Mitarbeiteraktien: Als Arbeitnehmer am Unternehmenserfolg teilhaben

Viele, vor allem größere Unternehmen biten ihrer Belegschaft Unternehmensanteile an. Das heißt, Mitarbeiter können die Aktien des eigenen Unternehmens kaufen und erhalten so – neben ihrem Arbeitslohn – die Möglichkeit, zusätzlich vom Unternehmenserfolg zu profitieren. Dabei erhält die Belegschaft die Aktien teilweise sogar vergünstigt oder kostenlos. Solche Mitarbeiteraktien bieten viele Vorteile, dennoch sollten Anleger einige Grundregeln beachten, damit das günstige Investment nicht zu einem Misserfolg wird.

7 deutsche Firmen überraschen mit Top-Mitarbeiteraktien-Programm

  • Siemens

    Siemens bietet seinen Mitarbeitern gleich mehrere Aktienprogramme an. Dadurch sind Förderungen bis zu 360 € im Jahr sowie eine Gratisaktie nach dem Kauf von 3 Aktien möglich.

  • Allianz

    Schon seit 1995 bietet der Versicherer seinen Kunden die Möglichkeit von Mitarbeiteraktien zu profitieren. Wer eine Allianz-Aktie hält, hat das Recht auf einen Jahresbonus, der ein Zwölftel des Jahresbruttoeinkommens ausmacht.

  • Zalando

    2014 ging Zalando an die Börse, seit 2016 vergibt das Unternehmen auch Mitarbeiteraktien: Als Zalando Mitarbeiter erhalten Sie nach einer Haltefrist von 2 Jahren eine Gratis-Aktie für zwei gekaufte Aktien.

  • Henkel

    Kauft ein Henkelmitarbeiter drei Aktien des Unternehmens, erhält er eine umsonst dazu. Das Unternehmen gibt seit 2001 Mitarbeiteraktien aus. Es gilt die Voraussetzung, dass die Aktien mindestens 3 Jahre lang gehalten werden.

  • Axel Springer

    Als Mitarbeiter müssen Sie mind. 50 € pro Monat in Axel Springer Aktien investieren. Dafür erhalten Sie einen Zuschuss von 30 % des angelegten Vermögens vom Unternehmen dazu.

  • E.ON

    Mitarbeiter, die eine E.ON Aktie halten, dürfen sich über einen jährlichen Zuschuss von 360 Euro pro Jahr freuen. Die Mindesthaltedauer der E.ON Mitarbeiteraktie beträgt 2 Jahre. Sie wird seit 1984 ausgegeben.

  • BASF

    1999 führte BASF das sogenannte Plus-Programm ein. Hält ein Mitarbeiter 10 BASF-Aktien, so erhält er nach 3, 5, 7 und 10 Jahren eine weitere kostenlos vom Unternehmen.

Mitarbeiteraktien: Günstige Möglichkeit für den Aktienhandel

Mitarbeiteraktien sind Unternehmensanteile, die als Wertpapier an die Mitarbeiter des betreffenden Unternehmens ausgegeben werden – und zwar ausschließlich an diese. Hierin unterscheiden sie sich von üblichen Aktien. Das Unternehmen betreibt ein spezielles Mitarbeiteraktienprogramm, um der Belegschaft die Möglichkeit zu geben, stärker am Firmenerfolg teilzuhaben. So gibt zum Beispiel auch der Autobauer Daimler Belegschaftsaktien zu vergünstigten Konditionen aus. Der erste Inhaber einer solchen Mitarbeiteraktie ist also immer ein Mitglied der Unternehmensbelegschaft, in diesem Fall von Daimler. Mitarbeiteraktien werden aber mit dem Verkauf, etwa an einer Börse, zu regulären Aktien. Davor gehen allerdings meist einige Jahre ins Land, denn erst wenn die Aktie für eine gewisse Zeit im Besitz des Mitarbeiters war, darf dieser sie weiterverkaufen.

Gratisaktien komplett risikofrei

Manche Unternehmen geben Gratisaktien für Mitarbeiter aus. Solche Gratisaktien sind dann noch nicht einmal an die Bedingung geknüpft, dass der Mitarbeiter zuvor Aktien des Unternehmens gekauft hat. In diesem Fall verbindet sich also für den Mitarbeiter kein Risiko mit der Aktie, denn er musste ja kein Geld investieren, um die Aktien zu erhalten. Selbst ein Kursverlust wäre dann verschmerzbar.

Aktienprogramme: Drei Aktien bezahlen, vier erhalten

Es gibt keine allgemein verbindliche Form, in der Aktien für Mitarbeiter zur Verfügung gestellt werden. Jedes Unternehmen kann sein eigenes Aktienprogramm auflegen und sich überlegen, wie es Anreize schaffen kann, damit die eigenen Mitarbeiter in das Unternehmen investieren. Manche Unternehmen verkaufen ihre Aktien ganz einfach zum regulären Marktpreis an die Belegschaft, andere Unternehmen bieten Vergünstigungen oder verschenken Aktien sogar. So vielfältig die jeweiligen Programme auch sind, es lassen sich einige Gemeinsamkeiten formulieren, die bei den meisten Unternehmen auftauchen.

