotz der hohen Risiken, die mit Hedgefonds verbunden sind, in diese Anlageform investieren möchte, sollte eine Direktbank oder einen Online-Broker wählen, der Dachhedgefonds oder ETFs für Hedgefonds anbietet. Nicht jedes Wertpapierdepot hat diese Produkte im Angebot. Anleger sollten die Anbieter vergleichen und eventuell wechseln. Dabei sind auch die Kosten zu beachten, die für die Führung des Depots oder bei einer Order anfallen.