ETF: Günstige Fonds auf Indexbasis als Kapitalanlage

In den vergangenen Jahren wurden ETFs (Exchange Traded Funds) zu einem immer wichtigeren Baustein der privaten Geldanlage. Viele Anleger mit den unterschiedlichsten Ansprüchen investieren in diese Indexfonds. Manch einer wünscht sich von seiner Anlage in erster Linie niedrige laufende Kosten, ein zweiter vor allem ein niedriges Verlustrisiko, und ein dritter Anleger möchte sich im Bedarfsfall schnell aus seinem Investment zurückziehen können. ETFs bieten viele Vorteile und können all diesen Ansprüchen genügen.

Kapitalanlage ETF: Definition

ETFs sind börsengehandelte Indexfonds. Somit kann jeder, der ein Depot bei einer Direktbank oder einem Online-Broker besitzt, einfach in einen ETF investieren, indem er ETF-Anteile an der Börse kauft. ETF-Trading unterscheidet sich letztlich also kaum von einem Aktienkauf und ist damit weniger aufwändig als ein klassisches Fondsinvestment. Doch was genau sind ETFs? Wodurch unterscheiden sie sich von anderen Investmentfonds? Und was haben sie mit einem Aktienindex zu tun?

Der Index und der Indexfonds

Der Name deutet es bereits an: Indexfonds haben mit Indizes zu tun. Im Prinzip bildet ein ETF einen Index möglichst genau nach. Das heißt also, ein ETF beinhaltet genau die Werte, die auch der jeweilige Index umfasst. Der DAX 30 etwa setzt sich aus den 30 größten deutschen Unternehmen zusammen und zeichnet deren gemeinsame Wertentwicklung nach, der MSCI World besteht sogar aus über 1.600 Aktien aus 23 Industriestaaten. Ein DAX-ETF hat nun genau die Aktien im Portfolio, die auch im DAX enthalten sind, und das in der gleichen Gewichtung. Entsprechendes gilt auch für einen MSCI-World-ETF. Das hat zur Folge, dass der ETF sich so entwickelt wie der Referenzindex.

Zur Geschichte

Die ersten ETFs wurden 1989 und 1990 in den USA und Kanada aufgelegt. Insbesondere die kanadischen ETFs auf den Aktienindex TSE 35 hatten in den folgenden Jahren Vorbildcharakter. Als erster europäischer Handelsplatz nahm die Frankfurter Börse im Jahr 2000 ETFs in den Handel auf. Seitdem ist das Handelsvolumen beständig gestiegen. Derzeit sind hier mehr als 1.000 ETFs gelistet.

Fast Dreiviertel aller ETFs sind Aktien-ETFs, sie bilden also Aktienindizes nach. Doch prinzipiell kann jeder Index nachgebildet werden. Und so gibt es neben Renten- und Geldmarkt-ETFs, die die Indizes von Anleihen und anderen verzinslichen Papieren nachbilden, viele andere spezialisierte ETFs. Dabei können Fondsgesellschaften auch bestimmte Strategien verfolgen, die an die Indexabbildung geknüpft sind. Ein Short-ETF zum Beispiel setzt auf fallende Kurse und zeichnet einen Index dementsprechend spiegelbildlich nach. Ein Leveraged ETF hingegen verstärkt mit dem Einsatz von Fremdkapital die Hebelwirkung und damit die Auswirkungen von Kursschwankungen. Und auch für einzelne Rohstoffkurse werden ETFs angeboten, so können Anleger etwa mit einem Gold-ETF in den Rohstoff investieren. Wie auch die jeweiligen Direktanlagen unterscheiden sich auch die darauf aufbauenden ETFs hinsichtlich Risiko und Renditechancen.

