Crowdfunding: Profitable Unternehmensprojekte unterstützen

Spotify, Pinterest, Dropbox, Airbnb oder Snapchat – durch Crowdfunding bekommen nicht nur Großinvestoren, sondern auch Privatanleger die Möglichkeit, frühzeitig in potentiell erfolgreiche Startups oder spannende Immobilienprojekte zu investieren. Gleichzeitig können Crowdfunding-Investitionen eine vielversprechende Alternative zu klassischen Geldanlagen oder zum Aktienhandel sein: Sparbuch oder Tagesgeld bringen derzeit kaum Rendite, Geld anlegen in Aktien oder Fonds ist oft undurchsichtig und vor allem für Aktien-Anfänger kompliziert. Doch was genau ist Crowdfunding, wie genau funktioniert es und was sollte man als Crowd-Investor beachten?

Bekannte und skurrile Crowdfunding-Projekte

Iron Sky: Iron Sky ist ein Science-Fiction-Komödie des finnischen Regisseurs Timo Vuorensola aus dem Jahr 2012. Das Film-Projekt hatte bereits vor Kinostart eine große Fangemeinde und ist ein Beispiel für ein sehr erfolgreiches Crowdfunding-Projekt. Ein Großteil der Filmkosten, insgesamt 900.000 Euro, wurden im Internet gesammelt. Fans, die sich an dem Projekt beteiligte, erhielten Einblicke in die Produktion und konnten sogar eigene Ideen zum Film beitragen.

Pro Max-Morlock-Stadion: Mit der Aktion „Max gemeinsam“ rief die Consorsbank in der Fußballsaison 2017/18 zu einem Crowdfunding auf. Ziel war es, das Stadion des 1. FC Nürnberg anstelle eines klassischen Namens-Sponsorings in Max-Morlock-Stadion umzubenennen. Damit sollte einem Wunsch entsprochen werden, der vor allem in der Nürnberger Ultra-Szene mehrfach geäußert wurde. Da die ursprünglich geforderte Crowdfunding-Summe von 800.000 Euro nicht erreicht wurde – lediglich 330.000 Euro kamen zusammen –, stockte die Consorsbank die Summe auf. Auf diese Weise konnte das Projekt dennoch erfolgreich umgesetzt werden.

Schreiben wie Albert Einstein: Der Frankfurter Typograph Harald Geisler untersuchte handschriftliche Dokumente des Physikers Albert Einstein, um daraus einen Font zu kreieren. Schon vorher hatte Geisler einen Font auf der Basis der Handschrift des Tiefenpsychologen Sigmund Freud geschaffen. Mithilfe der Crowdfunding-Plattform Kickstarter wurden 55.000 Dollar von weltweit über 2.300 Unterstützern gefundet. Den Font erhielt man für den Privatgebrauch schon ab einem Investment von 15 Dollar. Im Jahr 2015 konnte das Projekt erfolgreich umgesetzt werden.

Was ist Crowdfunding?

Crowdfunding ist eine Methode, mit der sich Projekte, Produkte oder die Umsetzung von Geschäftsideen durch einen größeren Anlegerkreis finanzieren lassen. Meist wird im Internet zum Crowdfunding aufgerufen. Kapitalgeber sind also in der Regel Internetnutzer. In den meisten Fällen gibt es eine Mindestsumme, die vor Start des Projekts festgelegt wird, und die in einem bestimmten, vordefinierten Zeitraum erreicht werden muss.

Crowdfunding oder Crowdinvesting? Darin liegt der Unterschied

Crowdlending

Eine weitere Spezifizierung von Crowdfunding ist das Crowdlending. Dabei vergeben Privatpersonen (= die Crowd) so genannte Peer-to-Peer-Kredite mit einer festen Laufzeit und einem bestimmten Zinssatz direkt an andere Privatpersonen. Ein Vermittler in Form eines Kreditinstituts oder einer Bank tritt dabei nicht auf.

Bei der ursprünglichen Idee des Crowdfunding schließen sich Menschen zusammen, um ein (künstlerisches oder caritatives) Projekt zu finanzieren, das ohne Crowdfunding wahrscheinlich nicht zu realisieren wäre. War die Aktion erfolgreich, erhalten die Unterstützer des Projekts einen symbolischen Gegenwert für ihr Geld, z. B. die Ausfertigung des Projektergebnisses wie eine CD oder ein T-Shirt. Die klassische Form des Crowdfunding ist also vergleichbar mit einer Spende: Menschen investieren in ein Projekt, weil es ihnen am Herzen liegt oder weil sie seine Verwirklichung sinnvoll finden. Sie investieren nicht, um damit Rendite zu erzielen.