Auch, wenn es noch der Standard ist – viele Unternehmen verkaufen nicht einfach nur ihre Aktien an Mitarbeiter zum aktuellen Marktpreis. Vielmehr nutzen sie bestimmte Bonusprogramme, um bei der Belegschaft zusätzliche Anreize für den Kauf zu schaffen. Weit verbreitet sind zum Beispiel Bonusaktien. Diese erhält ein Mitarbeiter, sobald er eine bestimmte Anzahl Aktien gekauft hat. Gängig ist hier etwa, dass der Mitarbeiter beim Kauf von drei Aktien eine vierte kostenlos bekommt.

Belegschaftsaktien können aber auch bezuschusst oder mit Rabatten versehen werden. In solchen Fällen erhalten die Mitarbeiter Aktien mit einem Rabatt, müssen also nicht den vollen Preis zahlen. Oder sie bekommen vom Arbeitgeber einen finanziellen Zuschuss. Auch dann zahlen sie weniger für die Wertpapiere. Allein hieraus ergibt sich bereits ein Vorteil gegenüber dem regulären Kauf der Aktien an einem Börsenplatz.

Bonus bedeutet meist auch Sperrfrist

Eine solche Mitarbeiterbeteiligung über Aktien ist jedoch in den meisten Fällen an zusätzliche Bedingungen gebunden, die in der Regel die Haltedauer betreffen. Wer Aktien seines Arbeitgebers über das Mitarbeiterprogramm kauft, muss diese für eine bestimmte Zeit lang auch behalten. Er darf sie nicht sofort wieder verkaufen. Das nennt sich Sperrfrist. Diese Regelung gilt vor allem dann, wenn Mitarbeiter über Zuschüsse oder Rabatte vergünstigt an die Aktien gekommen sind. Auch Bonus- bzw. Gratisaktien sind in den meisten Fällen von Sperrfristen betroffen. Bei allen Beteiligungen sind Fristen von ein bis vier Jahren üblich.

Freistellungsauftrag eintrichten

Wer den Sparerfreibetrag nutzen möchte, sollte einen Freistellungsauftrag für das eigene Depot einrichten. Auf diese Weise führt der Broker oder die Bank die Steuern nicht automatisch an das Finanzamt ab. Der nicht zu versteuernde Gewinn wird dann in voller Höhe dem Verrechnungskonto des Depots gutgeschrieben.

Mitarbeiteraktien: Versteuerung und Freigrenze

Bei der Besteuerung von Mitarbeiteraktien müssen Anleger auf zwei verschiedene Zusammenhänge achten. Zum einen betrifft das den Erhalt der Aktien selbst. Denn Mitarbeiteraktien gelten – sofern sie vergünstigt angeboten werden – als geldwerter Vorteil und müssen damit nach dem persönlichen Steuersatz des Käufers versteuert werden.

Allerdings gibt es eine gesetzliche Freigrenze von derzeit 360 Euro im Jahr. Wer also vergünstigte Aktien erhält, muss diese nicht versteuern, solange der Gesamtwert seiner Ersparnis die 360 Euro nicht übersteigt. Das gilt auch für Gratisaktien. Ein Mitarbeiter darf kostenlose Aktien im Wert von 360 Euro erhalten, ohne dass er diese versteuern muss. Manche Unternehmen orientieren sich bei der Ausgabe von Gratisaktien an der gängigen Besteuerung von Mitarbeiterbeteiligungen, das heißt, sie geben jährlich nur so viele Gratisaktien pro Mitarbeiter aus, dass der Vermögenswert unterhalb der Freigrenze bleibt. In diesem Fall ist die gesamte Mitarbeiterbeteiligung steuerfrei. Erst wenn diese Freigrenze überschritten wird, muss der Mitarbeiter Zuschüsse, Rabatte und Gratisaktien versteuern.

Geldwerter Vorteil im Rechenbeispiel

Bei Gratisaktien ist die Rechnung einfach. Aber was ist, wenn der Arbeitgeber Aktienkäufe lediglich bezuschusst? Ein kleines Rechenbeispiel verdeutlicht den Zusammenhang. Angenommen, ein Arbeitgeber bezuschusst den Kauf von Mitarbeiteraktien mit 25 Prozent. Dann könnte ein Mitarbeiter Aktien seines Unternehmens für insgesamt 1.440 Euro kaufen. Denn der Zuschuss, den der Arbeitgeber dabei gewährt und der als geldwerter Vorteil gilt, beläuft sich in dem Fall auf genau 360 Euro (25 % von 1.440 Euro). Der Mitarbeiter hat dann zwar für 1.440 Euro Aktien gekauft, sein finanzieller Vorteil beläuft sich jedoch lediglich auf die 360 Euro des Zuschusses.