Nachbildung eines Indexes

Dabei wenden die ETF-Anbieter verschiedene Methoden an, um Indizes nachzubauen. Je nachdem, wie der ETF nachbildet, spricht man von einem physischen oder einem synthetischen ETF. Fonds, die tatsächlich und ausschließlich in die Wertpapiere des Referenzindexes investieren – diese also kaufen – sind physische ETFs. Jede Aktie ist physisch im Portfolio enthalten. Werden dabei alle Aktienwerte gekauft, die auch im Index enthalten sind, handelt es sich um einen vollreplizierenden ETF. Doch nicht immer ist es möglich, sämtliche Aktienpositionen in das ETF-Portfolio aufzunehmen, denn viele Indizes sind dazu einfach zu groß (ein S&P-500-ETF müsste zum Beispiel 500 verschiedene Aktienwerte kaufen). Aus diesem Grund gibt es auch teilreplizierende ETFs, die lediglich in eine repräsentative Auswahl der Werte investieren.

Da letzteres zwangsläufig den sogenannten Tracking Error, also die ungewollte Abweichung vom Referenzindex, erhöht, setzen einige Anbieter bei der ETF-Nachbildung auf Swaps. Solche synthetischen ETFs funktionieren damit grundlegend anders. Die verantwortlichen Fondsmanager kaufen nämlich gar nicht die im Index enthaltenen Wertpapiere, sondern andere. Anschließend gehen sie einen Swap-Vertrag mit einem dritten Marktteilnehmer – etwa einer Bank – ein und tauschen die Wertentwicklung des eigenen Portfolios mit der des abzubildenden Indexes. Auf diese Weise ist auch bei sehr großen Indizes eine relativ genaue Nachbildung möglich.

Bedeutung für den Anleger

So simpel die Grundidee eines Exchange Traded Funds also klingt, einfach umzusetzen ist sie nicht. Mitunter müssen viele verschiedene Finanzinstrumente angewendet werden, um eine möglichst genaue Nachbildung zu gewährleisten. Der Anleger merkt davon wenig, doch sollte er sich bewusst sein, dass die Art der Indexnachbildung einerseits Einfluss auf das Risiko der Anlage hat und andererseits auch aus Steuersicht relevant ist. In den Abschnitten „Überschaubare Risiken bei ETFs“ und „ETFs aus Steuersicht“ informieren wir hierzu ausführlicher.

Der Creation/Redemption-Prozess ermöglicht den Börsenhandel

ETF-Kurs und Nachfrage

Die Nachfrage nach einem bestimmten ETF hat keinen Einfluss auf seinen Kurs. Dieser ist ja einzig bestimmt durch den Index, den er abbildet und „abgesichert“ durch den Wertpapiertopf, der bei der Investmentgesellschaft geparkt ist. Damit sind die handelbaren ETF-Anteile zugleich begrenzt. Erhöht sich die Nachfrage signifikant, werden mit Hilfe eines weiteren Creation-Prozesses neue Anteile erzeugt.

Damit ETFs überhaupt an der Börse gehandelt werden können, findet ein komplizierter Prozess mit mehreren Marktteilnehmern statt, der Creation-Prozess. Dabei schafft die Investmentgesellschaft ETF-Anteile in größeren Blöcken. Dazu benötigt sie von einem sogenannten Market Maker, auch Designated Sponsor genannt, einen Wertpapiertopf, der idealerweise über die Wertpapiere verfügt, die im abzubildenden Index enthalten sind. Der Market Maker übergibt den Wertpapiertopf der Investmentgesellschaft und erhält dafür die ETF-Anteile, die nun an der Börse gehandelt werden können. Umgekehrt erhält der Market Maker im Redemption-Prozess seinen Wertpapiertopf zurück, wenn er die ETF-Anteile an die Investmentgesellschaft zurückgibt.

Eigenschaften

ETFs bieten für den Anleger viele Vor-, aber auch Nachteile. Dabei können Indexfonds sehr unterschiedliche Ansprüche an eine Geldanlage erfüllen. Insbesondere im Bereich der Risiken und mit dem Investment verbundenen Kosten zeigen sich die Stärken des ETF. Fonds, die hingegen aktiv gemanagt werden, verursachen meist höhere Kosten und hängen vom individuellen Geschick des verantwortlichen Fondsmanagers ab.