Mittlerweile wird der Begriff Crowdfunding zusätzlich für neuere, spezifischere Ausprägungen wie dem Crowdinvesting gebraucht. Da sowohl Crowdfunding als auch Crowdinvesting Methoden der Gruppen- bzw. Schwarmfinanzierung sind, werden die beiden Begriffe allerdings meist synonym verwendet. Im folgenden Text dient Crowdfunding als Oberbegriff für die unterschiedlichen Ausprägungen; der Schwerpunkt des Textes liegt auf Crowdinvesting.

Anders als beim Crowdfunding ist beim Crowdinvesting Rendite zu erwarten: Menschen investieren beispielsweise in ein Startup und erhalten im Gegenzug Anteile. Die Anleger werden also Anteilseigner am Unternehmen und sind dadurch am Gewinn beteiligt. Mit Crowdinvesting bietet sich privaten Kleinanlegern die Möglichkeit, bereits in einem sehr frühen Stadium der Unternehmensgründung in ein Unternehmen zu investieren.

Durch Crowdfunding investieren, wie geht das?

Die Crowdfunding-Plattform Kickstarter

Die Crowdfunding-Plattform Kickstarter ist ein US-amerikanisches Unternehmen, das im Jahr 2009 online gegangen ist. Mittlerweile zählt Kickstarter zu den weltweit größten Plattformen für Crowdfunding-Projekte und ist auch in Deutschland sehr erfolgreich.

Crowdfunding-Projekte werden auf Plattformen im Internet gesammelt. Dort kann man sich meist über verschiedene Kategorien und Crowdfunding-Arten ein Projekt aussuchen, in das man gerne investieren möchte. Die Plattformen informieren nicht nur über die Geschäftsideen an sich, sondern veröffentlichen darüber hinaus relevante Informationen für den Investor. Zu diesen Informationen gehören in der Regel:

  • der aktuelle Fundingstatus,
  • das ausgegebene Finanzierungsziel,
  • die Anzahl der bisherigen Investoren,
  • die Laufzeit des Projekts,
  • die Höhe der zur erwartenden Mindestrendite und
  • der Mindestinvestitionsbetrag.

Möglichkeiten beim Crowd-Funding

Grundsätzlich gibt es beim Crowdfunding zwei Möglichkeiten: Entweder man investiert Eigenkapital in Immobilien oder in Startups. In beiden Fällen hat man verschiedene Vorteile.

In Startups investieren

Eine Investition in Startups ist die gängigere Form des Crowdinvestings. Sie bietet Anlegern die Möglichkeit, direkt in ein junges Unternehmen zu investieren und im Idealfall an deren Erfolg teilzuhaben. Crowd-Investoren haben die Möglichkeit ihr Verlustrisiko breit zu streuen, denn an Startup-Projekten kann man sich schon mit einer vergleichsweise geringen Summe beteiligen. Bei vielen Plattformen liegt die Mindestinvestsumme bei etwa 150 Euro bis 250 Euro. Als Anleger hat man so die Möglichkeit, sich an vielen Projekten zu beteiligen, ein breites Portfolio aufzubauen. Außerdem entscheidet man als Crowd-Investor mit, welche Innovationen gefördert werden und setzt dadurch wirtschaftliche Impulse. Die Auseinandersetzung mit den Geschäftsmodellen von Startups kann man gleichzeitig dazu nutzen, seine Kompetenzen in unterschiedlichen Bereichen der Gründerszene zu erweitern.

In Immobilien investieren

Mit Crowdfunding in Immobilien hat jeder Einzelne die Möglichkeit, direkt in eine Immobilie zu investieren. Diese Form der Finanzierung birgt Vorteile sowohl für die Projektentwickler als auch für die Crowd-Investoren. Crowd-Investoren können sich – vorausgesetzt, das Projekt wird erfolgreich realisiert – auf eine hohe Rendite freuen: Im Durchschnitt liegt sie bei vier bis acht Prozent. Die hohe Rendite wird aufgrund der im Vergleich zu Immobilienfonds geringeren Gebühren möglich. Der Kostenvorteil kann dann in Form von höheren Zinsen an die Investoren weitergegeben werden.

