Squeeze Out-Verfahren: Herausdrängen der Kleinaktionäre

Das Squeeze Out-Verfahren: Herausdrängen der Kleinaktionäre

Die Unternehmensleitung sollte in der Regel die Interessen der Kleinaktionäre berücksichtigen, schließlich gehört diesen anteilig das Unternehmen. Kleinaktionäre können also durchaus mitreden und damit auch: unangenehm sein. Doch „die Großen“ wissen sich hier durchaus zu helfen. Und zwar mithilfe des sogenannten Squeeze Out-Verfahrens.

Squeeze Out: Definition

An der Börse bezeichnet man mit einem Squeeze Out ein gesetzlich verankertes Ausschlussverfahren, um Kleinaktionäre per Zwangsabfindung aus der Aktiengesellschaft herauszudrängen. So läuft der Squeeze Out: Großaktionäre können ein Squeeze Out-Verfahren auf der Hauptversammlung des Unternehmens beantragen. Allerdings gelten hier im Voraus Bedingungen: Beispielsweise muss dem beantragenden Großaktionär über 95 Prozent der betreffenden Aktiengesellschaft gehören.

Squeeze Out: Aktien-Inhaber erhält Abfindung

Um den Anteilseigner für seinen Verlust zu entschädigen, erhält dieser eine Barabfindung. Über die Höhe der Abfindung entscheidet zunächst der Großaktionär, der den Squeeze Out vorgeschlagen hat. Allerdings nicht im Alleingang: Im Auftrag einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft begutachtet ein externer Prüfer die Bilanzen der jeweiligen AG, um eine angemessene Abfindung festlegen zu können. Im Anschluss stimmen alle Aktionäre auf der Hauptversammlung über die Abfindung ab.

Verlust der Aktien: Squeeze Out

Für einen Kleinaktionär kann der erzwungene Ausschluss – abhängig vom aktuellen Börsenkurs – vor- oder nachteilig sein. Häufig lassen bereits die Gerüchte um einen Squeeze Out den Aktienkurs sinken, da Anleger bei dem jeweiligen Unternehmen weniger Aktien erwerben. Es besteht somit die Wahrscheinlichkeit, dass der Aktienkurs zum Zeitpunkt des Ausschlusses niedriger ist als zuvor. Viele Kleinaktionäre versuchen daher über die Höhe der Abfindung zu verhandeln.

Squeeze Out: Deutschland ist seit 2002 dabei

In Deutschland ist das Squeeze Out-Verfahren in dem Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WpÜG) verankert und seit Anfang 2002 möglich. Gegner des Ausschlussverfahrens stören sich häufig an dessen Zwangscharakter. Befürworter argumentieren unter anderem, dass ein Squeeze Out den Wirtschaftsstandort Deutschland stärke. Grund dafür sei die Neuverteilung der Unternehmensanteile: Für Unternehmen werde es deutlich leichter zu planen und zum Beispiel Strukturveränderungen durchzusetzen. Da außerdem rechtliche Informationspflichten für die ausgeschlossenen Aktionäre entfallen, könne man zusätzlich administrative Kosten einsparen.