Das Sondervermögen

Anleger, die in Indexfonds investieren, kaufen Anteile eines ETF. Ihr Kapital wird dabei in einem Sondervermögen gesammelt. Die ETF-Anteile verbriefen also zugleich den entsprechenden Anteil am Sondervermögen. Dieses wird von einer Depotbank verwahrt. Der Status des Sondervermögens hat für den Anleger den Vorteil, dass es auf diese Weise vom Vermögen der Investmentgesellschaft getrennt ist. Sollte diese Verluste erleiden oder gar Insolvenz anmelden müssen, bleibt das Sondervermögen dabei unangetastet. Für den Anleger besteht also kein Emittentenrisiko wie etwa beim Kauf von Zertifikaten.

Überschaubare Risiken bei ETFs

Und auch sonst sind ETFs eine vergleichsweise risikoarme Anlage, zumindest auf lange Sicht und unter der Voraussetzung, dass der Fonds breit streut, also einem Index folgt, der zum Beispiel Aktien aus mehreren Ländern oder Branchen beinhaltet. Die Direktanlage in eine einzelne Aktie, aber auch aktiv gemanagte klassische Investmentfonds, die mitunter nicht ausreichend streuen, weisen dagegen ein höheres Risiko auf.

Bulle und Bär vor einem Aktienkurs

Doch ganz ohne Risiken geht es dann doch nicht. Klar, hohe Renditechancen sind immer auch mit einem gewissen Risiko verbunden. Die Aktienkurse können fallen und sich lange Zeit nicht richtig erholen. Wer dann kurzfristig seine Anteile verkaufen muss, tut das vielleicht mit Verlust. Daher sollten Anleger ihren Verkauf lange im Voraus planen. Das vermindert das Risiko, in einem ungünstigen Moment verkaufen zu müssen. Wer in einen Swap-basierten ETF investiert, trägt zudem ein gewisses Kontrahentenrisiko. Denn wenn der Vertragspartner der Investmentgesellschaft, mit dem sie ein Swap-Geschäft eingeht, ausfällt – also zum Beispiel Zahlungsschwierigkeiten hat oder insolvent geht –, kann der ETF dadurch Verluste erleiden. Ein ähnliches Risiko besteht auch für replizierende ETFs, denn die Fondsgesellschaft darf Wertpapiere auch verliehen. Insgesamt betrachtet, weisen ETFs allerdings ein relativ geringes Risiko auf. Insbesondere im Vergleich mit Hedgefonds oder Zertifikaten sind ETFs eher risikoarm.

Der Anleger entscheidet über den Verkauf

Ein weiterer Vorteil von ETFs sind ihre unbegrenzten Laufzeiten. Der Anleger kann sein Investment in einen ETF prinzipiell endlos laufen lassen. Er muss sich nicht, wie zum Beispiel bei Anleihen oder Zertifikaten, am Ende der Laufzeit überlegen, wie er sein freiwerdendes Kapital am besten neu veranlagt. ETFs sind in dieser Beziehung sehr einfache und wenig aufwändige Produkte, um die man sich nicht ständig kümmern muss, um Renditenachteile zu vermeiden.

Ausschüttende und thesaurierende ETFs

Wie auch bei klassischen Aktienfonds und Rentenfonds gibt es thesaurierende und ausschüttende ETFs. Letztere schütten Dividenden beziehungsweise Zinszahlungen regelmäßig aus und bescheren Anlegern so laufende Gewinnbeteiligungen. Thesaurierende ETFs hingegen reinvestieren erzielte Gewinne wieder in den Fonds. Auf diese Weise entsteht ein Zinseszinseffekt, der insbesondere Anlegern, die lange sparen möchten, entgegenkommt. Bei thesaurierenden ETFs stellt sich zudem die Frage nach der Wiederveranlagung nicht. Sparer müssen nicht darüber nachdenken, in welche Wertpapiere sie die Gewinne investieren. Das verhindert auch zusätzliche Transaktionskosten und Börsengebühren.

ETFs aus Steuersicht

Ebenso wie Aktiengewinne versteuert werden müssen, müssen auch die Erträge von ETFs versteuert werden. Dies kann bei ETFs mitunter recht kompliziert werden. Das hängt vor allem von drei Faktoren ab. Thesauriert der ETF Gewinne, oder schüttet er sie aus? Zweitens: Ist der ETF im In- oder Ausland „beheimatet“? Und zuletzt ist relevant, ob es sich um einen physischen oder einen synthetischen ETF handelt.

