Aktien für Anfänger: So gelingt der Start an der Börse

Die Zinsen auf das klassische Sparkonto sind niedrig wie nie. Um weiterhin Zinsen und Renditen auf Erspartes zu erhalten, zieht es immer mehr Sparer an die Börse. Für Privatpersonen wurde der Börseneinstieg zuletzt deutlich erleichtert, denn gleich mehrere deutsche Banken bieten mittlerweile Aktiendepots für 0 Euro Jahresgebühr an. Bevor man als Aktienanfänger in den Börsenhandel einsteigt, sollte man sich über die Angebote der Broker und über die verschiedenen handelbaren Produkte informieren. Auf diese Weise können auch Anfänger bereits mit kleinen Anlagebeträgen von Beginn an Gewinne erwirtschaften und unnötige Gebühren sparen.

Grundlegendes zur Börse: Anfänger aufgepasst!

Was sind Aktien?

Aktien sind Wertpapiere, die an der Börse gehandelt werden können. Sie werden von Unternehmen ausgegeben, die Firmenanteile zur Kapitalgewinnung in Form von Aktien an Anleger verkauft haben.

Die revolutionärste Entwicklung an der Börse war die Einführung des Computerhandels. Händler sitzen demzufolge meist vor dem Computerbildschirm, während sie Vermögenswerte in Sekundenschnelle bewegen und über Kauf oder Verkauf entscheiden. Zumindest gilt das für wirklich erfahrene Händler mit hohem Fachwissen. Für Privatanleger sind schnelle Käufe und Verkäufe an der Börse in der Regel eher uninteressant. Dennoch können auch Privatkunden Gewinne erzielen indem sie Aktien kaufen. Für Anfänger ist es ratsam, zunächst das vermeintlich große Mysterium, die Börse, zumindest im Allgemeinen zu überblicken. Dazu gilt es meist einige Fragen zu beantworten: Was sind eigentlich Aktien? Handeln lernen – geht das? Wo kann ich Aktien überhaupt kaufen? Worauf muss ich besonders achten und welche Kosten kommen auf mich zu?

Aktienhandel für Anfänger: Aktien und Aktienkurse kurz erklärt

Im Grunde genommen ist eine Börse ein Marktplatz für Wertpapiere. Dieser funktioniert im Prinzip wie ein herkömmlicher Markt auf dem Waren ver- und gekauft werden. Angebot und Nachfrage bestimmen auch hier den Preis. Bei einem Verkaufsbeispiel mit Äpfeln wird der Ablauf der Preisbildung deutlich. Hier legen Verkäufer grundsätzlich zunächst selbst den Preis für ihre Ware fest. Im Laufe des Tages wird dieser aber von verschiedenen Faktoren beeinflusst.

Das Marktbeispiel:

Ein Verkäufer bietet zu Beginn des Verkaufstages Äpfel für einen Euro das Stück auf einem Wochenmarkt an. Das Geschäft läuft nur schleppend, möglicherweise hat sich der Verkäufer verspekuliert und den Preis zu hoch angesetzt. Er kann kaum Äpfel verkaufen. Der Verkäufer reagiert und senkt den Preis. Jetzt werden deutlich mehr Äpfel gekauft als zuvor, doch einige Kunden feilschen weiter um den Preis, da sie auf eine weitere Preissenkung setzen. Kurz vor Marktschluss hat der Verkäufer noch Äpfel übrig, er möchte aber alle Äpfel für den heutigen Tag loswerden. Daher senkt er den Preis tatsächlich erneut. Die Kunden, die also gegen Marktschluss Äpfel gekauft und auf den fallenden Preis spekuliert haben, erhielten so den günstigsten Preis für ein und dasselbe Produkt. Wohingegen die Kunden bei Markteröffnung am meisten für einen Apfel bezahlt haben.

Erklärung: Trading

Mit dem kurzfristigen Kauf und Verkauf von Wertpapieren werden spontane Kursschwankungen ausgenutzt. Das Ziel ist Gewinne zu realisieren.

Ähnlich verhält es sich auch mit den Kursverläufen von Aktien an der Börse. Nur, dass hier üblicherweise nicht mit greifbaren Produkten wie Äpfeln, sondern mit Unternehmensanteilen gehandelt wird. Außerdem besteht zwischen dem Verkäufer und privaten Käufer häufig noch eine weitere Instanz: Der Makler, der im Fachjargon Broker genannt wird. Dieser führt die Wertpapieraufträge stellvertretend für den Anleger an der Börse aus. Broker müssen Regeln einhalten, die von der Deutschen Börse und speziellen Behörden wie der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) überwacht werden. Diese gelten für den nationalen Handel mit Aktien, international hingegen gelten die Regelungen der betreffenden Länder. Neben dem Broker ist auch der Trader eine wichtige Begrifflichkeit im Börsen-Jargon. Als Trader werden häufig Anleger bezeichnet, die in der Regel ein hohes Fachwissen besitzen und verstärkt an der Börse agieren.

