BaFin: Die Bedeutung der Finanzaufsicht für Privatanleger

In Deutschland übernimmt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz: BaFin, die Regulierung des Finanzwesens. Sie führt die Aufsicht über Banken, Versicherungsunternehmen und den Wertpapierhandel. Ihr Ziel besteht darin, durch eine angemessene Kontrolle das Vertrauen der Verbraucher, Anleger und Sparer in die Finanzinstitute zu stärken. Denn wo Vertrauen herrscht, werden auch die Dienstleistungen des Finanzwesens in Anspruch genommen, so der Gedanke dahinter. Auf diese Weise soll die gesamte Volkswirtschaft gestärkt werden.

Welche Bereiche deckt die BaFin ab?

Börsenaufsicht

Börsenaufsicht ist Ländersache; die BaFin hat damit erst einmal nichts zu tun. Stattdessen kontrollieren die Börsenaufsichtsbehörden der Länder ihre jeweiligen Börsenplätze, deren Preisbildungsprozesse und Handelssysteme. Die BaFin dagegen ist nur für Handelssysteme zuständig, die von Kredit- und Finanzdienstleistungsinstituten betrieben werden.

Die BaFin arbeitet auf Grundlage verschiedener Gesetze, die das Finanzwesen in Deutschland, sowie Verordnungen, die das Finanzwesen in Europa regeln. Die betroffenen Unternehmen müssen die Gesetze selbstständig umsetzen. Die BaFin beaufsichtigt sie dabei, um sicherzustellen, dass die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben auch geschieht. Die hierfür maßgeblichen deutschen Gesetze sind:

  • Für die Bankenaufsicht das Kreditwesengesetz (KWG)
  • Für die Versicherungsaufsicht das Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG)
  • Für den Wertpapierhandel das Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) und das Wertpapierprospektgesetz (WpPG)

Die BaFin kontrolliert dabei nicht nur die Neugründungen von Banken, Finanzdienstleistern und Versicherungen, sondern unterzieht die bestehenden Institute auch einer laufenden Aufsicht. Derzeit kontrolliert sie 1.740 Banken, 674 Finanzdienstleistungsinstitute und 538 Versicherungsunternehmen. Dabei gilt als Grundprinzip: Umso risikoreicher die Tätigkeit eines Unternehmens ist, umso mehr Aufmerksamkeit widmet die BaFin diesem Unternehmen. Insbesondere große Investmentbanken, die eine Vielzahl komplexer Finanzinstrumente nutzen, stehen so im Fokus der BaFin.

BaFin-regulierte Broker

Nicht jeder Online-Broker, der in Deutschland tätig ist, unterliegt automatisch der deutschen Bankenaufsicht. Entscheidend sind Hauptsitz und Sitz etwaiger Niederlassungen des Unternehmens. BaFin-reguliert sind zum Beispiel folgende Broker:

  • Flatex
  • OnVista
  • S-Broker

Aufsicht des Wertpapierhandels

Ein wichtiger Teilbereich der Aufsicht betrifft den Handel mit den meisten Wertpapierarten, also zum Beispiel Aktien, Anleihen und Investmentfonds. In erster Linie beaufsichtigt die BaFin hier börsennotierte Unternehmen, um zum Beispiel Insiderhandel und den daraus folgenden Marktmanipulationen vorzubeugen. In diesem Zusammenhang überwacht die BaFin auch Übernahmen börsennotierter, inländischer Unternehmen, die streng reglementiert sind und über eines von drei gültigen Angebotsverfahren vonstattengehen müssen.

Wertpapiere und Derivate

Voraussetzung dafür, dass Wertpapiere an einer Börse gehandelt werden dürfen, ist ein Prospekt, der umfassend über die Aktie oder Anleihe und den Emittenten, also den Herausgeber des Produkts, informiert. Insbesondere über die Chancen und Risiken des Produkts muss der Herausgeber informieren. Die BaFin kontrolliert solche Prospekte, jedoch tut sie das nicht auf inhaltlicher, sondern lediglich auf formaler Ebene; sie prüft also, ob . Für Anleger bedeutet das, dass, nur weil ein Prospekt existiert, die Qualität des Produkts noch nicht sichergestellt ist.

EU-Verbot für binäre Optionen

Binäre Optionen und CFDs werden von BaFin & Co. sehr kritisch gesehen. Aus diesem Grund sprach die europäische Finanzaufsicht ESMA Anfang 2018 ein Verbot für binäre Optionen aus, das für den gesamten EU-Raum gilt. Auch CFDs wurden stark reguliert. Informieren Sie sich jetzt.

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Bis 2012 war der außerbörsliche Handel (OTC) mit Derivaten weitgehend unreguliert. Während an den Börsen Derivate zur besseren Handelbarkeit standardisiert wurden, fehlte OTC-Derivaten, also zum Beispiel Hebelprodukte wie CFDs, eine solche Einheitlichkeit. Die genauen Vertragsbedingungen für OTC-Derivate konnten die beteiligten Parteien unter sich aushandeln. Heute sind solche Derivate immer noch nicht standardisiert. Auf EU-Ebene wird jedoch an Maßnahmen gearbeitet, den außerbörslichen Derivatehandel – dazu gehört auch Forex sowie der Handel mit binären Optionen – stärker zu regulieren. So sollen künftig etwa OTC-Plattformen Derivat-Geschäfte an ein zentrales Transaktionshandelsregister melden.

BaFin und andere Aufsichtsstellen

Die BaFin ist nur eine von vielen Finanzaufsichtsstellen in Europa. Während auf EU-Ebene vor allem die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) tätig ist, haben die einzelnen Staaten jeweils eigene Aufsichten. In Deutschland ist das die BaFin, die wiederum eng zusammenarbeitet mit den Börsenaufsichten der Bundesländer. Auf diese Weise wird versucht, auf allen Ebenen ein effektives Kontrollnetz für Finanzdienstleistungen zu schaffen.