Welche Sparpläne gibt es?

Ein Sparplan ist ein guter Weg, um langfristig Vermögen aufzubauen. Börsengehandelte Sparpläne erzielen aktuell die höchsten Renditen. Dazu zählen der Aktiensparplan, Fondssparplan und ebenso der ETF-Sparplan. Letzterer zeichnet sich außerdem durch hohe Sicherheit zusätzlich aus.

Achtung: Gewinne werden zusätzlich versteuert

Neben der Versteuerung geldwerter Vorteile unterliegen Mitarbeiteraktien aber auch der Abgeltungssteuer. Diese wird für Gewinne aus Kapitalvermögen und anderen Anlagen erhoben. Die Steuer fällt also bei allen Wertpapierklassen an, und dann eben auch bei Belegschaftsaktien. Doch der bloße Besitz ist noch nicht steuerlich relevant. Die Abgeltungssteuer fällt nur dann an, wenn mit den Aktien auch Gewinne erzielt werden. Das ist zum Beispiel bei der Auszahlung einer Dividende der Fall oder wenn der Mitarbeiter seine Aktien irgendwann verkauft und damit einen Veräußerungsgewinn erzielt.

Die Abgeltungssteuer beträgt in Deutschland 25 Prozent (hinzu kommt der Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls die Kirchensteuer). Das bedeutet, 25 Prozent des erzielten Gewinns werden als Abgeltungssteuer an das zuständige Finanzamt abgeführt. Wer Aktien für 1.000 Euro kauft und fünf Jahre später für 2.000 Euro verkauft, erzielt einen Gewinn von 1.000 Euro und muss 25 Prozent davon, also 250 Euro, an das Finanzamt abführen (plus Soli und Kirchensteuer). Jedoch steht jedem Anleger ein Freibetrag in Höhe von 801 Euro zu. Diesen abgezogen, bliebe im Beispiel also nur noch ein zu versteuernder Gewinn von 199 Euro. Davon 25 Prozent sind 49,75 Euro. Nur dieser Betrag müsste dann an das Finanzamt gezahlt werden.

Wie werden die Aktien verwahrt?

In den meisten Fällen arbeiten die Aktien ausgebenden Unternehmen mit Banken und Brokern zusammen, bei denen die Mitarbeiter dann ein Wertpapierdepot anlegen können, um ihre erstandenen Aktien zu verwahren. Oft können die Mitarbeiteraktien in diesem Fall sogar kostenfrei über die Firma verwahrt werden. Das Depot wird dann aber in der Regel auch nur für die Aktienbeteiligung des Mitarbeiters genutzt. Daneben besteht aber auch die Möglichkeit, dass der Mitarbeiter bei einer Bank oder einem Broker ein normales Wertpapierdepot eröffnet. Das ist in der Regel spätestens dann nötig, wenn er die Aktien verkaufen möchte.

Mitarbeiteraktien: So sichern Sie Ihre Investments ab!

Die Eröffnung eines eigenen Depots (jenseits des Unternehmensangebots) bietet sich aber auch aus einem anderen Grund an. Denn auf diese Weise kann das Depot nicht nur zur Verwahrung der Mitarbeiteraktien verwendet werden, sondern auch zum Kauf weiterer Investments und Sparanlagen wie zum Beispiel ETF-Sparplänen. Und das ist aus Gründen der Kapitalabsicherung dringend angeraten. Ein Belegschaftsaktionär sollte seine Geldanlage nicht nur einseitig auf die Aktien eines Unternehmens ausrichten. Dabei entsteht ein zu hohes Risiko, denn der Wert der Geldanlage steht und fällt mit dem Börsenkurs der Aktie. Wer an der Börse investiert, sollte seine Anlagen deshalb breit streuen. Fonds oder ETFs, die weltweit in Unternehmen investieren, eignen sich besonders gut, um das eigene Depot abzusichern.

Depot suchen und Portfolio erweitern

Mitarbeiter eines Unternehmens mit eigenem Aktienprogramm sollten sich bewusst machen, ob sie sich auch in Zukunft mit der Firma identifizieren können und ihr treu bleiben werden. Dann kann der Kauf von Mitarbeiteraktien zum Vorzugspreis ein günstiger Einstieg in einen Markt mit hohen Renditechancen sein. Vorsicht ist dennoch geboten. Die Aktieninvestition sollte unbedingt durch weitere, breit streuende Anlagen abgesichert werden. Ein günstiges Depot bei einem Online-Broker ist der ideale Ausgangspunkt, um das eigene Portfolio zu erweitern.