Vom (Wert-) Papier zur Depotbank: So digital ist die Börse

Wer auf dem Markt einen Apfel kauft, kann diesen einfach in die Hand und direkt mit nach Hause nehmen. Einst wurden auch für Aktienkäufe und -verkäufe reelle Papierurkunden, also Wertpapiere, ausgestellt. Jetzt werden Wertpapiere nicht mehr im Schlafzimmerschrank aufbewahrt, wie es der Großvater einst vielleicht getan hat. Vielmehr werden sie nun elektronisch registriert und verwaltet. Kunden können ihr Depot an einem Computer einsehen und dort den aktuellen Preis ihrer Aktien prüfen. Bei einem Kauf oder Verkauf wechseln sie nur noch virtuell den Besitzer. So wird ein Wertpapier dem einen Depot zugeschrieben und dem anderen im Umkehrschluss abgezogen. Da sich unzählige Akteure und Investoren an der Börse befinden, ist diese ständig in Bewegung. Meist bewegen sich preisliche Schwankungen von Aktienkursen nur im Cent-Bereich. Gewinne können Investoren allerdings erst erzielen, wenn ihre Aktien nach dem Kauf an Wert zulegen, ihr Kurs also steigt.

Erklärung: Depot

Aktien-Anfänger benötigen ein Depot, möchten sie mit Wertpapieren handeln. Ein Depot ist ein Konto, auf dem Wertpapiere von einer Bank für den Kunden verwahrt und verwaltet werden. Einige Banken fordern hierfür Gebühren, sogenannte Depotgebühren. Diese sind mit Kontoführungsgebühren vergleichbar.

Schritt für Schritt: Erst Depot eröffnen, dann Aktien kaufen

Bevor man sich steigende Aktienkurse wünschen kann, muss man zuerst den Sprung aufs Parkett wagen und an der Börse investieren. Da das eigene Girokonto auch beim Aktienhandel für Anfänger nicht ausreicht, um an der Börse zu agieren, müssen Interessenten ein Depot eröffnen. Noch bevor man sich also darüber Gedanken macht, welche Aktien man denn kaufen soll, muss man sich zunächst für ein bestimmtes Depot entscheiden, beispielsweise bei einer Direktbank oder einem Online-Broker. Hierbei sollten Interessenten besonders auf die Höhe der Gebühren achten. Schließlich nützt der beste Handel nichts, wenn die Gebühren des Brokers den Gewinn verschlingen. Mit einem online Broker-Vergleich können Wunsch-Investoren die Angebote und Kosten der verschiedenen Broker schnell überblicken. Dabei gilt es auch auf Ordergebühren zu achten. Also die Gebühren, die der Anleger an den Broker zahlen muss, wenn er diesem einen Auftrag erteilt. Hat man alle wichtigen Faktoren geprüft und ein geeignetes Depot gefunden, kann dieses häufig direkt online eröffnet werden.

Schritt 1: Antragstellung auf Depoteröffnung

Hat man ein passendes Depot gefunden, muss dieses zunächst beantragt werden. Interessenten müssen hierzu in der Regel zunächst ein Antragsformular ausfüllen. Wer sich für ein Depot bei einer Direktbank entschieden hat, kann das üblicherweise relativ schnell online tun. In diesem Formular werden zunächst persönliche Informationen wie Name, Adresse und Geburtsdatum erfragt. Hier kann man häufig auch schon Organisatorisches, wie den Erhalt von Depotauszügen und Abrechnungen, festlegen.

Schritt 2: Einstufung in eine Risikoklasse

Meist ist es üblich, dass im Zuge der Antragstellung für ein Depot nach den bisherigen Erfahrungen der Neukunden hinsichtlich der Börse gefragt wird. Der Antragsteller wird dann aufgrund seiner Antworten und Erfahrungswerte in eine bestimmte Risikoklasse eingestuft. Broker sind laut dem Wertpapieraufsichtsgesetz dazu verpflichtet von Depotinteressenten ein Anlegerprofil erstellen zu lassen. Durch die Einordnung genießen Anleger mit weniger Erfahrung ein höheres Schutzniveau als beispielsweise Börsenprofis. Das ist auch gut so, denn Unerfahrene erhalten so auch diverse Hinweise seitens der Bank, was den Aktienhandel für Anfänger erleichtern kann.

Schritt 3: Eröffnung des Depots

Hat man den Depotantrag online abgeschickt, erhält man in der Regel kurz darauf ein Antwortschreiben. Zur vollständigen Eröffnung benötigt die Bank üblicherweise die Unterschrift des Antragstellers sowie die Kopie eines gültigen Ausweisdokumentes. Häufig muss dabei eine sogenannte Legitimationsprüfung durchgeführt werden, welche dazu dient die eigene Identität zu beweisen. Hierzu können Kunden entweder das PostIdent-Verfahren der Post nutzen oder aber sie wenden sich an einen Notar, der die Kopie von Personalausweis oder Reisepass beglaubigt. Sind alle erforderlichen Unterlagen bei der Bank eingegangen, wird das Depot normalerweise wenige Tage später für den Kunden eröffnet.