Mezzanine-Kapital

Mezzanine-Kapital beschreibt Finanzierungsarten, die eine Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital darstellen. Beim Crowdinvesting wird unter Eigenkapital das Geld verstanden, das die Projektentwickler ohne die Crowd aufwenden können. Das Fremdkapital kommt von der Crowd.

Ein weiterer Vorteil liegt in den verhältnismäßig kleinen Summen, mit denen man sich auch an Immobilien-Projekten in der Regel schon beteiligen kann. Als Anleger hat man also auch hier die Möglichkeit, die Verlustrisiken breit zu streuen. Zusätzlich weiß man, in welcher Immobilie sein Geld steckt und kann den Fortschritt des Projekts genau verfolgen.

Der Vorteil der Projektentwickler liegt in der zusätzlichen Sicherheit, die sie der Bank durch das gefundete Geld bieten können. Da sich das Eigenkapital der Projektentwickler durch das zusätzliche Geld der Crowd erhöht, – man spricht vom so genannten Mezzanine-Kapital – erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Bank das benötigte Immobiliendarlehen zur Realisierung des geplanten Projekts bewilligt.

Erfolg und Risiko: Totalverlust durch Crowdinvest?

Eine Investition durch Crowdfunding kann eine vielversprechende Geldanlage sein. Immerhin bietet diese Form der Finanzierung die Möglichkeit, sich intensiv mit den Projekten auseinanderzusetzen. Gleichzeitig fördert man junge Unternehmen oder Projekte, die sich beispielsweise auf die Fahne geschrieben haben, besonders umweltfreundlich oder nachhaltig zu sein. Das Risiko eines Totalverlusts ist allerdings ähnlich hoch wie beim Aktienhandel. Zwar gibt es viele sehr erfolgreiche Startups. Dennoch überwiegt die Anzahl der scheiternden Startups deutlich. Investiert man in Immobilien, kommt es immer wieder vor, dass die Baukosten höher ausfallen als gedacht oder dass die Immobilie nicht zum geplanten Preis verkauft werden kann. In den genannten Fällen geht die Crowd meist leer aus.

Crowd-Darlehen sind Nachrangdarlehen

Die Tatsache, dass die Crowd beim Scheitern von Crowdfunding-Projekten oft leer ausgeht, hängt damit zusammen, dass das Darlehen der Crowd gegenüber dem Darlehen der Bank in der Regel als nachrangig betrachtet wird. Im Falle einer Insolvenz des unterstützten Startups beispielsweise erhält demnach erst die Bank ihr Geld zurück. Das Darlehen der Crowd kann danach in vielen Fällen nicht mehr bedient werden. Diese Regelung ist vor allem deshalb schwierig, weil Crowd-Investoren üblicherweise kein Mitspracherecht beim Projekt haben. Zwar können sie entscheiden, welches Projekt gefördert werden soll, seine Entwicklung können sie aber nicht beeinflussen. Zusätzlich hat ein Crowd-Investor in der Regel kein Kündigungsrecht. Stellt man also nach einiger Zeit fest, dass das Projekt doch nicht so gut anläuft wie anfangs angenommen, hat man keine Möglichkeit, seine Investition zurückzuziehen.

Investition durch Crowdfunding sollte gut überlegt sein

Die bisherigen Crowdfunding-Erfahrung zeigen, dass man als Crowd-Investor durchaus Rendite erzielen kann. Es gibt viele erfolgversprechende Projekte, die gut realisiert werden können und entsprechende Gewinne verzeichnen. Insgesamt sollte man sich aber über das hohe Risiko im Klaren sein, das Crowdinvesting birgt. Schließlich weiß man nie mit hundertprozentiger Sicherheit, ob das Projekt wirklich realisiert werden kann oder wieviel Gewinn am Ende tatsächlich erzielt wird. Im schlimmsten Fall geht man leer aus. Wer sich für Investitionen durch Crowdfunding interessiert, sollte sich also mithilfe eines Crowdfunding-Vergleichs gut über das Wunschprojekt informieren, die Risiken abwägen und genau über die Summe nachdenken, die er investieren will.