Am einfachsten liegt der Fall bei ausschüttenden ETFs. Ein Teil der Kapitalerträge aus Dividenden oder Zinszahlungen wird über die Abgeltungssteuer (beziehungsweise Quellensteuer bei ausländischen ETFs) abgeführt. In dem Fall übernimmt das der eigene Broker, bei dem man sein Depot besitzt. Bei inländischen thesaurierenden ETFs führt der Fonds selbst am Ende des Jahres die Steuern auf sogenannte „ausschüttungsgleiche Erträge aus Kapitalvermögen“ ab.

Besteuerung synthetischer ETFs

Da synthetische ETFs streng genommen keine laufenden, ausschüttungsgleichen Erträge erzielen, müssen Anleger ihren Ertrag nur einmal versteuern, und zwar bei Verkauf der eigenen Anteile. Das geschieht dann über die Steuererklärung. Eine Doppelbesteuerung, wie sie bei physischen ausländischen ETFs möglich ist, droht in diesem Fall also nicht.

Problematisch wird es hingegen bei ausländischen thesaurierenden ETFs. Hier übernehmen weder der Fonds selbst, noch der Depotanbieter die Abführung der Steuern. Der Anleger muss die Erträge jährlich in seiner Einkommenssteuererklärung (in der Anlage KAP) angeben. Außerdem sollte er beim Verkauf seiner ETF-Anteile aufpassen, dass es nicht zu einer Doppelbesteuerung kommt. Denn auch der Veräußerungserlös wird besteuert. Dabei werden die bereits gezahlten Steuern der vergangenen Jahre vom Fiskus erst einmal nicht berücksichtigt. Anleger können sich in einem solchen Fall die zu viel gezahlten Steuern über die Steuererklärung zurückholen, indem sie die Steuerzahlungen der letzten Jahre nachweisen.

Verlustverrechnung und Freistellungsauftrag

Die meisten Anleger kennen es: Manchmal macht man eben auch Verluste. Wer ein Depot besitzt, profitiert allerdings von der Verlustverrechnung des Brokers. Erst wenn die erzielten Gewinne die erlittenen Verluste übersteigen, müssen die Erträge versteuert werden. Und mit einem Freistellungsauftrag können Anleger ihre Steuerlast weiter senken. Auf diese Weise können nämlich Kapitalerträge bis zu 801 Euro von der Steuer befreit werden. Den Auftrag hierzu erteilt man dem eigenen Broker. Die meisten Anbieter stellen die nötigen Formulare auf ihren Websites zur Verfügung.

Indexfonds Kosten

ETFs gelten als vergleichsweise günstige Kapitalanlage. Insbesondere gegenüber aktiv gemanagten Fonds bieten sie Preisvorteile. Denn während diese einen sehr hohen Management-Aufwand betreiben müssen, der sich in hohen Managementgebühren niederschlägt, entfällt mit der eher passiven Verwaltung von ETFs auch ein großer Kostenpunkt. Übrig bleibt eine etwas schlankere Gebühr. Im Durchschnitt muss der Anleger mit einer Gesamtkostenquote von etwa 0,4 Prozent jährlich rechnen. Außerdem fällt bei ETFs kein Ausgabeaufschlag an, da die Anteile ja über den Creation-Prozess erzeugt und an der Börse gehandelt werden. Auch die Handelskosten selbst sind aufgrund eher geringer Spreads vergleichsweise niedrig. Der Spread ist die Spanne zwischen niedrigerem Geldkurs, zu dem ein Marktteilnehmer kaufen würde, und höherem Briefkurs, zu dem ein anderer Teilnehmer verkaufen würde.

Broker vergleichen: ETFs im Angebot

Da ETFs an der Börse gehandelt werden, können Anleger mit jedem Broker in einen ETF investieren. Doch wer noch auf der Suche nach einem passenden Broker ist und sich bereits für ETFs als Investment entschieden hat, kann die Depotanbieter auch hinsichtlich spezieller Angebot-ETFs vergleichen. Manchmal werden in solchen Fällen Orderkosten erlassen, oder es warten andere Vergünstigungen auf die Anleger.