Erklärung: Order

Bezeichnet den Auftrag zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Privatkunden vergeben ihre Order stets an Banken, die diese an die Börse weiterleiten.

Möchte ein Anleger ein Wertpapier erwerben, kann der Kauf in wenigen Minuten abgewickelt werden. Hierzu muss der Investor lediglich in die Handelsmaske des betreffenden Brokers die Wertpapierkennnummer (WKN) angeben und auswählen über welche Börse das Wertpapier gekauft werden soll. Auch die Ordergröße, die Höhe der Investition, kann er hier festlegen. In Deutschland beispielsweise haben Anleger die Wahl zwischen der Börse Frankfurt, dem XETRA-System der Börse Frankfurt und einigen Regionalbörsen.

Grundsätzlich ist nicht allzu viel Schwieriges dabei, möchte man Aktien kaufen. Anfänger zögern jedoch häufig. Denn nicht der Ablauf des Kaufes ist der Grund für die Unsicherheit, sondern die Unüberschaubarkeit der Börse. Nach einer Investition kann kaum jemand sicher sagen, wie sich der Kurs entwickelt. Trotz unzähliger Börsenstrategien existiert die perfekte Formel für Gewinne bis heute nicht. Die Unberechenbarkeit der Börse bietet für Anleger aber auch Chancen, da Einsteiger ebenso wie Experten die Möglichkeit haben von Schwankungen an der Börse zu profitieren. Wichtig dabei ist, ruhig und überlegt zu agieren und sich nicht von Stimmungen beeinflussen zu lassen. Hat der Anleger einige Regeln zur Hand, kann dies bei der Entscheidungsfindung helfen.

Der finale Schritt: Gewinnbringend Aktien kaufen – wie geht das?

Das Angebot an verfügbaren Aktien und Wertpapieren ist, um ehrlich zu sein, schier unüberschaubar. Verständlich, dass dieser große Markt Anlegern zunächst ein wenig Angst einjagen kann. Viele Anfänger fragen sich „Wie kann ich Aktien kaufen und mit ihnen handeln ohne Angst vor Verlusten haben zu müssen?“, denn gerade an der Börse ist das angelegte Vermögen niemals zu hundert Prozent sicher. Dennoch gibt es auch beim Aktienkauf für Anfänger Möglichkeiten das Risiko von Verlusten zu minimieren – mit dem Ziel schließlich Gewinne zu erwirtschaften. Wer einige wichtige Regeln befolgt, kann auch als schüchterner Anleger Gewinne erzielen.

Welche Aktien kaufen? Fünf Tipps für Einsteiger

Es bestehen zwar keine starren Regeln für den Aktienhandel für Anfänger, dennoch gibt es einige Punkte die Investoren beachten sollten, um erfolgreich anzulegen:

  • Langfristig: In der Regel können mit langfristigen Geldanlagen kurzfristige Misserfolge an der Börse ausgeglichen werden, sodass insgesamt ein positives Ergebnis erzielt wird.
  • Nur mit verzichtbarem Vermögen handeln: Das Vermögen, das in Form von Wertpapieren angelegt wurde, sollte bei Verlust verschmerzbar sein. Das hat den Vorteil, dass Entscheidungen an der Börse aus rationalen Gründen getroffen werden können. Häufig gewinnversprechneder als emotionale Kauf- oder Verkaufsentscheidungen.
  • Risiko streuen: Wer nicht nur in verschiedene Unternehmen, sondern auch Branchen und Anlageklassen investiert, kann im besten Fall Schwankungen gewisser Teilbereiche ausgleichen.
  • Kontinuität und Ungeduld: Ein Vermögen kann auch schon mit einer relativ kleinen Summe, beispielsweise im Hunderter-Bereich, aufgebaut werden. Bei kleinen regelmäßigen Beträgen ist es meist sinnvoll auf Kontinuität zu setzen. Fallen die Kurse, erhält man mehr Aktien für das Geld, weniger, wenn sie steigen. Im Durchschnitt erhält der Investor bei kontinuierlicher Investition häufig mehr Aktien, als wenn er sofort eine unwesentlich größere Summe anlegen würde.
  • Realistisch bleiben: Gerade beim Aktienhandel für Anfänger ist es wichtig, nur in Produkte zu investieren, die der Anleger auch versteht. Denn nur dann kann er das Risiko realistisch einschätzen.

Der Aktienmarkt ist grundsätzlich vielversprechend. Ein gewisses Fachwissen eignet man sich aber nicht über Nacht an. Daher kann es ratsam sein, zunächst ein sogenanntes Musterdepot zu nutzen. Im Prinzip folgt es den gleichen Regeln wie ein normales Depot, allerdings wird hier kein reelles Geld bewegt. Anfänger können mit einem Musterdepot also völlig risikofrei den Aktienhandel üben und den Markt Schritt für Schritt kennenlernen. Hat man ein gewisses Gefühl für die Börse, ist es nur noch ein kleiner Sprung auf das Parkett.