Anlegen im Ausland: Broker teils mit versteckten Gebühren

Die Welt rückt näher zusammen, dank der globalen Vernetzung sind die Menschen nicht mehr nur über die Geschehnisse in ihrem eigenen Land informiert, sondern erhalten Neuigkeiten aus allen Teilen der Welt. Vor allem die Finanzbranche hat sich durch schnellere Kommunikationswege und global agierende Unternehmensgiganten verändert. Und längst haben auch Anleger verstanden, dass es neben DAX und alteingesessenen Firmen wie Siemens oder VW auch internationale lukrative Investitionsmöglichkeiten gibt. Wer aber im Ausland Geld anlegen möchte, muss einige Dinge beachten. Die Wege sind heutzutage kürzer, dennoch gibt es Gebührenstrukturen, die beachtet werden müssen und Risiken die es zu vermeiden gilt.

Depot im Ausland oder im eigenen Land?

Die erste Frage, die sich Anleger stellen, wenn sie auch im Ausland investieren möchten, ist, ob sie auch ein entsprechendes Auslandsdepot benötigen. Grundsätzlich ist es nicht notwendig, sich ein (zweites) Depot im Ausland zuzulegen, wenn man zum Beispiel Aktien japanischer Unternehmen kaufen möchte. Diese kann man in der Regel auch mit einem deutschen Depot an den entsprechenden Handelsplätzen kaufen. Wer bereits vor Depoteröffnung weiß, an welchen internationalen Börsen er handeln will, kann dies bei der Auswahl des Anbieters berücksichtigen und einen Broker wählen, der zum einen Handel an diesem Handelsplatz anbietet und zum anderen entsprechend gute Konditionen bietet.

Dennoch kann es sinnvoll sein, sich einen ausländischen Broker zu suchen. So fallen bei Transaktionen im Ausland nicht nur die üblichen Ordergebühren an, sondern es kann zu zusätzlichen Kosten kommen. Hinzu kommt, dass es häufig gesonderte Preislisten für internationale Trades gibt oder Aktionsrabatte nicht für solche gelten, je nach Online Broker. Ausland bedeutet eben häufig auch teurer. Dies kann man umgehen, wenn man ein Depot in dem Ansässigkeitsstaat eröffnet, in dem das Unternehmen seinen Firmensitz hat.

Dieses Vorgehen lohnt sich aber nur, wenn man einen bevorzugten internationalen Handelsplatz hat, zum Beispiel die USA. Es ist wenig lukrativ sich in jedem Land ein eigenes Depot zuzulegen, wenn man Wertpapiere aus dutzenden unterschiedlichen Ländern hat. Schließlich sind nicht alle Depots kostenlos und müssen letztlich auch verwaltet werden. Käufe, Verkäufe und Gewinn-Verlust-Kalkulationen erfordern dann großen Koordinationsaufwand. Hinzu kommt, dass man sich auch immer mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen des Ziellandes auseinandersetzen muss.

Tipp: Gebühren für ausländische Dividenden vermeiden

Für die Gutschrift von ausländischen Dividenden verlangen viele Broker eine Gebühr. So fordert der eigentlich günstige Broker flatex beispielsweise eine Gebühr von 1,50 Euro bei Dividenden unter 15 Euro. Ganze 5 Euro werden bei Dividenden ab 15 Euro fällig. Da beispielsweise US-Aktienkonzerne teils viermal pro Jahr eine Dividendenauszahlung veranlassen, kann das teuer werden.

Besteuerung bei ausländischen Kapitalanlagen

Ob Auslandsaktien, internationale Fonds oder ausländische Dividenden – alle Kapitaleinkünfte, egal wo sie erzielt werden, müssen versteuert werden. Die Medien lassen häufig den Eindruck entstehen, dass es möglich wäre, im Ausland zu investieren, ohne einen Teil der Einkünfte wieder an den Staat abgeben zu müssen, etwa mit einem Konto in der Schweiz. Dies ist ein Trugschluss! Auch wenn das Depot im Ausland liegt, oder die Dividenden aus einem anderen Land auf das eigene Konto fließen, müssen diese versteuert werden. Ob dies über die heimische Abgeltungssteuer passiert oder über eine ausländische Quellensteuer ist von der Anlage und dem jeweiligen Land abhängig. Außerdem kommt hier zum Tragen, ob man ein heimisches oder ein ausländisches Depot hat. Je nach Sitz des Kontos werden andere Schritte notwendig.

Steuern und Aktien

Nicht nur bei Anlagen im Ausland werden Steuern fällig. Auch Gewinne aus dem Inland müssen versteuert werden. Einen Überblick über alle wichtigen Informationen rund um das Thema „Steuern und Aktien“ gibt es hier.

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Besteuerung bei deutschem Konto

Für Gewinne aus Verkäufen oder auch ausländische Dividenden gilt die Abgeltungssteuer, sofern die Einkünfte auf ein deutsches Konto fließen. Diese wird vom Broker automatisch abgezogen und an das entsprechende Finanzamt abgeführt, ebenso wie es bei Einkünften von inländischen Wertpapier-Produkten passiert. Der Anleger muss keine Schritte einleiten. Die Problematik ist aber: Bereits im Land des Unternehmens kann es zu einer Versteuerung gekommen sein. Viele Länder erheben ebenso wie Deutschland direkt auf die Einkünfte Steuern. Diese ausländische Quellensteuer kann also zu einer Doppelbesteuerung führen.

Glücklicherweise gibt es aber internationale Abkommen, die dafür sorgen, dass Anleger nicht zu viele Steuern zahlen müssen. Um allerdings die zu viel gezahlten Steuern wieder zurückzuerhalten, muss beim Finanzamt ein entsprechender Antrag gestellt werden. Je nach Zielland gibt es für dieses Verfahren unterschiedliche Vorgaben. Das Bundesfinanzministerium bietet die entsprechenden Formulare und Hilfestellung an. Der Bürokratieaufwand ist aber nicht zu vermeiden.

Besteuerung bei ausländischem Depot

Ein ausländisches Depot unterliegt den gesetzlichen Bestimmungen des jeweiligen Landes. Entsprechend werden auch die Steuern auf die Einkünfte erhoben. Dennoch muss der Anleger die erzielten Gewinne auch in Deutschland versteuern. Dazu müssen alle Einkünfte in der Einkommenssteuererklärung aufgeführt werden. In der Regel erstellen auch ausländische Broker zum Jahresende eine Übersicht über die erzielten Einkünfte, die für die Steuererklärung herangezogen werden kann. Es kommt dann zu einer Nachbesteuerung. Das Finanzamt teilt dem Anleger schriftlich mit, welcher Betrag für die ausländischen Dividenden, Verkaufsgewinne, etc. an Steuer gezahlt werden muss.

Es kommt also hier ebenfalls zwangsläufig zu einer Doppelbesteuerung. Die bürokratischen Schritte zur Erstattung der zu viel gezahlten Steuern werden also auch bei einem ausländischen Depot notwendig. Einige Anleger sehen es aber als Vorteil an, bis zur endgültigen Steuerzahlung in Deutschland über einmalig besteuertes Kapital auf dem Auslandsdepot zu verfügen, das sie bis zur tatsächlichen Zahlung weiter investieren können. Dies gilt vor allem für Depots in Ländern, die über keine direkte Quellensteuer verfügen oder einen geringeren Steuersatz.

Ausländische Investitionen erfordern mehr Aufmerksamkeit

Internationale Märkte sind attraktiv, haben aber auch ihre Tücken. Neben rechtlichen Aspekten wie die unterschiedliche Besteuerung, gibt es auch viele Kleinigkeiten, die vom Anleger mehr Aufmerksamkeit erfordern. Dies beginnt bei breiteren Recherchen, mit Informationen, die vielleicht nicht immer leicht zugänglich sind. Je exotischer das anvisierte Investitionsland ist, desto schwerer fällt häufig auch der Einstieg in den Markt. Das beginnt manchmal bereits bei der Depoteröffnung.

Auch mit einem Depot in Deutschland gilt es, wachsam zu sein. So erhebt zum Beispiel der Anbieter flatex Dividenden-Gebühren, wenn diese aus dem Ausland gutgeschrieben werden. Da es für Auslands-Transaktionen häufig gesonderte Preislisten gibt, sollte man sich genau über mögliche Gebühren informieren, um nicht seine Rendite mit – häufig unnötigen – Kosten zu schmälern. Wer den Aufwand aber nicht scheut, kann sein Anlage-Portfolio ohne Bedenken um internationale Investments ergänzen und so neue Gewinnchancen entdecken.